Sushi statt Thüringer Klöße - edles japanisches Restaurant in der DDR

Sushi statt Thüringer Klöße

Blick ins Japan-Restaurant in Suhl 1 min
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Die HO-Gaststätte "Waffenschmied" in Suhl" Japanischer als die Japaner

Japanischer als die Japaner

Unbeeindruckt von Kritikern eröffnete Rolf Anschütz 1966 in Suhl sein japanisches Restaurant. Ein Besuch im "Waffenschmied" bot dem Gast weit mehr als fernöstliche Köstlichkeiten.

MDR FERNSEHEN Fr 31.10.2003 18:59Uhr 01:18 min

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TV-Tipp

Geisha Giesela (Ina Paule Klink) und "Anschütz-San" (Uwe Steimle) bewirten stilecht ihre ersten Gäste.
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MDR FERNSEHEN Do, 22.11.2018 12:30 14:00

Sushi in Suhl

Sushi in Suhl

Spielfilm Deutschland 2012

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Die Geschichte von Rolf Anschütz in Bildern

Der Thüringer Koch Rolf Anschütz war 1966 der Gründer des ersten japanischen Restaurants der DDR. Sein "Waffenschmied" in Suhl galt als renommiertestes japanisches Restaurant Europas.

Rolf Anschütz
Rolf Anschütz war seit Mitte der 1960er-Jahre "Objektleiter" des HO-Restaurants "Waffenschmied" in Suhl, einem eher rustikalen Speiselokal, das vorwiegend Thüringer Küche anbot. 1966 überrascht Anschütz seine Gäste mit einem japanischen Abend – Sushi statt Sättigungsbeilage und Thüringer Klößen. Der Abend wird ein Erfolg und Anschütz ist von nun an nicht mehr zu bremsen ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Andrang im japanischen Restaurant "Waffenschmied"
Anschütz’ japanisches Restaurant entwickelt sich in der DDR schnell zu einem Geheimtipp. Es kommen Familien, Brigaden und Kollektive. Selbst Mitglieder des Politbüros speisen bei Anschütz. Tischbestellungen gehen körbeweise im "Waffenschmied" ein. Zwei Jahre beträgt die Wartezeit. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Rechnung  für ein Essen im "Waffenschmied"
Rolf Anschütz' Erlebnisgastronomie hat allerdings ihren Preis. Je nach Herkunft der verwendeten Zutaten kostet das obligate Sieben-Gänge-Menü 99 Mark oder 112, 50 Mark oder 136, 50 Mark. Dafür gibt es aber stets auch noch eine Einführung in die Sitten und Bräuche Japans vom Restaurantchef höchstpersönlich. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Rolf Anschütz zeigt am 29.03.2000 eine kleine Auswahl an Sushi-Spezialitäten
2002 muss Rolf Anschütz schließlich Insolvenz anmelden und sein Hotel "Sakura" schließen. 2008 stirbt er, 76-jährig. (Über dieses Thema berichtete der MDR in MDR um 4, 08.02.2018 | 16:00 Uhr.)

(Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: THÜRINGEN JOURNAL | 18.03.2016 | 19:00 Uhr)
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Rolf Anschütz
Rolf Anschütz war seit Mitte der 1960er-Jahre "Objektleiter" des HO-Restaurants "Waffenschmied" in Suhl, einem eher rustikalen Speiselokal, das vorwiegend Thüringer Küche anbot. 1966 überrascht Anschütz seine Gäste mit einem japanischen Abend – Sushi statt Sättigungsbeilage und Thüringer Klößen. Der Abend wird ein Erfolg und Anschütz ist von nun an nicht mehr zu bremsen ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Das Restaurant "Waffenschmied" in Suhl
Er sägt die Beine von Tischen und Stühlen ab, beklebt die Wände seines Lokals mit Stoffbahnen und Lotosblüten und lässt für die Kellnerinnen Kimonos schneidern. Später wird sogar ein Wasserbecken im "Waffenschmied" für die rituellen Waschungen eingebaut. Die Kochrezepte besorgt sich Anschütz zunächst aus einem alten DDR-Kochbuch. Japanische Restaurants gibt es damals übrigens nur in Paris, Brüssel, Düsseldorf und – im thüringischen Suhl … Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
ein japanisches Gedeck im "Waffenschmied"
Improvisationsvermögen und Kreativität bestimmen den Alltag im japanischen Restaurant. Wenn es beispielsweise keinen Reiswein gibt, nimmt Rolf Anschütz Weißwein, den er mit Reis versetzt; statt Sojasoße, die es in der DDR nicht gibt, verwendet er Worcester-Sauce … Fernöstlich anmutendes Geschirr besorgt sich Anschütz in Antiquitätenläden und auf Flohmärkten. "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", lautet die Devise des Küchenchefs. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Gäste beim rituellen Reinigungsbad
Vor dem Mahl steigen die Gäste zum rituellen Bad nackt in ein 38 Grad warmes Wasserbecken. So etwas gibt es damals nicht einmal in den berühmten Japan-Restaurants in Paris oder Brüssel. Während des Bades werden leichte Getränke serviert und japanische Lieder gespielt. Anschließend schlüpfen sämtliche Gäste in einen Kimono. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Gästebuch des japanischen Restaurants "Waffenschmied"
Eintrag des japanischen Botschafters in der DDR 1978 im Gästebuch des "Waffenschmieds" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Gäste aus Japan im japanischen Restaurant in Suhl
Anschütz hat stets viele Gäste aus Japan. Für Manager, Diplomaten und Touristen aus Fernost gehört ein Besuch im "Waffenschmied" zum obligaten Besuchsprogramm während einer DDR-Reise. Bildrechte: dpa
Ausriss aus einer japanischen Zeitung, die über Rolf Anschütz berichtet
1979 wird Rolf Anschütz von japanischen Managern, die sein Lokal besuchten, nach Japan eingeladen. Einen Monat lang reist der Meisterkoch aus Thüringen durch das Reich seiner Träume. Er wird wie ein Staatsgast hofiert und Kaiser Hirohito verleiht ihm bei einer Audienz einen Orden für das beste japanische Restaurant außerhalb Japans. Doch gleichzeitig ist Anschütz auch enttäuscht, denn das von ihm so geliebte Land erscheint ihm keineswegs ruhig und harmonisch, sondern laut, hektisch und aggressiv. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Fritz Pleitgen als ARD-Korrespondent in Ost-Berlin
Mitte der 1980er-Jahre besucht Fritz Pleitgen, ARD-Korrespondent in der DDR, im Rahmen einer Reportage über den Rennsteig den "Waffenschmied". "Das war das absolute Highlight des Films", erinnert sich Pleitgen 2012 in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Dieses Lokal passte in die DDR überhaupt nicht rein. Es war ein völliger Widerspruch zu dem Bild, das man im Westen vom Osten hatte." Pleitgen bemerkt aber durchaus, dass Rolf Anschütz in seinem "Waffenschmied" ein Japan-Bild konserviert, das es in Wirklichkeit gar nicht mehr gibt. "Es war", so Pleitgen, "wie in einer Komödie." Bildrechte: dpa
Blick ins Restaurant "Waffenschmied"
1986 kommt es zwischen Rolf Anschütz und seinem Arbeitgeber, der HO, zu einem Streit: Die HO fordert höhere Umsatzzahlen, verweigert aber Investitionen für neue Räume und ein Hotel. Als sie ihrem Meisterkoch auch noch einen Chef vor die Nase setzen will, verlässt Anschütz seinen "Waffenschmied". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Rechnung für eines der letzten japanischen Abendessen im Restaurant "Waffenschmied" in Suhl
Nachdem Rolf Anschütz den "Waffenschmied" verlassen hat, führt sein Bruder das japanische Restaurant weiter. 1993 schließt das Restaurant für immer. Bildrechte: Gero Seifert
das Hotel "Sakura" in Oberhof
Nach dem Ende der DDR will es der inzwischen 58-jährige Rolf Anschütz noch einmal wissen. Auf Kredit kauft er der Treuhand ein ehemaliges FDGB-Ferienheim in Oberhof ab … Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Innenansicht Hotel "Sakura" in Oberhof
… und baut es mit immensem Aufwand zu einer noblen fernöstlichen Herberge um – mit Restaurant, Zimmern mit originalen japanischen Möbeln und … Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Reinigungszeremonie im Japan-Restaurant in Thüringen
… einem großen Wasserbecken für das rituelle Bad. "Sakura" (Kirschblüte) nennt Anschütz sein Haus. Doch die Gäste bleiben aus - das exotische Flair hat für die Ostdeutschen seinen Reiz verloren. "Er hatte noch Hoffnung", erinnert sich Fritz Pleitgen, der Rolf Anschütz Mitte der 1990er Jahre noch einmal besuchte, "aber keine Chance mehr." Bildrechte: dpa
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Szenenbilder aus dem Kinofilm

