Jüdisches Leben in Mitteldeutschland Holocaustüberlebender Wolfgang Nossen über die Suche nach dem Glück

Die Rastlosigkeit des Holocaustüberlebenden Wolfgang Nossen ist ein Sinnbild für die Suche nach Zugehörigkeit, das viele Juden nach dem Zweiten Weltkrieg umtrieb. Sein Leben war geprägt von Angst und Flucht. Als Soldat kämpfte er in vier Kriegen, überlebte den Völkermord und wanderte anschließend nach Israel aus. Seine Suche nach Freiheit und einem Zuhause begleitete ihn dabei ständig. Eine unerfüllte Liebe führte ihn nach vielen Jahren zurück nach Deutschland, in das Land, das ihm so viel Unheil brachte. Zum Glück, denn kaum ein anderer prägte das jüdische Leben in Thüringen so wie Wolfgang Nossen.

Wolfgang Nossen wurde am 9. Februar 1931 als ältester Sohn einer jüdischen Fleischerfamilie in Breslau geboren. Die Stadt war damals die Provinzhauptstadt Niederschlesiens und beheimatete eine der größten jüdischen Gemeinden Deutschlands. Mit der Machtergreifung durch die Nazis begann der wirtschaftliche Niedergang der Familie - und auch für Wolfgang änderte sich einiges: Sein Vater kam bereits 1938 in das Konzentrationslager Buchenwald. Die Familie brachte daraufhin das letzte Geld auf, womit er sich eine Ausreise in die Freiheit erkaufte. Aber noch bevor die siebenköpfige Familie flüchten konnte, begann der Zweite Weltkrieg.

Wolfgang Nossen als junger Mann (links) im Kreise seiner Familie. Er ist der älteste Sohn des Ehepaares Nossen und hatte vier jüngere Geschwister
Wolfgang Nossen als junger Mann (links) im Kreise seiner Familie. Er ist der älteste Sohn des Ehepaares Nossen und hatte vier jüngere Geschwister. Bildrechte: Wolfgang Nossen (privat)

Überleben in Breslau

Richtige Angst durchlebte Wolfgang Nossen 1943 als Zwölfjähriger. Über Nacht musste er lernen, was es bedeutet, als Jude ausgegrenzt und dem Tode geweiht zu sein. Die Familie wurde mit den wenigen verbliebenen Breslauer Juden in das Ghetto der Stadt, in Eines der sogenannten Judenhäuser gepfercht. Als der Vater schließlich 1944 erneut ins Konzentrationslager verschleppt wurde, musste Wolfgang die Verantwortung für die Mutter und die jüngeren Schwestern übernehmen. Trotz Bombenangriffen harrte die Familie bis Februar 1945 im Breslauer Ghetto aus. Kurz darauf sollten sie abtransportiert werden.

Den Tod vor Augen, entschloss sich die Familie, während eines Luftangriffs zu fliehen. Ausgerechnet in einer menschenleeren SS-Siedlung tauchte die Familie unter. Dort, so vermuteten sie, würde man wohl am wenigsten nach ihnen suchen. Sie überlebten die letzten Monate, bis die Stadt nach der Kapitulation der Roten Armee in die Hände fiel. Unter den Soldaten war auch der schon tot geglaubte Vater. Ein wahres Wunder für die Familie. Er war während eines "Todesmarsches" geflohen und hatte sich der Roten Armee angeschlossen.

Bis zur Familienzusammenkunft war Wolfgang das Familienoberhaupt. Der Anweisung des Vaters, das Haus nicht zu verlassen, widersetzte er sich. Prompt wurde er von polnischen Milizionären aufgegriffen. Der 14-Jährige wurde in eine Arbeitskolonne gesteckt, die einen Soldatenfriedhof in Breslau errichten sollte. Der erste Fluchtversuch misslang, ein anderer Junge wurde dabei erschossen. Der zweite Versuch glückte ihm und brachte den jungen Mann zurück zu seiner Familie.

Wir wollten in die amerikanische Zone. Für uns war klar: Deutschland ist am Ende, wir wollen auswandern. Endlich. Mein Vater hatte eine Schwester in Uruguay, da wollten wir hin.

