Wernher von Braun - Das düstere Geheimnis des Raketenmanns

Wernher von Braun war Hitlers Mann für die Wunderwaffe V2. Tausende Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge schufteten für Brauns Raketentraum in Mittelbau-Dora. 20.000 Menschen starben bis zum Kriegsende in den Stollen im thüringischen Kohnstein. Doch auch nach dem Krieg ging von Brauns Karriere weiter: In den USA, in Kennedys Mondprojekt. Bis ihn seine Vergangenheit einzuholen droht ...

Im Anschluss an den Film laden wir zum Chat mit dem Politikwissenschaftler Rainer Eisfeld, der im GMD-Film als Experte Auskunft gibt, sowie mit Frank Kutter - Redakteur der MDR-Reihe zur Geschichte Mitteldeutschlands. Los geht es 21:00 Uhr.

Im Wettrennen der Supermächte

Februar 1969. Wernher von Braun, der vielleicht berühmteste Wissenschaftler seiner Zeit, steht vor seinem größten Erfolg. Apollo 11, von Brauns Rakete zum Mond, ist kurz vor dem Start. Die ganze Welt schaut jetzt auf ihn, nichts darf schief gehen im Wettrennen der Supermächte um die Vorherrschaft im All.

Doch ausgerechnet jetzt werden die Schatten aus der Vergangenheit lebendig. Wernher von Braun muss als Zeuge aussagen, in einem Prozess gegen Verantwortliche des Konzentrationslagers Mittelbau Dora.

Der US-amerikanische Raketenkonstrukteur deutscher Herkunft Wernher Freiherr von Braun erklärt auf dem undatierten Archivbild anhand eines Modells die Funktion von Raketen-Raumschiffen.
Wernher Freiherr von Braun erklärt die Funktionsweise von Raketen-Raumschiffen. Undatiertes Archivbild. Bildrechte: dpa

Hitlers Mann für die Wunderwaffe - Kennedys Experte für die Mond-Mission

Seit 1937 war das NSDAP- und SS-Mitglied von Braun maßgeblich verantwortlich für die Entwicklung und Fertigung der sogenannten V2-Raketen, die vor allem auf England abgeschossen wurden. Damit war er ebenso mitverantwortlich für den Tod von Tausenden Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen. Diese waren gezwungen, in der unterirdischen Raketenfabrik Dora-Mittelbau in Thüringen unter grauenhaften Bedingungen an Wernher von Brauns Raketen-Traum zu arbeiten.

Nach dem Krieg will von Braun nichts mehr wissen von seiner Vergangenheit, seinen Verstrickungen mit Hitlers Eliten und seiner Nähe zum NS-System. Droht nun, kurz vor seinem größtem Erfolg, sein tiefer Fall? Wer weiß von seiner NS-Vergangenheit? Was, wenn seine SS-Mitgliedschaft bekannt wird? Es könnte ihn die Karriere kosten, Kennedys Mondprojekt stünde damit vor dem Scheitern.

Wie tief sind seine Verstrickungen in die Machenschaften des NS-Regimes? Was wusste er von den katastrophalen Bedingungen bei der Produktion seiner V2? Wie schaffte der SS-Mann seine zweite Karriere in den USA, dem Land, das NSDAP-Angehörigen nach dem Krieg offiziell die Einreise verboten hatte? Wie tickt ein Mann, der für die Verwirklichung eines Traums, für Erfolg und Anerkennung, buchstäblich über Leichen geht?



Fragen wie diesen geht die Dokumentation aus der Reihe "Geschichte Mitteldeutschlands" nach mit Spielszenen und historischen Aufnahmen nach. Brisante Akten werden ebenso gezeigt wie Zeitzeugen befragt. Historiker und Menschen, die Wernher von Braun nahe standen, kommen ebenso zu Wort.

Angaben zum Film: Wernher von Braun  - Das düstere Geheimnis des Raketenmanns

Buch und Regie: Christian Schulz
Regie Spielszenen: Pepe Pippig

Kamera:
Jürgen Rehberg
Sebastian Hattop

Schnitt:
Marcus Dippner
Patrick Basedow

Musik:
Philipp E. Kümpel + Andreas Moisa

Länge: 45 min.
Erstsendung: 10.08.2014 | 20:15 Uhr

Stichwort: Mittelbau-Dora Im KZ Mittelbau-Dora und seinen 40 Außenlagern und Firmen waren von 1943 bis Kriegsende rund 60.000 Häftlinge im Einsatz. Mindestens 20.000 von ihnen kamen um. Besonders hart waren die Bedingungen in den unterirdischen Fabriken im Kohnstein, wo die unter der Leitung des Ingenieurs Wernher von Braun entwickelten sogenannten V-Waffen und Flugzeugmotoren gebaut wurden.

Mittelbau-Dora war 1943 als Ersatz für das bombardierte Rüstungswerk in Peenemünde an der Ostsee gegründet worden. Die unterirdischen Anlagen gehen auf ein seit 1936 bestehendes Treibstofflager zurück. Am 11. April 1945 befreiten US-Truppen einige Hundert von der SS zurückgelassene Häftlinge.

Mittelbau-Dora gilt als typisches Beispiel dafür, wie die deutsche Rüstungsindustrie mit dem KZ-System zusammenwirkte. Darum dreht sich auch die Dauerausstellung in der Gedenkstätte.

Buchtipps: Rainer Eisfeld
Mondsüchtig - Wernher von Braun und die Geburt der Raumfahrt aus dem Geist der Barbarei
Zu Klampen
Paperback, 296 Seiten
ISBN: 9783866741676

Michael J. Neufeld
Wernher von Braun. Visionär des Weltraums - Ingenieur des Krieges
Siedler Verlag, 2009
ISBN: 978-3-88680-912-7

Jens-Christian Wagner
Produktion des Todes: Das KZ Mittelbau-Dora
Hrsg. von der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
Göttingen 2001

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2015, 11:47 Uhr