MDR Fernsehen Hitler - Die ersten 100 Tage, am Samstag (18.01.14) um 22:05 Uhr.
Bildrechte: mdr/rbb/National Archive

Angriff auf Polen 1.9.1939 "Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten!"

Es ist der 31. August 1939. Adolf Hitler befiehlt den Angriff auf Polen. Der erste, aber lang geplante Schachzug in Hitlers Eroberungsfeldzug um Europa. Mit dem Einmarsch in Polen löst Hitler den Zweiten Weltkrieg aus.

MDR Fernsehen Hitler - Die ersten 100 Tage, am Samstag (18.01.14) um 22:05 Uhr.
Bildrechte: mdr/rbb/National Archive

"Seit 5 Uhr 45 wird zurückgeschossen." Ein Satz, der noch Jahrzehnte nach seinem Ausspruch ein Symbol für Zerstörung und Leid ist. Adolf Hitler sagt ihn in seiner Rede vor dem Deutschen Reichstag am 1.9.1939. Die "Wochenschau" und Rundfunksender übertragen die wütende Ansprache des Führers, in der er über die "unerträglichen Zustände" referiert, in denen das deutsche Volk durch den "Versailler Vertrag" leben müsse. Er selbst habe die Polen gebeten, diese Zustände aufzuheben, doch diese hätten sich geweigert. Stattdessen erzählt Hitler von einem Überfall auf den deutschen Sender Gleiwitz.

Polen hat heute Nacht zum ersten Mal auf unserem eigenen Territorium auch mit bereits regulären Soldaten geschossen. Seit 5:45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen! Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten! Wer mit Gift kämpft, wird mit Giftgas bekämpft. Wer selbst sich von den Regeln einer humanen Kriegsführung entfernt, kann von uns nichts anderes erwarten, als dass wir den gleichen Schritt tun. Ich werde diesen Kampf, ganz gleich, gegen wen, so lange führen, bis die Sicherheit des Reiches und bis seine Rechte gewährleistet sind.

Adolf Hitler Rede vor dem Deutschen Reichstag 1.9.1939

Der Anfang war der Hitler-Stalin-Pakt

Hitlers Rede, eine Lüge. Der Angriff auf Polen ist von langer Hand geplant worden. Bereits im August 1939 machte sich der deutsche Außenminister Joachim von Ribbentrop auf den Weg nach Moskau. Im Gepäck: Alle Vollmachten Hitlers um einen Nicht-Angriffspakt mit der Sowjetunion zu schließen. Zehn Jahre sollte er gelten. Darin versichern sich die Erzfeinde, dass sie sich im Falle eines Krieges unterstützen werden. Und: Dass sie sich nicht gegenseitig angreifen werden.

Am 24. August 1939 unterzeichneten der Außenminister des Deutschen Reiches, Joachim von Ribbentrop (l) und der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Molotow (vorn) in Moskau den deutsch-russischen Nichtangriffspakt.
Bildrechte: dpa

In der Nacht vom 22. auf den 23. August 1939 unterschreiben Molotow und Ribbentrop die Dokumente. Keine zwei  Wochen nach der Unterzeichnung greift Deutschland Polen an. Ohne formale Kriegserklärung. Ein Blitzkrieg. Aus dem Nichts greift am 1.9., um 4.45 Uhr, im Hafen von Danzig ein deutsches Kriegsschiff die Westerplatte an. Fünf Minuten vorher hatten deutsche Kampfflugzeuge damit die Kleinstadt Wielun bombardiert. 1.200 Menschen starben. Parallel dazu marschieren mehr als 1,5 Millionen deutsche Soldaten auf dem Landweg ein.

Polen vorerst allein im Kugelhagel

Deutsche Truppen beim 1939 beim Vormarsch nach Polen.
Bildrechte: imago/United Archives

Die polnischen Bündnispartner Frankreich und England reagieren nicht. Sie hatten erst im Frühjahr einen Beistandspakt mit Polen geschlossen. Doch statt Truppen zur Unterstützung zu schicken, bleibt die dringend benötigte Hilfe aus. Die polnischen Armeen, in maßloser Selbstüberschätzung viel zu weit vorn aufgestellt und ohne ausreichende Tiefe, wurden eingekesselt und aufgerieben. Hinzu kommt, dass die Sowjetunion ihren Teil des Hitler-Stalin-Pakts einhält und Ende September ebenfalls in Polen einmarschiert. Bei Brest treffen sie auf die deutschen Truppen. Hitlers Plan bei der "Gewinnung des Lebensraum Ost" ist dabei aufzugehen: Die sowjetischen und deutschen Truppen haben Polen im Herbst 1939 nahezu komplett besetzt.

Hilfe, die viel zu spät kommt

England und Frankreich, die Bündnispartner Polens, reagieren drei Tage zu spät. Erst am 3. September verkünden sie, dass sie sich von nun an mit Deutschland im Krieg befinden. In Warschau feiern die Menschen auf der Straße. Doch an einen Zwei-Fronten-Krieg hat keiner gedacht. An der französischen Grenze werden zwar fünf Millionen Soldaten aufgestellt, doch die Franzosen greifen nicht aktiv ein.

Und dass, obwohl sie Deutschland zahlenmäßig um mehr als die Hälfte überlegen waren. Hätte Frankreich aktiv eingegriffen, so hätte Deutschland wahrscheinlich schon Anfang 1940 aufgegeben. Doch statt dessen kapituliert es erst sechs Jahre später. Der Zweite Weltkrieg kostet mehr als 50 Millionen Menschen das Leben.

(jok)

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im TV: 19.08.2019 | TV | 23:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. September 2019, 10:03 Uhr