Protektorats-Präsident Emil Hacha (3.v.r.) überreicht am 19. November 1941 im Prager Schloss symbolisch die tschechischen Kronjuwelen an den stellvertretenden Reichsprotektor von Böhmen und Mähren, Reinhard Heydrich (M).
Protektorats-Präsident Emil Hacha (3.v.r.) überreicht am 19. November 1941 im Prager Schloss symbolisch die tschechischen Kronjuwelen an den stellvertretenden Reichsprotektor von Böhmen und Mähren, Reinhard Heydrich (M). Protektorats-Präsident Emil Hacha (3.v.r.) überreicht am 19. November 1941 im Prager Schloss symbolisch die tschechischen Kronjuwelen an den stellvertretenden Reichsprotektor von Böhmen und Mähren, Reinhard Heydrich (M). Bildrechte: dpa

Die Geschichte des gefürchteten Reinhard Heydrich

(1904-1942)

Protektorats-Präsident Emil Hacha (3.v.r.) überreicht am 19. November 1941 im Prager Schloss symbolisch die tschechischen Kronjuwelen an den stellvertretenden Reichsprotektor von Böhmen und Mähren, Reinhard Heydrich (M).
Protektorats-Präsident Emil Hacha (3.v.r.) überreicht am 19. November 1941 im Prager Schloss symbolisch die tschechischen Kronjuwelen an den stellvertretenden Reichsprotektor von Böhmen und Mähren, Reinhard Heydrich (M). Protektorats-Präsident Emil Hacha (3.v.r.) überreicht am 19. November 1941 im Prager Schloss symbolisch die tschechischen Kronjuwelen an den stellvertretenden Reichsprotektor von Böhmen und Mähren, Reinhard Heydrich (M). Bildrechte: dpa

Nichts an der Herkunft Reinhard Heydrichs ließ darauf schließen, dass aus ihm einer der gefürchtetsten und radikalsten Gefolgsmänner Hitlers werden würde. Reinhard Tristan Eugen Heydrich kam als zweites von drei Kindern am 7. März 1904 in Halle an der Saale auf die Welt. Sein Vater war ein vielseitiger Musiker, Opernsänger und Komponist, der 1899 das Erste Hallische Konservatorium für Musik, Theater und Lehrberuf gegründet hatte und es als Direktor leitete. Auch Reinhard spielte ausgezeichnet Violine und besuchte neben dem Gymnasium die Konservatoriumsklassen für Klavier, Cello und Komposition.

Nach dem Abitur 1922 trat der junge Heydrich freiwillig in die Reichsmarine ein. Eine Affäre mit einem jungen Mädchen beendete jedoch seine militärische Karriere. Er stieß zur SS und traf auf Heinrich Himmler, der ihn mit dem Aufbau eines SS-Nachrichtendienstes, des späteren Sicherheitsdienstes (SD), beauftragte.

Ein Mann in Uniform schaut durch einen Zaun, hinter dem Menschen eingesperrt sind.
Heinrich Himmler bei einem Lagerbesuch Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als rechte Hand Heinrich Himmlers, mit dem er ab 1933 lautlos die wichtigsten Schaltstellen von Polizei und Verwaltung besetzte, verknüpfte Heydrich die Traditionen der deutschen Bürokratie mit den Zielen und Methoden der nationalsozialistischen Weltanschauung und Machtpolitik. Dabei verkörperte er nicht den Typ des Rassendogmatikers oder des Revolutionärs, sondern war ein kalter, skrupelloser und rationaler Machttechniker.

Optisch ideal - aber Gerüchte um die Herkunft

Groß gewachsen und blond entsprach Heydrich rein physisch geradezu idealtypisch nationalsozialistischen Vorstellungen. Weihnachten 1931 heiratete er Lina von Osten, die Tochter eines Dorfschulmeisters auf Fehmarn. Der Ehe entstammten vier Kinder. Außerdem war Heydrich ein ehrgeiziger Leistungssportler. Als Flugzeugführer mit einer hohen Anzahl von "Feindflügen" wurde er mit dem Eisernen Kreuz Erster Klasse ausgezeichnet. Seine hohe Intelligenz und seine gleichzeitig inhumane und sachlich-perfektionistische Art ließen ihn als gefährlich und doch unentbehrlich erscheinen. Auf der anderen Seite sprach er mit auffallend dünner, hoher Stimme und kämpfte gegen Minderwertigkeitskomplexe und Selbsthass an. Diese wurzelten nicht nur im Abbruch der Offizierskarriere, sondern auch in fortdauernden Gerüchten um jüdische Vorfahren. Bis 1940 sah er sich wiederholt zu Prozessen wegen angeblicher rassischer Verleumdung gezwungen.