Wolfgang Nossen

Gestrandet in Erfurt

Ein Bustransport nach Erfurt wurde für die verbliebenen 400 Breslauer Juden organisiert. Als die Familie dort nach langer Fahrt ankam, gehörte die Stadt bereits zur Sowjetischen Zone. Der nächste Schicksalsschlag folgte: Wolfgangs Mutter erkrankte schwer. Die Flucht nach Uruguay blieb aus und die Familie entschied sich zu bleiben.

Die Familie richtete sich vorerst in Erfurt ein. Eine lebendige jüdische Gemeinde entstand durch den Zustrom aus Breslau. In Erfurt selbst hatten nur 15 Juden überlebt. Auch Wolfgang, der mittlerweile eine Ausbildung zum Automechaniker machte und sich in der Volksschule in Elisabeth verliebte, fand hier seinen Platz im jüdischen Sportverein. So kam es auch dazu, dass er 1948 zum ersten jüdischen Sportfest nach Berlin fuhr. Kurz zuvor war der Staat Israel gegründet worden und so warb man unter den jungen Menschen nach Einwanderern und auch potentiellen Verteidigern des neuen Landes. Der 17-jährige war begeistert von der Idee auszuwandern. Zusammen mit einer Gruppe junger Juden aus Erfurt meldete er sich an. Als seine Pläne zur Tat wurden, schilderte er seiner Jugendliebe Elisabeth und seinen Schulkameraden sein Geheimnis:

Dann habe ich denen erst erzählt, dass ich nach Israel gehe. 'Warum', fragten sie. Da habe ich gesagt: 'Na ja, ich bin Jude!' 'Das gibt's doch gar nicht, du bist doch so wie wir', sagten sie darauf. Da sagte ich: 'Ja, ja, das dachte ich auch immer, bis man uns was anderes beigebracht hat. Da ist gerade ein eigener Staat gegründet worden, da muss ich dabei sein.'

Wolfgang Nossen

Neues Leben in Israel

Im Herbst 1948 landete das Flugzeug mit dem 17-jährigen Wolfgang an Bord auf einer Betonpiste in Haifa. Mit einem gefälschten UNO-Pass reiste er in das Land ein, das so anders war als Deutschland. Doch Wolfgang gewöhnte sich an die Fremde und lebte sich ein.

Das war mein Land. Ich war begeistert. Der Gedanke, dass ich nicht mehr Minderheit bin, das hat mich schon mit Genugtuung, um nicht zu sagen Stolz erfüllt.

Wolfgang Nossen

Wolfgang schlug Wurzeln in Israel. Die Briefe, die er an seine Liebste Elisabeth schickte, erreichten sie nicht. Sie verloren sich aus den Augen und er lernte seine erste Frau kennen. Wolfgang wurde Vater und sollte in die familieneigene Strickwarenfabrik einsteigen. Zur Weiterbildung musste er deshalb wieder nach Deutschland.

Zurück nach Deutschland

Widerwillig fügte er sich und ging nach Westdeutschland. Seine Jugendliebe Elisabeth hatte er dabei nicht vergessen. Er suchte nach ihr und fand sie in Westberlin, doch für eine Beziehung war es längst zu spät, denn auch sie hatte geheiratet. Sie versprachen sich im Briefkontakt zu bleiben, doch mit dem Mauerbau riss der Kontakt erneut ab. Als er seine Umschulung beendet hatte, kehrte er nach Israel zurück. Das Geschäft mit den Strickwaren lief jedoch nicht gut und auch seine Ehe scheiterte.