Koch Rolf Anschütz langweilt die traditionelle Küche seiner Heimat. Er will stattdessen japanische Gerichte servieren. Schnell wird er über die DDR hinaus bekannt. Aber auch die Partei wird auf ihn aufmerksam.

Rolf Anschütz (Uwe Steimle) mit seiner Frau Ingrid (Julia Richter) und Helga (Angelika Böttiger)in der Küche des legendären Waffenschmied.
Kochen für den Weltfrieden: Rolf Anschütz (Uwe Steimle) mit seiner Frau Ingrid (Julia Richter) und Helga in der Küche des legendären "Waffenschmied". Bildrechte: Movienet Film GmbH
Rolf Anschütz (Uwe Steimle) mit seiner Frau Ingrid (Julia Richter) und Helga (Angelika Böttiger)in der Küche des legendären Waffenschmied.
Kochen für den Weltfrieden: Rolf Anschütz (Uwe Steimle) mit seiner Frau Ingrid (Julia Richter) und Helga in der Küche des legendären "Waffenschmied". Bildrechte: Movienet Film GmbH
Geisha Giesela (Ina Paule Klink) und "Anschütz-San" (Uwe Steimle) bewirten stilecht ihre ersten Gäste.
Geisha Giesela (Ina Paule Klink)) und "Anschütz-San" bewirten stilecht ihre ersten Gäste ... Bildrechte: MDR/Felix Holland
Im japanischen Furo-Bad wäscht man sich vor dem Essen den Dreck vom Leib. Ernst Kaltenhauser (Christian Tramitz) hat noch Berührungsängste.
Im japanischen Furo-Bad wäscht man sich vor dem Essen den Dreck vom Leib. Ernst Kaltenhauser (Christian Tramitz) hat noch Berührungsängste. Bildrechte: Movienet Film GmbH
Geisha Giesela (Ina Paule Klink) und "Anschütz-San" (Uwe Steimle) stellen Sushi auch aus thüringischen Zutaten her.
Anfangs stellen sie Sushi auch aus thüringischen Zutaten her. Bildrechte: Movienet Film GmbH
Die HO-Suhl feiert ihr Jubiläum: Bezirksdirektor Hans Leutner (Thorsten Merten, links) und Kreisdirektor Lothar Jäger (Michael Kind) umgarnen die HO-Direktorin Malaschke (Deborah Kaufmann).
Die HO-Suhl feiert ihr Jubiläum: Bezirksdirektor Hans Leutner und Kreisdirektor Lothar Jäger umgarnen die HO-Direktorin Malaschke. Bildrechte: Movienet Film GmbH
HO- Kreisdirektor Lothar Jäger (Michael Kind) hat mal wieder Ärger wegen Rolf Anschütz.
HO-Kreisdirektor Lothar Jäger (Michael Kind) hat mal wieder Ärger wegen Rolf Anschütz. Bildrechte: Movienet Film GmbH
Auch HO-Direktorin Malaschke (Deborah Kaufmann) und HO-Bezirksdirektor Hans Leutner (Thorsten Merten) hat das Japan-Fieber gepackt.
Aber auch HO-Direktorin Malaschke (Deborah Kaufmann) und HO-Bezirksdirektor Hans Leutner (Thorsten Merten) hat das Japan-Fieber gepackt. Bildrechte: Movienet Film GmbH
Rolf Anschütz (Uwe Steimle) fährt zur Ordensverleihung nach Japan.
Schließlich fährt Rolf Anschütz zu einer Ordensverleihung nach Japan. Bildrechte: Movienet Film GmbH
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Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV:

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Sushi in Suhl | 22.11.2018 | 12:30 Uhr