Stichwort 31.10.1517 - Luthers Thesen wider den Ablass

Neben seiner Aufgabe als Professor für Theologie an der Wittenberger Universität ist Luther ab 1514 auch als Prediger an der Stadtkirche zu Wittenberg tätig. Dort erlebt er hautnah den Missbrauch des Ablasshandels: Statt Buße zu leisten und ehrlich zu bereuen, ziehen seine Beichtkinder lieber ins nahe Jüterbog, um sich dort bei Johann Tetzel von ihren Sünden loszukaufen: "Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt", verspricht der Dominikanermönch. Luther sieht jedoch allein in der Buße den Weg zum Seelenheil. Beim Studium des Römerbriefes (Röm 1,17) 1516 kam er zu der Auffassung, dass der Mensch allein auf Grund des Glaubens und der Gnade Gottes erlöst (gerechtfertigt) werde. Zusätzlicher Taten etwa zum Ablass-Erwerb bedürfe es folglich nicht.

Im Oktober 1517 wendet er sich mit seinen 95 Thesen an seine kirchlichen Vorgesetzten mit der Bitte, den Ablassmissbrauch abzustellen und gerät nun in einen offenen Konflikt mit der Kurie. An den Differenzen über die Ablasspraxis und die Frage der Rechtfertigung vor Gott zerbricht schließlich die Einheit der westlichen Kirche. Zugleich nimmt eine umfassende religiöse, geistige und gesellschaftliche Erneuerungsbewegung ihren Anfang.

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2010, 14:10 Uhr