Blick auf Orvieto
Bildrechte: IMAGO

Die Spur der Ahnen Der unbekannte Vater

Ein italienischer Historiker hat über Manfred Lersens Vater Alfred ein Buch geschrieben. Denn dort wird er wie ein Held verehrt. Doch Manfred kennt seinen Vater nicht als stolzen Helden. Nun reist er nach Italien, um mehr über ihn und seine Heldentat zu erfahren.

Blick auf Orvieto
Bildrechte: IMAGO

Manfred Lersen bekam vor einem Jahr einen Brief. Darin ein Buch, in dem auch Manfreds Lersens Vater eine Rolle spielt. Geschrieben hat es der italienische Historiker Sandro Bassetti. So erfährt Manfred Lersen, dass sein Vater in Italien und besonders in Orvieto wie ein Held gefeiert wird. Für Manfred Lersen eine seltsame Vorstellung, denn er selbst kannte seinen Vater nur als einen verschlossenen Menschen, der sehr wenig über sich und nie etwas von Italien erzählt hat. Und nun wird er dort gefeiert wie ein Held?

Strenge und Gehorsamspflicht

Der 1894 in Leipzig geborene Alfred Lersen war streng, militärisch, wenig liebevoll und für die Kinder bis zu seinem Tod ein Mann ohne Geschichte. Sie kannten lediglich einige wenige Fotos aus der Zeit vor 1945 und wussten, dass der Vater Chemie studiert hatte. Manfred war das jüngste von vier Kindern. Ihm blieb vor allem die Gehorsamspflicht in Erinnerung.

Es gab im Prinzip bei uns (...) eine Ansage und da gab es keinen Widerspruch, das wurde gemacht. Da wurde nicht noch einmal von den Kindern nachgefragt, das wurde so gemacht, wie es der Vater wünschte oder angewiesen hatte.

Manfred Lersen

Der Vater - ein Lebensretter?

Auf der Suche nach der Geschichte seines Vaters entdeckt Manfred im Nachlass seiner Mutter ein Dokument, das eine französische Abstammung belegt: Die Familie hieß einst Levién. Alfred, der bereits im Ersten Weltkrieg gedient hatte und schon 1933 der NSDAP beigetreten war, hatte den Namen eindeutschen lassen. Für den Sohn eine wahre Neuigkeit. Und wieder stellt sich ihm die Frage, warum sein Vater, der dem nationalsozialistischen System treu ergeben war, in Italien ein Held sein soll.

Manfred Lersen macht sich gemeinsam mit seiner Frau auf den Weg ins italienische Städtchen Orvieto. Dort will er mehr über seinen Vater herausfinden und Sandro Bassetti treffen. Dieser behauptet, dass Alfred Lersen im Zweiten Weltkrieg die Stadt Orvieto vor der Zerstörung bewahrte, weil er sich mit seinen Soldaten den britischen Truppen kampflos ergeben habe. Diese Entscheidung rettete vielen Menschen das Leben, hätte ihn selbst aber vor ein Militärgericht bringen können.

War Alfred Lersen ganz anders, als seine Kinder dachten, menschlicher und weniger despotisch? Der Film von Henrike Sandner zeigt die Suche von Alfred Lersens jüngstem Sohn Manfred nach der unbekannten Seite seines Vaters, aber auch die Entdeckung einer aufregenden Familiengeschichte.

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2015, 14:56 Uhr