Aktenstapel in den Regalen des Archivs der Wehrmachs-Auskunftsstelle
Bildrechte: imago/Petra Schneider

Service zur Folge Mein Onkel, der Nazi-Kommissar – die Recherche

Aktenstapel in den Regalen des Archivs der Wehrmachs-Auskunftsstelle
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Warum hat sich Arthur Jetzinger nach dem Zweiten Weltkrieg versteckt? War er als Polizist im Dritten Reich an Verbrechen beteiligt? Oder hat er sich während seines Aufenthalts im besetzten Paris etwas zuschulden kommen lassen? Das waren die Ausgangsfragen, die Neffe Leopold Jetzinger an die "Spur der Ahnen"-Redaktion gestellt hat. Aber wie findet man Antworten? Wie findet man heraus, was ein einzelner Polizist im Dritten Reich gemacht hat? Vor über drei Monaten begann Autor Nils Werner mit den Recherchen. Wir haben für Sie seinen Rechercheweg zusammengestellt. 

Meldedaten und mehr: Landesarchive

Auch die Archive von Städten und Gemeinden sind ein wichtiger Fundort.  Hier werden die Meldedaten der Einwohner aufbewahrt, alle bekannten Wohnadressen, Umzüge und andere Informationen. Hat der Gesuchte zum Beispiel einen Beruf, der in die Öffentlichkeit ausstrahlt, finden sich oft auch andere Quellen, in denen sein Name oder gar ein Bild auftauchen könnte. Im Stadtarchiv Dessau zum Beispiel taucht Arthur Jetzinger in einem großen Sammelband über den Luftkrieg auf, den damals ein 16jähriger Junge angelegt hat.

Unterlagen der Polizei: Die Landesarchive der Bundesländer

Behörden bewahren wichtige Dokumente und Unterlagen auf. Historisch bedeutende Polizeiunterlagen werden meist in den Landesarchiven der Bundesländer archiviertDort findet man  Schriftwechsel mit Behörden, Personalunterlagen, amtliche Mitteilungen und andere Dokumente.

Wenn also bekannt ist, dass die Person, die gesucht wird, im Polizeidienst tätig war, kann der Suchende eine Anfrage an das betreffende Landesarchiv stellen.  Die Polizeiunterlagen der Stadt Dessau lagern in der Dessauer Außenstelle des Landesarchivs Sachsen-Anhalt. 

Im Landesarchiv haben Nils Werner und Arthur Jetzinger Protokolle und amtliche Mitteilungen gefunden, die Arthur Jetzinger unterzeichnet hat. Diese zu interpretieren ist dann Aufgabe eines Historikers.

Die meisten Archive haben alle Infos über Kontakt und Recherchemöglichkeiten auf ihren online-Seiten zusammengestellt.  

SS-Mitgliedschaft: Das Bundesarchiv

Polizist im Dritten Reich – da liegt die Frage nahe: War Arthur Jetzinger auch SS-Mitglied? Informationen darüber findet man im Bundesarchiv.  Im Bundesarchiv liegt auch ein Teil des Aktenbestands des Reichssicherheitshauptamts.

Bei der Suche nach Arthur Jetzingers Tätigkeit im besetzen Frankreich  war das Polizeidienststellenverzeichnis in Frankreich, ebenfalls im Bestand des Bundesarchivs,  eine wichtige Quelle. Auch sogenannte „Sekundär-Akten“ können wichtige Hinweise liefern. So fanden Nils Werner und Leopold Jetzinger u.a. heraus, dass sich Arthur Jetzinger insgesamt drei Jahre um einen "Arier-Nachweis" bemühte. Solche Akten können für Historiker wichtig sein, wenn es um die Einordnung und Interpretation geht.

Soldat in der Wehrmacht: "Deutsche Dienststelle" (Wehrmachtsauskunftsstelle)

Wer von wann bis wann in der Wehrmacht war, das weiß die "Deutsche Dienststelle" in Berlin. Sie gibt bei Anfragen Auskünfte, kann anhand ihres umfangreichen Bestands an Akten und Unterlagen teilweise sehr viele Details rausfinden. In welcher Einheit war der Betreffende? Welchen Dienstrang hatte er? Wie sah seine soldatische Karriere aus?

Hier haben wir herausgefunden, dass Arthur Jetzinger zu Beginn des Zweiten Weltkrieges zunächst bei der „Geheimen Feldpolizei“ , später als "Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD" im Polizeidienst in Paris tätig war.

Kriegsverbrecher: Das „Forschungs- und Dokumentationszentrum Kriegsverbrecherprozesse an der Philipps-Universität Marburg“

Wer eine begründete Vermutung hat, der Gesuchte könnte in Kriegsverbrechen verwickelt sein, der könnte es beim "Forschungszentrum Kriegsverbrecherprozesse Uni Marburg" versuchen. Die Wissenschaftler dort helfen im Einzelfall bei Recherchen weiter.

Nazis nach dem Krieg: Das "National Archive" der USA

In allen Besatzungszonen Deutschlands fahndeten nach dem Krieg die Besatzungsmächte nach belasteten Nationalsozialisten, nach Kriegsverbrechern und anderen Tätern. Im "National Archive" in Washington lagern zahlreiche Dokumente und Unterlagen zu diesem Themenbereich. Eine einfache Namensabfrage reicht hier – wie in den meisten Archiven – nicht: Nötig ist oft eine "Vor-Ort-Recherche". Auch Arthur Jetzingers Name taucht im amerikanischen Archiv mehrfach auf.

Nationalsozialismus und DDR

Oft lohnt sich auch eine Anfrage bei der „Stasi-Unterlagenbehörde“ oder – wie es offizielle heißt – beim „Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik“. Dort kann überprüft werden, was die Stasi über eine potentielle Nazi-Vergangenheit des Gesuchten wusste.

Zuletzt aktualisiert: 13. Januar 2017, 15:47 Uhr