Wolfgang Nossens nächste Jahre waren von Rastlosigkeit geprägt. Nach seiner gescheiterten Ehe zog er 1977 zurück nach Deutschland und verbrachte zunächst die Zeit in Bayern, wo seine Eltern und Geschwister mittlerweile lebten. Doch auch hier wurde er nicht glücklich. Knapp zehn Jahre später entschied er sich, erneut zurück nach Israel zu gehen. Doch zuvor wollte er noch einmal Erfurt und seine große Liebe Elisabeth besuchen. Mehrmals beantragte er die Einreise, doch immer ohne Erfolg. Erst nach dem Mauerfall durfte er einreisen und nahm Kontakt mit ihr auf. Ihre Nummer fand er im Telefonbuch:

Ich wähle diese Nummer. Und, wie in der Schule, meldet sich so eine dünne Stimme. Und sie erkennt mich sofort. Naja, dann kam ich nachmittags zum Kaffee und da war es passiert: Die Tür ging auf, 30 Jahre nicht gesehen. Aber die waren weggewischt.

Wolfgang Nossen

Erste Liebe - spätes Glück

Ein jüdischer Junge strandet nach dem 2. Weltkrieg in Erfurt. Er verliebt sich in eine Mitschülerin. Sie sind ein Paar - bis er das Land verlässt. Er in Israel, sie in der DDR. 40 Jahre gibt es keinen Kontakt - bis 1989.

