Geschichte

Diktator Nicolae Ceausescu: "Titan der Titanen"

Nikolae Ceausesco und Zhou Enlai
"Infiziert" hatte sich Ceausescu vermutlich bei Staatsbesuchen 1971 in China und Nordkorea, wo er in Berührung mit den dort praktizierten Personenkulten um Mao und Kim Il Sung gekommen war. Ceausescu muss ungeheuer fasziniert gewesen sein. (Im Bild: Nicolae Ceausescu und Zhou Enlai in Peking) Bildrechte: IMAGO
Der ehemalige rumänische Staats- und Parteichef Nicolae Ceausescu (l) hält am 24. November 1989 vom Balkon des Kongresspalastes in Bukarest aus unter seinem überdimensionalen Konterfei eine Rede
"Sohn der Sonne", "Titan der Titanen", "Erlöser der Erde", "Schatzkammer der Erde", "Genie der Epoche" oder einfach "Conducator" (Führer) - mit solchen größenwahnsinnigen Bezeichnungen schmückte sich Rumäniens Staats- und Parteichef. Er ließ sich mit Zepter und Schärpe ablichten, riesige Porträts von sich im ganzen Land anbringen und in ungezählten Liedern, Gedichten und Opern huldigen. Bildrechte: dpa
Nikolae Ceausesco und Zhou Enlai
"Infiziert" hatte sich Ceausescu vermutlich bei Staatsbesuchen 1971 in China und Nordkorea, wo er in Berührung mit den dort praktizierten Personenkulten um Mao und Kim Il Sung gekommen war. Ceausescu muss ungeheuer fasziniert gewesen sein. (Im Bild: Nicolae Ceausescu und Zhou Enlai in Peking) Bildrechte: IMAGO
Nicolae Ceaușescu, 1965
Angefangen hatte der "Titan der Titanen" einmal ganz unauffällig. Der am 26. Januar 1918 geborene Nicolae Ceausescu wurde 1965, nachdem er diverse Positionen in Partei und Regierung inne gehabt hatte, zum "Ersten Sekretär" der "Kommunistischen Partei Rumäniens" gewählt. Bildrechte: IMAGO
Nicolae Ceaușescu
Zwei Jahre später übernahm der durchaus populäre Parteichef auch noch das Amt des Staatsratsvorsitzenden und wurde zudem zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte ernannt. Bildrechte: imago/United Archives International
Nicolae Ceaușescu und Leonid Breschnew, 1976
Ceausescu distanzierte sich vom Führungsanspruch der UdSSR und beanspruchte für sein Land eine gewisse Unabhängigkeit innerhalb der sozialistischen Staaten. "Niemand kann ein Monopol auf die absolute Wahrheit beanspruchen", postulierte Ceausescu im März 1968 und jeder wusste, an wen sich dieser Satz richtete - an die UdSSR. (Im Bild: Nicolae Ceausescu und Leonid Breshnew 1976) Bildrechte: IMAGO
Gustav Heinemann und Nikolae Ceausescu
Bereits 1967 hatte Ceausescu für eine Verärgerung in Moskau und vor allem in Ost-Berlin gesorgt, als Rumänien als erstes Land des Warschauer Paktes diplomatische Beziehungen zur Bundesrepublik aufgenommen hatte. DDR-Staatschef Walter Ulbrich hatte nichts unversucht gelassen, Ceausescu von seinem Vorhaben abzubringen - ohne Erfolg. 1971 wurde Ceausescu mit der höchsten von der Bundesrepublik zu vergebenden Auszeichnung für ausländische Politiker geehrt: der "Sonderstufe des Großkreuzes". (Im Bild: Bundespräsident Gustav Heinemann und Nicolae Ceausescu 1971 in Bukarest) Bildrechte: dpa
Nicolae Ceaușescu und Alexander Dubček, 1968
Im Sommer 1968 kam es zum offenen Konflikt mit der UdSSR. Nikolai Ceausescu begrüßte den "Prager Frühling" in der CSSR und unterstützte den Reformkommunisten Alexander Dubček. Als der "Prager Frühling" im August niedergeschlagen wurde, weigerte sich Ceausescu, rumänische Truppen nach Prag zu schicken. Ganz im Gegenteil: Er verurteilte auf einer Massendemonstration in Bukarest den Einmarsch in der CSSR. (Im Bild: Nicolae Ceaușescu und Alexander Dubček in Prag, Frühjahr 1968) Bildrechte: IMAGO
Richard Nixon und Nicolae Ceaușescu, 1969
