Tschernobyl - die Reaktorkatastrophe von 1986

1986: Die Katastrophe in Tschernobyl

Am 26. April 1986 explodiert in Tschernobyl ein Block in einem Kernkraftwerk. Wie ging die sowjetische Regierung damals mit der Katastrophe um? Wie reagierten DDR und Bundesrepublik?

Der zerstörte Reaktorblock 4 - Katastrophe von Tschernobyl
Am 26. April 1986 wird im Atomkraftwerk Tschernobyl der Reaktor 4 zur Überprüfung der Sicherheitssysteme testweise ausgeschaltet. Um 01:23 Uhr fällt daraufhin das Kühlwassersystem aus. Eine unkontrollierte atomare Kettenreaktion beginnt. Bildrechte: IMAGO
1986, Dekontamination von Einsatzfahrzeugen in der Sperrzone - Katastrophe von Tschernobyl
Viele (Aufräum-)Arbeiten können nur Menschen erledigen, denn die Elektronik ferngesteuerter Maschinen fällt bei der hohen Strahlenbelastung aus. Die Liquidatoren bezahlen ihren Einsatz in dieser hochverstrahlten Umgebung mit ihrer Gesundheit, viele auch mit ihrem Leben. Überlebende kämpfen bis heute mit den Folgen der Verstrahlung. Bildrechte: IMAGO
Der zerstörte Reaktorblock 4 - Katastrophe von Tschernobyl
Am 26. April 1986 wird im Atomkraftwerk Tschernobyl der Reaktor 4 zur Überprüfung der Sicherheitssysteme testweise ausgeschaltet. Um 01:23 Uhr fällt daraufhin das Kühlwassersystem aus. Eine unkontrollierte atomare Kettenreaktion beginnt. Bildrechte: IMAGO
Männer mit Wasserschläuchen
Zwei schwere Explosionen zerstören den Reaktor und den Maschinenraum. Acht Tonnen Plutonium-haltiger radioaktiver Treibstoff werden in die Luft geschleudert und Bruchteile zerstäubter Graphitstäbe. Die Werksfeuerwehr wird alarmiert. Keiner der Feuerwehrmänner wird die Reaktorkatastrophe um mehr als einige Wochen überleben. Bildrechte: dpa
Mitarbeiter der Produktionstechnischen Gesellschaft "Pripjat" bei einer radiologischen Untersuchung von Fischen.
Die direkte Umgebung des Kraftwerks ist schwer kontaminiert - eine regelrechte Todeszone für Mensch, Tier und Natur. - Das Bild zeigt, wie Fische in der Nähe des Unglücksortes auf radioaktive Belastung untersucht werden. Es zeigt auch, wie mangelhaft die Menschen vor Ort gegen die unsichtbare Gefahr, die verstrahlte Umgebung, geschützt sind. Bildrechte: dpa
Zeltstadt der Liquidatoren
Die Helfer stammen aus allen Teilen der ehemaligen Sowjetunion und sind provisorisch in einer Zeltstadt untergebracht. Sie sammeln tote Tiere, pumpen verstrahltes Wasser ab und mauern den Reaktor ein. Bildrechte: IMAGO
Aktuelle Kamera 1986 zum Thema Tschernobyl
In der DDR wird die Öffentlichkeit erst drei Tage nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl informiert - in der letzten Meldung der Nachrichtensendung "Aktuelle Kamera". - Allerdings wissen die DDR-Bürger zu dem Zeitpunkt schon über die Reaktorkatastrophe Bescheid - aus den Westmedien. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Anti-Atomkraft-Proteste nach Tschernobyl
In der Bundesrepublik gibt es nach Reaktor-Katastrophe vielerorts - hier in Bonn - lautstarke Proteste gegen die Atomkraft-Nutzung. Bildrechte: IMAGO
1986, Abgesperrter Kinderspielplatz in Berlin nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl/UdSSR, Schild Achtung! Betreten verboten! Radioaktiv
Ob in West-Berlin oder in Freiburg im Breisgau - landauf, landab verwaisen nach dem GAU Kinderspielplätze: Der Sand gilt als strahlenbelastet und wird ausgetauscht. Bildrechte: IMAGO
Verstrahltes Gemüse wird untergepflügt
Bauern pflügen ganze Salat-Felder unter die Erde. Bildrechte: dpa
Krebskranke Kinder im Klinikum Barawljany in Minsk (Weißrußland) im März 1995.
Die Folgen der Verstrahlung zeigen sich bei Kindern und Neugeborenen: Viele Kinder, die in 1986 radioaktiv verseuchten Gebieten aufwuchsen, erkrankten nach dem GAU an Krebs oder sind immungeschädigt. Aber auch die folgende Generation lebt mit den Nachwirkungen - Babys kommen mit Missbildungen zur Welt, auffalend viele Kinder haben Herzfehler. - Die Internationale Atomenergiebehörde erkennt nur 31 Todesfälle für die Reaktorkatastrophe vom 23. April 1986 an - ungeachtet der Tatsache, dass allein in der Ukraine 17.000 Familien von Hinterbliebenen-Rente leben: Die Väter oder Mütter waren nach ihren Einsätzen als Helfer in Tschernobyl gestorben. Bildrechte: IMAGO
Kernkraftwerk Tschernobyl 2015
Und was geschah mit dem Reaktor? Nach der Katastrophe wurde zunächst ein Beton-"Sakopharg" über der Atomruine errichtet. Von 2012 bis 2015 wurde eine weitere Stahlkonstruktion als Schutzhülle gebaut - 105 m hoch, 150 m lang und 257 m breit. Sie soll die Ruine nun für 100 Jahre von der Umwelt abschotten. Bildrechte: IMAGO
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Der GAU und die Folgen - aus Sicht des DDR-Fernsehens