Elisabeth Erdmann und Wolfgang Nossen bei seinm 75. Geburtstag
Seit 23 Jahren sind Elisabeth Erdmann und Wolfgang Nossen verheiratet. Mit 15 verliebt sich der 1945 aus Breslau in Thüringen gestrandete Junge in die Erfurterin. Gute zwei Jahre sind sie ein Paar. 1948 verlässt der 17-jährige Nossen Deutschland – und damit auch Elisabeth. Sie verlieren sich aus den Augen - erst vier Jahrzehnte später sehen sie sich wieder. Foto: Elisabeth Erdmann und Wolfgang Nossen an Nossens 75. Geburtstag Bildrechte: Secilia Pappert
Elisabeth Erdmann und Wolfgang Nossen bei seinm 75. Geburtstag
Seit 23 Jahren sind Elisabeth Erdmann und Wolfgang Nossen verheiratet. Mit 15 verliebt sich der 1945 aus Breslau in Thüringen gestrandete Junge in die Erfurterin. Gute zwei Jahre sind sie ein Paar. 1948 verlässt der 17-jährige Nossen Deutschland – und damit auch Elisabeth. Sie verlieren sich aus den Augen - erst vier Jahrzehnte später sehen sie sich wieder. Foto: Elisabeth Erdmann und Wolfgang Nossen an Nossens 75. Geburtstag Bildrechte: Secilia Pappert
Wolfgang Nossen als junger Mann (links) im Kreise seiner Familie. Er ist der älteste Sohn des Ehepaares Nossen und hatte vier jüngere Geschwister
Die Familie Nossen stammt aus Breslau. Vater Max kommt während der Nazizeit immer wieder in verschiedene Konzentrationslager. Wolfgang (ganz links) ist das älteste von fünf Kindern. Mit seiner Mutter, seinem Bruder und den drei Schwestern überlebt er im Breslauer Ghetto. Die Nossens gehören zu den wenigen hundert Breslauer Juden, die die Nazizeit überleben - von ehemals rund 13.000 zu Anfang der 1930er-Jahre. Bildrechte: Wolfgang Nossen (privat)
Die Eltern von Wolfgang Nossen. Der Vater wurde zwei Mal in Konzentrationslager verschleppt. Mit gerade 13 Jahren musste er die Rolle des Vaters einnehmen und für die Mutter und die kleinen Schwestern in Breslau sorgen.
Nach dem Krieg wird Breslau polnisch. Für Deutsche – und dazu zählen auch deutsche Juden – ist kein Platz mehr. Der Großteil der überlebenden Breslauer Juden geht nach Thüringen. Auch Wolfgang Nossens Eltern ziehen mit ihren Kindern nach Erfurt. Sie eröffnen ein Geschäft, später ein Tanzlokal. Wolfgang, fast 15 Jahre alt, beginnt in Erfurt eine Lehre zum Automechaniker. Sein Vater besteht darauf, dass er seinen Schulabschluss nachholt. Foto: Wolfgang Nossens Eltern Bildrechte: Wolfgang Nossen (privat)
Elisabeth Erdmann als junges Mädchen
Jeden Abend geht Wolfgang in die Volksschule. Er ist nicht sonderlich begeistert, jahrelang hatte er während des Krieges keine Schule besucht. Das ändert sich, als im Englischunterricht ein junges Mädchen zaghaft die Tür öffnet. Elisabeth ist zu spät – die Aufmerksamkeit aller Jungs in der Klasse ist ihr sicher. Ausgerechnet ihn wählt die scheue Schönheit, um sie nach Hause zu bringen, erinnert sich der heute 82-jährige Nossen noch immer stolz. Foto: Elisabeth Erdmann zur Volksschulzeit Bildrechte: privat/ W. Nossen
Wolfgang Nossen und Elisabeth Erdmann in den 1950er-Jahren
Gute zwei Jahre lang sind Elisabeth und Wolfgang ein Paar – unschuldig und verliebt, wie Nossen verschmitzt erzählt. Doch neben der ersten großen Liebe gibt es bei Wolfgang Nossen eine noch größere, von der Elisabeth nichts ahnt. Im Mai 1948 wird der erste jüdische Staat der Welt gegründet. Der 17-jährige Wolfgang will unbedingt nach Israel – und weg aus Deutschland. Erst beim Abschied erfährt Elisabeth, dass ihr Wolfgang Jude ist. Sie habe sich darüber damals gar keine Gedanken gemacht, erzählt sie. Und es spiele für sie bis heute keine Rolle. Bei seiner Abreise verspricht er, sie nachzuholen. Fotos: Wolfgang Nossen, Elisabeth Erdmann in den 1950er-Jahren Bildrechte: privat/ W. Nossen
Wolfgang Nossen in israelischer Uniform. Er kämpfte seit der Staatsgründung Isreals bis in die 1970er Jahre in allen Kriegen.
Im Herbst 1948 landet Wolfgang Nossen in Haifa – und damit im ersten Unabhängigkeitskrieg Israels. Sofort greift der junge Mann zur Waffe – noch vier Mal wird er im Laufe seines Lebens sein Land verteidigen. Elisabeth nach Israel zu holen, daran ist 1948 nicht zu denken. Vergessen hat er seine Freundin aber nicht. Als deutsche Besucher kommen, gibt er ihnen einen Brief für sie mit - um das Porto zu sparen. Darin ein Foto und die genaue Anweisung, was sie zu tun hat, damit sie zu ihm kommen kann. Hätte er das Portogeld doch lieber ausgegeben - der Brief landet zwar tatsächlich bei seinen damals noch in Erfurt lebenden Eltern. Zu Elisabeth kommt er aber nie. Foto: Wolfgang Nossen war jahrelang Mitglied der israelischen Streitkräfte. Bildrechte: Wolfgang Nossen (privat)
