Bruno Apitz
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Geschichte des Romans "Nackt unter Wölfen" von Bruno Apitz

Bruno Apitz' Roman über die Rettung eines Kindes im KZ Buchenwald wurde ein Bestseller. Das Buch, 1958 geschrieben, beruht auf wahren Begebenheiten. Es wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt.

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1958 erschien Apitz’ Roman "Nackt unter Wölfen" im Mitteldeutschen Verlag Halle. Es erzählt, wie kommunistische Häftlinge ein jüdisches Kind im KZ Buchenwald retten. Das Buch wurde schnell zum Bestseller, auch außerhalb der DDR. In mehr als 30 Sprachen wurde es übersetzt, mehr als zwei Millionen Exemplare gingen weltweit über die Ladentische. In der DDR zählte "Nackt unter Wölfen" bis 1990 Schullektüre und kaum ein Kind im Osten wird das Buch nicht gelesen haben. Auch der Staat wusste den Roman zu schätzen und instrumentalisierte ihn als wichtigen Bestandteil des antifaschistischen Gründungsmythos der DDR.

Mit 17 zum ersten Mal eingesperrt

Bruno Apitz kam im Jahr 1900 in Leipzig zur Welt, als 12. Kind einer Arbeiterfamilie. Der Junge Apitz war früh politisch interssiert - schon mit 17 Jahren kam er für neun Monate in Untersuchungshaft. Grund: Ihm wurde "Antikriegspropaganda" gegen den 1. Weltkrieg vorgeworfen. Als 18-jähriger folgte die nächste Haftstrafe - wegen "Landesverrats" 18 Monate Gefängnis. 1927 trat er der KPD bei, übernahm verschiedene Parteifunktionen und engagierte sich als Vorsitzender der Leipziger Bezirksgruppe des "Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller". Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten setzte sich sein Weg durch Gefängnisse und Zuchthäuser fort. 1937 wurde Apitz ins KZ Buchenwald deportiert und erlebte dort die Befreiung im April 1945.

Geschichte einer Rettung - Unzeitgemäß und kein Romanstoff

Nach 1945 wurde Apitz Gründungsmitglied der SED. Er schrieb Hörspiele und fürs Feuilleton der "Leipziger Volkszeitung". Als Apitz der DEFA seine Geschichte über die Rettung des Buchenwaldkindes, den Jungen Stefan Jerzy Zweig, anbietet, wird der Staoff als Unzeitgemäß abgelehnt. Auch der Schriftstelerverband will Apitz kein Darlehen geben, um die Geschichte zu einem Roman zu verarbeiten. Also schreibt Apitz auf eingene Faust und eigene Kosten. Nach drei Jahren legte er das Manuskript dem Antifa-Komitee und arbeitete es wie von der Zensur gewünscht um. So kam es, dass Apitz ausschließlich den Widerstandskampf der Kommunisten im KZ Buchenwald schilderte. - Kontakt zu Stefan Jerzy Zweig hat Apitz damals nicht. Als der Film 1963 in Moskau gezeigt wurde, kam der Stein ins Rollen: Bei der DDR-Delegation meldete sich eine Familie, der die Geschichte bekannt vorkam. Sie vermittelten den Kontakt zu Stefans Vater Zacharias Zweig, der in Israel lebte. Stefan Jerzy Zweig zog 1964 zum Studium nach Ost-Berlin, verließ die DDR 1972 aber wieder.

Was ist wahr, was ausgedacht, was ausgespart?

Das, was das echte Buchenwaldkind, Stefan Jerzy Zweig, und der Junge in Bruno Apitz' Roman erleben, unterscheidet sich in verschiedenen Punkten: Während der junge Zweig mit seinem Vater ins Lager kommt - registriert von der SS - wird der Junge im Roman in einem Koffer ins Lager geschmuggelt. In der Realität schützt hauptsächlich der Vater seinen Sohn, im Roman übernehmen - wie von der Zensur erwünscht - die kommunistischen Häftlinge den Schutzengel-Part. Ihr Handeln wird dadurch zum regelrecht übermenschlichen Heldentum stilisiert. Ein entscheidender Unterschied zwischen Roman und wahrer Begebenheit ist der sogenannte "Opfertausch" - ein bitterer Apsekt, der in Apitz Roman nicht auftaucht: Das "Buchenwaldkind" war von SS auf die Transportliste für das Todeslager Auschwitz gesetzt worden - doch die Häftlinge retten es mit einer fieberauslösenden Spitze, denn mit Fieber wurden Lagerinsassen nicht auf den Transport geschickt. Doch die SS beharrte auf einem vollzähligen Transport - so wurde ein anderes Kind ins Todeslager Auschwitz gebracht.

Hier mehr dazu im Interview mit Filmemacherin Ute Gebhardt:

Vom Buch zum Film

1963 verfilmte der DEFA-Regisseur Frank Beyer den Roman "Nackt unter Wölfen". Das Drehbuch schrieb Bruno Apitz, der im Film auch eine kleine Rolle übernahm. - Bruno Apitz starb 1979 kurz vor seinem 79. Geburtstag in Berlin und wurde auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde beigesetzt. Eine Neuverfilmung seines Romans hatte im März 2015 Premiere in Weimar.

Zuletzt aktualisiert: 27. November 2016, 21:23 Uhr

TV-Tipp!

Früjahr 1945, Konzentrationslager Buchenwald. Ein Pole hat in einem Koffer einen kleinen jüdischen Jungen ins Lager gebracht. Was sollen die Häftlinge, unter ihnen der Lagerälteste Walter Krämer (Erwin Geschonneck, li.) und André Höfel (Armin Müller-Stahl), tun, um ihn vor der SS zu verstecken und gleichzeitig den Plan für die Selbstbefreiung des Lagers nicht zu gefährden?
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27.11.2016 | 23:05 Nackt unter Wölfen (Spielfilm DD 1963)

Nackt unter Wölfen (Spielfilm DD 1963)

Frühjahr 1945 im KZ Buchenwald. Mit einem Gefangenentransport kommt ein Koffer ins Lager in dem ein kleiner Junge versteckt ist.