Überlebende deutsche Soldaten verlassen nach der Kapitulation Stalingrad
Nach der Niederlage: Lange Kolonnen auf dem Weg in die Gefangenschaft. Viele der ausgezehrten Soldaten sterben nach der Schlacht bei den Fußmärschen, auf den Transporten und in den Lagern. Hätte Paulus durch eine Kapitulation viele Tausende Menschenleben retten können? Darüber wird bis heute diskutiert. Bildrechte: dpa

Dokumente "Noch weht die Hakenkreuzfahne über Stalingrad"

Friedrich Paulus verdankte Hitler seine Militärkarriere maßgeblich. So sieht er sich doppelt zum soldatischen Gehorsam verpflichtet und folgt dessen absurden Halte-Befehlen in Stalingrad bis zum Schluss. Ein Briefwechsel.

Überlebende deutsche Soldaten verlassen nach der Kapitulation Stalingrad
Nach der Niederlage: Lange Kolonnen auf dem Weg in die Gefangenschaft. Viele der ausgezehrten Soldaten sterben nach der Schlacht bei den Fußmärschen, auf den Transporten und in den Lagern. Hätte Paulus durch eine Kapitulation viele Tausende Menschenleben retten können? Darüber wird bis heute diskutiert. Bildrechte: dpa

Paulus an Hitler, am 23. November 1942 aus dem Kessel von Stalingrad:

"Mein Führer!
Seit Eingang Ihres Funkspruchs vom 22.11. abends hat sich die Entwicklung der Dinge überstürzt.
Die Schließung des Kessels ist im Südwesten und Westen nicht geglückt. Bevorstehende Feindeinbrüche zeichnen sich hier ab. Munition und Betriebsstoff gehen zu Ende. Zahlreiche Batterien und Panzerabwehrwaffen haben sich verschossen. Eine rechtzeitige, ausreichende Versorgung ist ausgeschlossen.

Die Armee geht in kürzester Zeit der Vernichtung entgegen, wenn nicht unter Zusammenfassung aller Kräfte der von Süden und Westen angreifende Feind vernichtend geschlagen wird. Hierzu ist sofortige Herausnahme aller Divisionen aus Stalingrad und starker Kräfte auf der Nordfront erforderlich. Unabwendbare Folge muß dann Durchbruch nach Südwesten sein, da Ost- und Nordfront bei derartiger Schwäche nicht mehr zu halten sind. Uns geht dann zwar zahlreiches Material verloren, es wird aber die Mehrzahl wertvoller Kämpfer und wenigstens ein Teil des Materials erhalten:
Die Verantwortlichkeit für diese schwerwiegende Meldung behalte ich in vollem Umfange, wenn ich melde, daß die Kommandierenden Generale Heitz, von Seydlitz, Strecker, Hube und Jaenecke die gleiche Beurteilung der Lage haben.
Bitte auf Grund der Lage nochmals um Handlungsfreiheit!

Heil mein Führer!
gez. Paulus"

Führerbefehl an den OB der 6. Armee, am 24. November 1942:

"Die 6. Armee ist vorübergehend von russischen Kräften eingeschlossen. Ich beabsichtige, die Armee in Raume Stalingrad Nord (...) zusammenzufassen. Die Armee darf überzeugt sein, daß ich alles tun werde, um sie entsprechend zu versorgen und rechtzeitig zu entsetzen. Ich kenne die tapfere 6. Armee und ihren Oberbefehlshaber und weiß, daß sie ihre Pflicht tut.

Gez. Adolf Hitler"

Funkspruch am 29. Januar 1943:

"An den Führer!
Zum Jahrestage Ihrer Machtübernahme grüßt die 6. Armee ihren Führer. Noch weht die Hakenkreuzfahne über Stalingrad. Unser Kampf möge den lebenden und den kommenden Generationen ein Beispiel dafür sein, auch in der hoffnungslosesten Lage nie zu kapitulieren, dann wird Deutschland siegen.

Heil mein Führer!
Paulus, Generaloberst."

Funkspruch am 30. Januar 1943

"Mein Generaloberst Paulus.
Schon heute blickt das ganze deutsche Volk in tiefer Ergriffenheit zu dieser Stadt. Wie immer in der Weltgeschichte, wird auch dieses Opfer kein vergebliches sein.
Das "Bekenntnis" von Clausewitz wird seine Erfüllung finden. Die deutsche Nation begreift erst jetzt die ganze Schwere dieses Kampfes und wird die größten Opfer bringen.
In Gedanken immer bei Ihnen und Ihren Soldaten.

Ihr Adolf Hitler."

Am 31. Januar ernennt Hitler Paulus noch zum Generalfeldmarschall - eine kaum verhohlene Aufforderung zum Selbstmord, der er aber nicht Folge leistet. Er lässt sich am 1. Februar 1943 gefangen nehmen. So nimmt er sich quasi aus der Verantwortung und delegiert die weiteren Entscheidungen auf die anderen Kesselkommandaten. Einer der skurrilsten Vorgänge der Militärgeschichte.

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2015, 14:58 Uhr