Aktuelle Kamera vom 06. Mai 1986 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Und wie reagierte die Politik?

Wie reagierte die Politik 1986 auf das Reaktorunglück in Tschernobyl? Auch ein Sportler, der unweit des Unglücksorts zur Friedensfahrt 1986 startete, schildert, was er über die Katastrophe erfuhr.

Ein Mann mit schütterem weißem Haar und Brille lächelt.
Zwei Monate nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl erklärte Erich Honecker Journalisten, wie sich DDR-Bürger am besten gegen radioaktive Strahlung schützen könnten: "Zu Hause waren wir sechs Kinder, und unsere Mutter hat immer den Salat gewaschen." Allerdings betonte Honecker in dem Interview auch: "Ich bin der Meinung, dass die Kernkraft nicht das letzte Wort ist." Bildrechte: dpa
Ein Mann mit schütterem weißem Haar und Brille lächelt.
Zwei Monate nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl erklärte Erich Honecker Journalisten, wie sich DDR-Bürger am besten gegen radioaktive Strahlung schützen könnten: "Zu Hause waren wir sechs Kinder, und unsere Mutter hat immer den Salat gewaschen." Allerdings betonte Honecker in dem Interview auch: "Ich bin der Meinung, dass die Kernkraft nicht das letzte Wort ist." Bildrechte: dpa
Mann mit Seitenscheitel lächelt.
"Der Senat rechne damit, dass Kernkraftgegner ihn unter Druck setzen werden, massiv auf die Kernenergiepolitik der DDR Einfluss zu nehmen. Angesichts der Tatsache, dass Westberlin inmitten der DDR liege, könnten solche Versuche den Bestrebungen des Senats, die Bevölkerungsstärke der Stadt zu erhalten und neue Industriebetriebe anzusiedeln, nicht unwesentlich entgegenwirken“, führte der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen vor dem Parteivorstand der Westberliner CDU im Mai 1986 aus. "Ausgehend davon hat der CDU-Parteivorstand die Kreis- und Ortsverbände orientiert, Meinungsäußerungen über die gesundheitlichen Auswirkungen des Unfalls in Tschernobyl zu unterbinden." Bildrechte: Eberhard Diepgen
Günter Schabowski (ehemaliges Mitglied des ZK der DDR)
"Wir haben das mit gemischten Gefühlen betrachtet", erinnert sich Politbüromitglied Günter Schabowski. Auch er habe sich im Westfernsehen informiert und Gedanken gemacht. Ansonsten aber habe in solchen Fällen in der DDR ein ehernes Gesetz gegolten: "Auf jeden eigenen Kommentar verzichten. Da wird nur erzählt, was die in Moskau fabrizieren." (Aus: Spiegel online, 09.04.2006) Bildrechte: IMAGO
Ein weißhaariger, älterer Mann mit dicker Hornbrille und Krawatte
"Reaktorsicherheit ist für die Sowjetunion und auch für uns eine der zentralen Fragen überhaupt", erklärte Prof. Dr. Karl Lanius, Direktor des Instituts für Hochenergiephysik, in einer Sondersendung des DDR-Fernsehens am 30. April 1986. Mit einer "sehr kleinen Wahrscheinlichkeit" könnten solche Unfälle wie in Tschernobyl aber auftreten, räumte Lanius ein. Man müsse aus diesem Unfall lernen. Ansonsten habe nie eine Gefährdung für die Bürger der DDR bestanden. Das sei alles "hochgespielt", meinte der Wissenschaftler. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Erich Honecker, 1989
Zwei Monate nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl gab Erich Honecker gegenüber Journalisten eine Empfehlung ab, wie sich die DDR-Bürger am besten gegen radioaktive Strahlung schützen könnten: "Zu Hause waren wir sechs Kinder, und unsere Mutter hat immer den Salat gewaschen." Allerdings betonte Honecker in diesem Interview auch: "Ich bin der Meinung, dass die Kernkraft nicht das letzte Wort ist." Bildrechte: dpa