Orte der Arbeit Alles auf Anfang: Vom Mut der DDR-Existenzgründer

In den 90ern müssen tausende ehemalige DDR-Betriebe schließen. Mehr als 2,5 Millionen Menschen verlieren ihre Arbeit. Doch viele hatten den Mut, etwas Neues aufzubauen. Drei Geschichten vom langen Weg zum Neuanfang.

Ein Abrissraum mit Flaschen Shampoo.
Es sind die Reste von dem, was einmal ihre Arbeit ausgemacht hat: Ina Möller produzierte einst Kosmetik für die ganze DDR. Im VEB Zitzawerk in Zeitz war sie als Chemikerin seit 1975 für die Entwicklung von Shampoos zuständig. Heute verfällt das Werk. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Frau in einer Ruine.
Nach der Wende blieben nur wenige Angestellte im Betrieb und versuchten, diesen durch innovative Produkte marktfähig zu machen. Mit dem neu entwickelten Shampoo "Macho" sollte das Werk gerettet werden. Doch "Nomen est omen": Ein Macho hält oft nicht, was er verspricht. So verkaufte sich auch das Shampoo nicht. Der Betrieb wurde geschlossen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Zwei Frauen in einem Labor.
Ina Möller und eine Kollegin machten sich daraufhin selbstständig. In Zeitz gründeten sie das "Barina"-Kosmetiklabor, nur drei Kilometer vom VEB Zitzawerk entfernt. Mit der Existenzförderung vom Arbeitsamt bauten sie ihr eigenes Labor auf. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Blick auf das MZZ Gebäude.
Doch er gab nicht auf. Nach der Schließung des MZ-Werkes machte er sich selbständig. Auf dem ehemaligen Werksgelände betreibt er nun seit zehn Jahren einen Motorradladen. Seinen neuen Betrieb nannte er aus sentimentalen Gründen "Multizentrum Zschopau", kurz MZZ. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Mann steht in einem Motorradladen.
Es kostete ihn viel Kraft, etwas Eigenes aufzubauen. Natürlich musste es etwas mit seiner Leidenschaft, den Motorrädern, zu tun haben. So wurde er zum Händler. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Frau in einem türkisen Pullover sitzt an einem Tisch und stellt Kunstblumen her.
Die Massenproduktion ist zwar vorbei, trotzdem sind die "Blümel"-Frauen froh, weiter gebraucht zu werden. Jährlich kommen 35.000 Besucher in die Schauwerkstatt.
(Über dieses Thema berichtet der MDR auch im TV: Orte der Arbeit. Der lange Weg zum Neuanfang | 07.05.2018 | 22:05 Uhr.)
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Abrissraum mit Flaschen Shampoo.
Es sind die Reste von dem, was einmal ihre Arbeit ausgemacht hat: Ina Möller produzierte einst Kosmetik für die ganze DDR. Im VEB Zitzawerk in Zeitz war sie als Chemikerin seit 1975 für die Entwicklung von Shampoos zuständig. Heute verfällt das Werk. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Frau hält eine Flasche Shampoo in der Hand.
Die alten Shampoo-Flaschen der Marke "Ephée" erinnern an eine Ära, in der nicht genug Shampoo produziert werden konnte. Denn fast alle Haarpflegeprodukte im Osten kamen aus dem Werk in Zeitz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Flasche Shampoo.
Dabei war die Produktion, wie vieles in der Planwirtschaft, nicht immer wirtschaftlich sinnvoll. So war das grüne "Universal Shampoo" so billig, "das haben die Leute zum Strümpfewaschen, Autowaschen und zu allem genommen", erinnert sich die Chemikerin Ina Möller. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Labor
Heute haben sie vier Angestellte und produzieren reinigende und pflegende Kosmetik. Beliefert werden auch Mittelständler außerhalb Deutschlands. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Motocross Fahrer
Von der Enduro-Legende zum Arbeitslosen: Harald Sturm räumte in der DDR alles an Titeln im Motorrad-Rennsport ab, was es zu holen gab. Er fuhr im Namen des Motorradwerkes Zschopau, wo er auch als Angestellter an den Maschinen schraubte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Mann mit einem Motorrad.
90.000 Motorräder verließen jährlich die Motorradwerke. Nach der Wende konnte der Betrieb durch Fördermittel zunächst am Leben erhalten werden. Aber 2008 kam das Aus. Die Schließung war ein Schock auch für Harald Sturm. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Blick auf den MZ-Standort.
Harald Sturm meint, dass es der richtige Weg war, sich selbständig zu machen: "Ich bin auch ein bisschen stolz drauf. Zwar bin ich traurig, dass da keine MZ mehr steht, aber es stehen wenigstens noch Motorräder drinnen." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Frau sitzt an einem großen Arbeitstisch, auf dem Kunstblumen gefärbt werden. Über ihr hängt ein Schild mit der Aufschrift 'Färberei'.
Von der "Blümel"-Frau zur Touristenattraktion: Nach der Wende geriet auch die Produktion von Kunstblumen in Sebnitz ins Wanken. Damit die jahrhundertalte Tradition nicht verschwindet, entwickelte die Stadt ein neues Konzept. 1992 eröffnete sie die Schaumanufaktur und betreibt sie heute noch. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Außenansicht des Gebäudes mit der Aufschrift 'Deutsche Kunstblume Sebnitz'.
In den Westen wurden vor der Wende vor allem Kunstblumen aus Seide exportiert. Für den DDR-Markt waren sie wichtige Devisenbringer. Im Land blieben meistens die Plastik-Blumen und Scherzartikel, die ebenfalls in Sebnitz hergestellt wurden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Schale voller orange-roter Kunstblumenköpfe.
Das Parade-Produkt der Manufaktur in der DDR waren jedoch die Nelken. Mehr als eine Million Nelken wurden hier liebevoll hergestellt und am 1. Mai als Symbol der Arbeiterbewegung getragen. Heute werden noch etwa 1.000 Exemplare pro Jahr produziert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Eine Frau in einer Ruine.
Nach der Wende bleiben nur wenige Angestellte im Betrieb und versuchten diesen durch innovative Produkte marktfähig zu machen. Mit dem neu entwickelten Shampoo „Macho“ sollte das Werk gerettet werden. Doch „Nomen est omen“: Ein Macho hält oft nicht, was er verspricht. So verkaufte sich auch das Shampoo „Macho“ nicht. Der Betrieb wurde geschlossen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK