Geschichte Mitteldeutschlands | 09.11.2008 Felix Graf Luckner - Der Retter von Halle

Ein Inferno wie in Berlin blieb Halle 1945 erspart. Dank eines Mannes: Felix Graf Luckner feierte sich selbst als "Retter" der Saalestadt. Mit Recht?

April 1945: Nazideutschland liegt am Boden. Der Vormarsch der Alliierten ist nicht mehr aufzuhalten. Trotzdem befiehlt Hitler tief in seinem Berliner Bunker die "Verteidigung bis zum letzten Mann". So auch für Halle. Vor der Stadt lagern die "Timberwölfe", die Soldaten der 104. US-Division, und warten auf den Befehl zum Flächenbombardement. Da trifft eine kleine Hallenser Abordnung unter der Führung des Felix Graf von Luckner im Quartier der Amerikaner ein. Durch geschickte Verhandlungen verhindert Luckner, dass Halle ein Inferno wie Berlin erlebt. Friedlich wird die Stadt den US-Truppen übergeben. Nach dem gelungenen Coup feiert sich Luckner international als "Retter von Halle". Zu dieser Zeit ist er 64 Jahre alt und arbeitet mit aller Kraft an seiner eigenen Legende vom Abenteurer und Volkshelden.

Aus dem Kapitän zur See wird der "Seeteufel"

Felix Graf von Luckner, geboren am 9. Juni 1881, wächst in Halle auf. Mit 16 reißt er von zu Hause aus, um zur See zu fahren. Binnen zehn Jahren schafft er es vom Schiffsjungen zum Kapitän. Im Ersten Weltkrieg kapert er im Auftrag des Kaisers feindliche Schiffe. So durchbricht er die englische Blockade in der Nordsee und bringt als Kommandant des motorisierten Seglers "Seeadler" 16 Schiffe auf. Sein ritterlicher Umgang mit den Kriegsgefangenen verschafft ihm allseits Respekt. Nach dem Ersten Weltkrieg geht Luckner auf Vortragsreisen durch die ganze Welt. 1920 erscheint sein erstes Buch unter dem Titel "Seeteufel, Abenteuer aus meinem Leben". Aus dem Kapitän zur See wird der "Seeteufel", der zum Helden einer ganzen Generation avanciert.

Der "Retter von Halle" oder nur ein Aufschneider?

Mit den Nazis versucht Luckner zunächst zu kollaborieren. Auch er, der populäre Volksheld, passt den neuen Machthabern gut ins Konzept. Er bekommt ein neues Schiff, die "Vaterland", und begibt sich auf Propagandatour für Hitler. Doch nutzt Luckner diese Reisen vorwiegend für seine privaten Interessen. Er fällt in Ungnade, darf nicht mehr öffentlich auftreten und seine Bücher werden verboten. Resigniert zieht er sich 1940 ins Haus seiner Mutter nach Halle zurück und führt ein unscheinbares Leben, bis fünf Jahre später im April 1945 die große Stunde des Felix Graf von Luckner schlägt ...

Zeitzeugen und spektakuläre Dokumente gefunden

Autor und Regisseur Lew Hohmann geht in seinem Film für die Reihe zur "Geschichte Mitteldeutschlands" der Frage nach, ob Luckner wirklich der Volksheld war, als der er sich darstellte oder nur ein geltungssüchtiger Aufschneider? Bei seinen Recherchen stieß er auf Zeitzeugen, die Luckner noch persönlich kannten. In Archiven fand er bislang unveröffentlichte, spektakuläre Dokumente. Gedreht wurde im August 2008 an authentischen Orten, so in Luckners Geburtsstadt Dresden. Ganz bewusst wurde Halle für den Dreh der Spielszenen ausgewählt. Denn dort verbrachte Luckner einen wichtigen Teil seines Lebens.

Buch und Regie: Lew Hohmann
Länge: 45 min.
Sendetermin: 09.11.2008 | 20:15 Uhr

Sendetermin: 09.11.2008 | 20:15 Uhr