Rasante Karriere

Brustbild eines Mannes mit Seitenscheitel und Uniform
Reinhard Heydrich Bildrechte: AP/dapd

Nach 1933 stieg Heydrich schnell zu einem der mächtigsten deutschen Politiker auf. Er übernahm im März 1933 die Leitung der Bayerischen Politischen Polizei, im April 1934 das Preußische Geheime Staatspolizeiamt und wurde im Juni 1934 zum SS-Gruppenführer befördert. Mit der Ernennung zum Chef der Sicherheitspolizei (Sipo) unterstanden dem erst 32-Jährigen ab 1936 neben dem SD auch die Geheime Staatspolizei (Gestapo) und die Kriminalpolizei. Durch die weitere Verschmelzung von SS und Polizei im Reichssicherheitshauptamt (RSHA), einem Labyrinth zahlloser Referate, stand Heydrich seit September 1939 endgültig an der Spitze der Machthierarchie. Formal war er weiterhin Himmler unterstellt, aber, so bemerkte Hermann Göring, "das Gehirn hieß Heydrich".

Heydrich, Leiter des größten organisierten Massenmords der modernen Geschichte

Der Name Heydrichs verbindet sich jedoch vor allem mit der Wannsee-Konferenz und der "Endlösung der Judenfrage". Im Juli 1940 wurde Heydrich zum Beauftragten für die "Gesamtlösung der Judenfrage" bestellt, nachdem schon ab 1938/39 die Leitung und die praktische Durchführung der judenfeindlichen Maßnahmen immer mehr auf die Gestapo übergegangen waren. In dieser Position leitete er am 20. Januar 1942 eine interministerielle Konferenz am Berliner Wannsee. Ihr Hauptzweck war es, die Ministerien und Obersten Reichsbehörden für die Durchführung der "Endlösung" zu koordinieren und europaweit zu organisieren. In seiner neuen Funktion widmete sich Heydrich mit emotionaler Gleichgültigkeit der Suche nach perfekten Lösungen und wurde damit zum anfänglichen Leiter des größten organisierten Massenmords der modernen Geschichte.

Anschlag auf den "Schlächter von Prag"

Heydrichs letzte politische Station führte ihn als Statthalter Hitlers im Herbst 1941 in die Hauptstadt des Reichsprotektorats Böhmen und Mähren. Vor dem Hintergrund seines offenen Terrors gegen die Bevölkerung galt er bald als "Schlächter von Prag". In einer engen Straßenkurve nahe der Prager Stadtgrenze wurde Reinhard Heydrich am 27. Mai 1942 Opfer eines Attentats. Zwei tschechische Partisanen schleuderten eine Handgranate unter seinen Wagen und verletzten Heydrich damit schwer. Zwar gelang es ihm noch, herauszuspringen und sein Magazin leer zu schießen, acht Tage später jedoch erlag Heydrich seinen Verwundungen und wurde damit der bedeutendste Repräsentant des NS-Regimes, der einem Anschlag zum Opfer fiel. Dieser, von tschechoslowakischen Exilkreisen in England geplante und vorbereitete Anschlag hatte beispiellose brutale Rache- und Verfolgungsmaßnahmen der Nationalsozialisten zur Folge. Die Attentäter Jan Kubis und Josef Gabcik verschanzten sich in der Krypta einer Kirche und töteten sich selbst.

Die Nationalsozialisten sannen auf Vergeltung. Bewohner des Dörfchens Lidice, in der Nähe von Prag, gerieten in Verdacht, mit dem Attentat auf Heydrich in Verbindung zu stehen. Beweise wurden zwar keine gefunden, doch das Dorf wurde in einer Nacht dem Erdboden gleich gemacht.

Das Massaker von Lidice

Karl Hermann Frank
Karl Hermann Frank jedoch, maßgeblich verantwortlich für die Auslöschung des Dörfchens Lidice, musste sich nach Kriegsende unter anderem für das Massaker von Lidice vor Gericht in Prag verantworten, das ihn zum Tode verurteilt. 5.000 Menschen verfolgten, wie er am 22. Mai 1946 gehenkt wurde. Bildrechte: IMAGO
Karl Hermann Frank
Karl Hermann Frank jedoch, maßgeblich verantwortlich für die Auslöschung des Dörfchens Lidice, musste sich nach Kriegsende unter anderem für das Massaker von Lidice vor Gericht in Prag verantworten, das ihn zum Tode verurteilt. 5.000 Menschen verfolgten, wie er am 22. Mai 1946 gehenkt wurde. Bildrechte: IMAGO
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Das Massaker von Lidice

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Am 10. Juni 1942 erschossen die deutschen Besatzer alle 173 Männer der Ortschaft Lidice, die Mehrzahl der Frauen wurden im KZ Ravensbrück ermordet und viele der Kinder im Vernichtungslager Kulmenhof vergast. Allein das Standgericht Prag verhängte 936 Todesurteile, Lidice wurde dem Erdboden gleichgemacht und auch andere Orte fielen deutschen Zerstörungsaktionen zum Opfer.

Nicht nur Heydrich selbst hatte offenbar zumindest tendenziell auf die "Führerschaft" des Deutschen Reiches abgezielt, auch für andere galt Heydrich als potentieller Nachfolger Hitlers. Schließlich jedoch blieb nur die Charakterisierung Heydrichs, wie sie Hitler selbst in seiner Gedenkrede formulierte: der "Mann mit dem eisernen Herzen".

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2010, 09:14 Uhr

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