Zeitzeugen und Dokumente Auf den Spuren von Paulus

Historiker Diedrich
Der Militärhistoriker Torsten Diedrich wollte mehr über Paulus wissen: "Das Image als Verlierer der Schlacht von Stalingrad, als Zauderer, der nicht für seine Soldaten gedacht hat, sondern nur dem Befehl von Hitler hörig war und der dann 'gemeinsame Sache mit den Russen' gemacht hat und dann auch noch in die DDR gegangen ist. Das hat mir, als eine Sicht auf eine Persönlichkeit, nicht gereicht." Zu den Entscheidungen, die Paulus in Stalingrad traf, und zu seinen Motiven, den Halte-Befehlen zu folgen, sagt Diedrich: "Einerseits wusste er, dass seine Armee ausgeblutet ist, schlecht versorgt und er hätte gerne kapituliert. Andererseits wusste Paulus als hervorragender Operateur auch, dass er acht Armeen der Sowjets bindet. Die acht Armeen, die dort freigeworden wären, hätten die Heeresgruppe A im Kaukasus abschneiden können und hätten auch die gesamte Südfront zertrümmern können. Und eine solche Entscheidung zu fällen mit dem Bewusstsein, dass man letztendlich möglicherweise für den Gesamtzusammenbruch des 'Dritten Reiches' verantwortlich gemacht worden wäre, ist von einer Einzelperson kaum mehr abzuverlangen." Bildrechte: MDR/Geschichte Mitteldeutschlands
Historiker Diedrich
Der Militärhistoriker Torsten Diedrich wollte mehr über Paulus wissen: "Das Image als Verlierer der Schlacht von Stalingrad, als Zauderer, der nicht für seine Soldaten gedacht hat, sondern nur dem Befehl von Hitler hörig war und der dann 'gemeinsame Sache mit den Russen' gemacht hat und dann auch noch in die DDR gegangen ist. Das hat mir, als eine Sicht auf eine Persönlichkeit, nicht gereicht." Zu den Entscheidungen, die Paulus in Stalingrad traf, und zu seinen Motiven, den Halte-Befehlen zu folgen, sagt Diedrich: "Einerseits wusste er, dass seine Armee ausgeblutet ist, schlecht versorgt und er hätte gerne kapituliert. Andererseits wusste Paulus als hervorragender Operateur auch, dass er acht Armeen der Sowjets bindet. Die acht Armeen, die dort freigeworden wären, hätten die Heeresgruppe A im Kaukasus abschneiden können und hätten auch die gesamte Südfront zertrümmern können. Und eine solche Entscheidung zu fällen mit dem Bewusstsein, dass man letztendlich möglicherweise für den Gesamtzusammenbruch des 'Dritten Reiches' verantwortlich gemacht worden wäre, ist von einer Einzelperson kaum mehr abzuverlangen." Bildrechte: MDR/Geschichte Mitteldeutschlands
Original Briefe von Friedrich Paulus
Torsten Diedrich forschte auch im Privatleben des Militärs und weiß um dessen tiefe Liebe zu seiner Frau Constance, die ihn an seinen Planungen zum Russland-Feldzug hindern wollte: Im Bild zu sehen ist ein Abzug des letzten Briefes, den Paulus aus dem Kessel von Stalingrad an seine Frau schickte. Darin heißt es: "Meine geliebte Coca! ... Ich stehe als Soldat dort, wo ich jetzt stehe, auf Befehl. Was mein Schicksal sein wird, weiß ich nicht, ich muß aber nehmen, was Gott mir gibt. Dein Fritz" Torsten Diedrich suchte nach den Motiven des unbedingten Gehorsams und fand sie in der Sozialisation Paulus' zur Kaiserzeit. Als Bürgerlicher war Paulus ins Offizierskorps gekommen, mit der Weimarer Republik konnte er nichts anfangen, mit der Machtergreifung der Nazis, dank Hitler und der Aufrüstung ging auch seine Karriere voran. Er war kein Nationalsozialist, sondern begriff sich als "militärischen Handwerker", der zu Deutschlands Größe nach der Schmach von Versailles mit seinem militärischen Können beitragen wollte. Die Verantwortung dafür sah er in der Politik. Bildrechte: MDR/Geschichte Mitteldeutschlands
Historiker Diedrich