Wolfgang Nossen war 18 Jahre lang der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Thüringens. Er hat von einem bewegten Leben zu berichten.
Knapp 30 Jahre später – Nossen lebt nach einer gescheiterten Ehe mittlerweile wieder in Deutschland – findet er den Brief in der Wohnung seiner Eltern. Eine seiner Schwestern hatte ihn offensichtlich versteckt. Nun wird ihm einiges klar. Wie enttäuscht war er damals gewesen, als er von einem Erfurter Freund erfuhr, dass Elisabeth einen neuen Freund hat. 1950 heiratet sie, bekommt eine Tochter. Doch für sie wiederum war klar, erinnert sich Elisabeth: Der hat mich vergessen. Als der Rest der Familie Nossen Mitte der 1950er-Jahre vor den stalinistischen Verfolgungen im Osten gen Westen flüchtet, ist für Wolfgang Nossen die letzte Verbindung nach Erfurt gekappt. Wenig später teilt eine Mauer Ost und West. Für den Israeli Nossen - ehemaliges Mitglied der israelischen Streitkräfte - ist eine Einreise in die DDR unmöglich. Foto: Wolfgang Nossen in der Neuen Synagoge Erfurt Bildrechte: Wolfgang Nossen (privat)
Elisabeth und Wolfgang Nossen. Verliebt haben sie sich im Erfurt der Nachkriegszeit. Es sollte über vierzig Jahre dauern, bis die beiden heirateten.
Ab 1977 lebt Wolfgang Nossen in Nürnberg, wohin es seine Familie bei der Flucht aus der DDR verschlagen hatte. Noch einmal versucht er eine Familie zu gründen – wieder scheitert die Liebe. Immer wieder stellt er Anträge zur Einreise in die DDR. Plötzlich, im Sommer 1989, erhält er eine Genehmigung. Die Mauer fällt – und Wolfgang Nossen ist in Erfurt. Im Telefonbuch sucht er nach Elisabeths Namen, er ruft an. Sie erkennt ihn sofort. Er solle zum Kaffee vorbei kommen, meint sie. Noch wohnt sie mit ihrem Ehemann zusammen – doch auch ihre Ehe ist gescheitert. Foto: Wolfgang Nossen und Elisabeth Erdmann Mitte der 1990er-Jahre Bildrechte: Wolfgang Nossen (privat)
Wolfgang Nossen am Tor der neuen Synagoge
1989: Elisabeth ist 60. Gerade ist die Lehrerin in Rente gegangen. Die Mauer ist gefallen und Wolfgang wieder aufgetaucht. Doch sie ist unsicher. Ihre Tochter sei es gewesen, die sie dazu gedrängt habe, Wolfgang eine neue Chance zu geben. Ihrem Kind hatte Elisabeth immer wieder von ihrer großen verschollenen Liebe erzählt. Wolfgang Nossen wiederum setzt alles auf eine Karte: auf Erfurt und damit auf Elisabeth. Er findet zunächst keine Wohnung und zieht in die Hausmeisterwohnung in der Neuen Synagoge. Foto: Wolfgang Nossen am Gartentor der Neuen Synagoge am Erfurter Juri-Gagarin-Ring Bildrechte: MDR/ Secilia Pappert
Wolfgang Nossen beim Festakt
Für den soeben in Rente gegangenen Nossen wird der Gemeindevorsitz zum Vollzeit-Job. Immer an seiner Seite: Ehefrau Elisabeth. Sie, die zurückhaltende, fast scheue, zarte Person scheint der ruhige Pol im Leben des wortgewaltigen kraftvollen Machers zu sein. Ihre Liebe kennt weder geografische, noch politische oder religiöse Grenzen. "Meine Frau hat ihren eigenen Kopf", sagt Nossen gern. Den Segen eines Rabbiners brauchen sie für ihren Bund nicht. Elisabeth ist nicht – wie bei jüdischen Ehen üblich – zum Judentum konvertiert. Foto: Wolfgang Nossen und Elisabeth im September 2012 beim Festakt zu "60 Jahre Neue Synagoge Erfurt" Bildrechte: MDR/Karsten Heuke
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Seine Pläne, nach Israel zurückzukehren, waren verflogen. Dieses Mal wollte Wolfgang Nossen alles richtig machen. Er suchte eine Wohnung in Erfurt, verbrachte Zeit mit der unglücklich verheirateten Elisabeth und bekam einen Job und eine Wohnung im jüdischen Gemeindehaus. Das Glück war seither auf seiner Seite, Elisabeth und er fanden wieder zusammen. 1990 konnte Wolfgang Nossen endlich seine Jugendliebe heiraten:

Jetzt bin ich zu Hause in Erfurt und so bleibt das. Meine bessere Hälfte ist mit Leib und Seele Thüringerin. Ohne ihren Thüringer Wald kriegt sie keine Luft. Und wir sind beide sehr zufrieden über den Lauf des Schicksals.

Wolfgang Nossen

Mitte der 1990er-Jahre wählte ihn die jüdische Gemeinde zum Vorsitzenden. Kurze Zeit später wurde er auch Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen. Wolfgang Nossen hat sein Wirken fortan in den Dienst des jüdischen Lebens im Freistaat gestellt und prägte es für 18 Jahre. Für sein Engagement erhielt er den Verdienstorden des Freistaates Thüringen. Am 16. Februar 2019 starb Wolfgang Nossen im Alter von 88 Jahren.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Geschichte Mitteldeutschlands - Das Magazin: Wolfgang Nossen und der Staat Israel | 17. Februar 2019 | 19:00 Uhr