Im Westen galt Ceausescu als Hoffnungsträger. Er wurde hofiert und zu Staatsbesuchen eingeladen. 1969 der Höhepunkt: US-Präsident Richard Nixon besuchte Ceausescu in Bukarest; ein Jahr später flog der rumänische Alleinherrscher zum Gegenbesuch in die USA. Bei der Gelegenheit wurde Rumänien in den "Internationalen Währungsfond" und die "Weltbank" aufgenommen. (Im Bild: Richard Nixon und Nicolae Ceausescu 1971 in Bukarest.) Bildrechte: IMAGO
Nicolae Ceaușescu neben Sonnenblume, 1976
Ceausescu unterzog Rumänien in den 70er Jahren einer gewaltigen Industrialisierung - sehr zu Lasten der Landwirtschaft. In den 80er Jahren fasste der Conducator dann gar den Plan, bis zum Jahr 2000 mehr als die Hälfte aller rumänischen Dörfer niederwalzen und durch "agroindustrielle Zentren" ersetzen zu lassen, um "den Unterschied zwischen Stadt und Land auszumerzen". (Im Bild: Nicolae Ceausescu 1975.) Bildrechte: IMAGO
Nicolae Ceausescu bei einer Jagd in den 70er Jahren
Entspannung fand Ceausescu bei der Jagd, zu der er sich im Rolls-Royce chauffieren ließ. Dutzende Helfer trieben ihm Wildschweine, Damwild und Bären vor die Flinte, so dass der Conducator auch zum "größten Jäger aller Zeiten" aufsteigen konnte. Bildrechte: IMAGO
Wohnhaus von Nicolae Ceausescu
Das Wohnhaus der Familie Ceausescu am Rand der Hauptstadt Bukarest. In den Karpaten und am Schwarzen Meer besaß Ceausescu weitere Paläste und Villen. Bildrechte: IMAGO
Tagungszimmer, 1992
Ceausescus Arbeitszimmer in seinem Wohnhaus. Bildrechte: IMAGO
Der ehemalige rumänische Staats- und Parteichef Nicolae Ceausecsu sitzt im Cockpit eines Motorseglers vom Typ Sportavia RF 5 der VFW-Fokker Werke.
Teures Geschenk: Bei einem Deutschland-Besuch 1973 macht Ceausescu auch den Bremer Fokker-Werken seine Aufwartung. Die norddeutschen Flugzeugbauer schenken dem rumänischen Partei- und Staatschef bei der Gelegenheit einen Motorsegler. (Im Bild: Ceausescu im Cockpit eines Motorseglers vom Typ Sportavia RF 5.) Bildrechte: dpa
Elena and Nicolae Ceausescu, 1984.
Um Ceausescus Ehefrau Elena wurde ebenfalls ein absurder Personenkult betrieben. Obwohl sie die Schule mit 14 Jahren verlassen und nie studiert hatte, trug sie einen Doktortitel, war Präsidentin der Rumänischen Akademie der Wissenschaften und wurde als "Gelehrte von Weltruhm" gefeiert. (Im Bild: Nicolae und Elena Ceausescu in den 1980er-Jahren.) Bildrechte: dpa
Nicolae Ceaușescu und Erich Honecker winken 1980 aus einem Zug
Das Verhältnis der DDR zu Rumänien war kompliziert. Das lag vor allem an der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Rumänien und der BRD 1967. Große Diskrepanzen gab es auch in der Bewertung des "Prager Frühlings". Erst ab Mitte der 1970er normalisierten sich die offiziell stets als "brüderlich" bezeichneten Beziehungen zwischen den beiden sozialistischen Ländern tatsächlich. (Im Bild: Erich Honecker und Nicolae Ceausescu 1980.) Bildrechte: IMAGO
Ceausescu-Palast in Bukarest
Während die Rumänen hungerten - vom "Land der lebenden Toten" sprach der britische "Observer" in jenen Jahren - ließ Ceausescu 1983 einen obszönen Palast in Bukarest errichten: den "Volkspalast". 20.000 Arbeiter schufteten sechs Jahre lang im Drei-Schicht-System auf der Baustelle. Ceausescu kam jeden Samstag vorbei. Immer musste im Laufe der Woche etwas Neues entstanden sein: eine Treppe, ein Raum, ein Saal. Insgesamt verschlang der Palast Jahr für Jahr 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des klammen Staats. Bildrechte: dpa
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