Der Potsdamer Historiker sieht folgende Motive, warum Paulus nach seiner Freilassung aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft 1953 in die DDR gezogen ist, obwohl seine Familie in Westdeutschland lebte: "Erstens war es eine Bedingung der Russen, dass er in den Osten geht und nicht in den Westen, um überhaupt endlich frei zu kommen. Als zweites hatte er nach mehr als zehn Jahren Sozialisation in der Sowjetunion, ein völlig falsches bundesrepublikanisches Bild: als von den Amerikanern bestimmt und beherrscht und auf den gleichen revanchistischen Weg in Richtung Drittes Reich. Er fürchtete, dort heftig kritisiert zu werden in den Zeitungen, durch die Medien, aber er fürchtete auch, möglicherweise vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden." Bildrechte: MDR/Geschichte Mitteldeutschlands
Zeitzeuge Burkhardt
Erich Burkhardt aus Oelsnitz war in einer Infanteriedivision als Fahrer an der Ostfront eingesetzt. Seinen Vorgesetzten vertraute er anfangs noch völlig - bis hinauf zum neuen Chef der ganzen Armee, der im Januar 1942 eingesetzt wurde, als die erbitterten Verteidigungskämpfe begannen: "Wenn ich jetzt nur den Generalfeldmarschall Paulus sehe, ..., da biste ja vor Ehrfurcht versunken vor solchen Leuten. Wenn der General vor dir stand oder Generalfeldmarschall – Mensch! – da haste doch nicht getraut dir einen anderen Gedanken… 'Der macht doch alles richtig'." Nach der Niederlage und dem bitteren Weg in die Gefangenschaft, die er mit viel Glück überlebte, war die Enttäuschung nach der Aussage von Paulus vor dem Nürnberger Kriegsverbrecher-Tribunal umso größer: "Dort spricht ein Lump! Kurz gesagt. Entweder ich bin und war Soldat, der einen Eid geschworen hat, und auf einmal ist er gegen Hitler. Hat's bis zum Höchsten gebracht - Generalfeldmarschall - und dann auf einmal spricht er dort so. Nein." Bildrechte: MDR/Geschichte Mitteldeutschlands
Zeitzeuge Zank
Horst Zank war während des Krieges Hauptmann in einer Infanteriedivision. Er weiß, dass die Ernennung von Paulus zum Oberbefehlshaber über die 6. Armee auch kritisch gesehen wurde: "Ich weiß, dass in der Generalsebene nicht alle damit einverstanden waren, dass so ein, ich will mal sagen in Anführungsstrichen 'junger Befehlshaber' die 6. Armee bekommt. Und es war ja auch nicht abzusehen, was der 6. Armee im weiterem Kampf in Südrussland bevorsteht. Ich glaube, dass zu der Zeit - wenn von Paulus die Rede war - auch der Begriff Zauderer schon üblich war." Bildrechte: MDR/Geschichte Mitteldeutschlands
Hier wohnte Paulus in der DDR. Villa am "Weißen Hirsch" Dresden.
In dieser Villa im noblen Dresdner Stadtteil "Weißer Hirsch" lebte Paulus während seiner letzten Lebensjahre in der DDR. Zwölf Zimmer und viel Personal warteten auf den neuen Bewohner: eine Köchin, Dienstmädchen, Gärtner und Hausmeister. Es gibt einen eigenen Park bis hinunter zur Elbe. Bildrechte: MDR/Geschichte Mitteldeutschlands
Zeitzeuge Beutel
Heinz Beutel war der persönliche Adjutant von Paulus, nachdem der im Oktober 1953 in die DDR gekommen war. Der Hauptmann der Kasernierten Volkspolizei sollte seinem Chef alle auftauchenden Probleme vom Hals halten, auch als eine Art Leibwächter. So weiß er auch von den Drohbriefen, die Paulus bekommen hat: "Da ging's auch um Rache und da gab's auch solche Formulierungen: 'Ihnen gehört genauso der Tod wie meinem Vater…' oder meinem Bruder. Und 'Sie sind schlimmer. Sie haben die Leute in den Tod getrieben.' Und so. Solche Briefe kamen auch." Bildrechte: MDR/Geschichte Mitteldeutschlands
Gedenkstätte im heutigen Wolgograd für die Gefallenen Soldaten (ehemals Stalingrad).
Im heutigen Wolgograd erinnert ein Denkmal an die 700.000 Opfer der Schlacht von Stalingrad auf beiden Seiten. An dieser Katastrophe mit Schuld zu sein trug Paulus nach Meinung seines Biografen Torsten Diedrich schwer. Sein Eintreten für eine Wiedervereinigung Deutschlands nach dem Krieg sieht er in diesem Zusammenhang, doch die politischen Würfel waren bereits gefallen: "Letztendlich war Paulus Patriot in zwei Diktaturen, die er nicht so in ihrer vollen Tragweite hat einschätzen können." Bildrechte: MDR/Geschichte Mitteldeutschlands
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