DDR ahoi! | Maritimes Wissen Die Landratte fragte: Was ist der "Schiffsmittag"?

"Schiffsmittag" ist nicht etwa Mittagsruhe an Bord, sondern dabei handelt es sich um einen Begriff der astronomischen Navigation. Lesen Sie hier die Begriffserklärungen unser Seeleute.

Hans-Joachim Franz schrieb uns:

Hallo liebes "DDR-ahoi"-Team,

wenn Ihr so weiter macht, werdet Ihr noch zur Seefahrtsschule! Nun aber Spaß beiseite und ran an die Frage. Der Schiffsmittag ist ein Teil der astronomischen Navigation. Es wird mit Hilfe des "Schinkenknochens" (Sextanten) bestimmt, d.h. wenn der Sonnenstand am höchsten ist, kann man aus dem Winkel der Sonne zum Schiffshorizont (Kimm) die sogenannte Mittagsbreite errechnen, des Weiteren mit einer genau gehenden Uhr (Schiffschronometer) den Längengrad auf dem man sich befindet. Das Ganze nennt man in der christlichen Seefahrt: das Mittagsbesteck schießen.

Ein Segler navigiert mit Hilfe eines Sextanten.
Ein Segler navigiert mit Hilfe eines Sextanten Bildrechte: dpa

Die zwischen zwei Schiffsmittagen zurückgelegte Entfernung bezeichnet man als Etmal. So ein Besteck, wie man das Ganze nennt, kann auch nachts "geschossen werden", dann mit Hilfe der Sterne. Wenn sich Sonne und Sterne wetterbedingt rar machten, wurde mit Hilfe von Karte, Kompass und Schiffsgeschwindigkeit aus der zuletzt festgestellten Position "gekoppelt". Das Risiko dabei war jedoch, dass auf längere Zeit hin dabei die Schiffsposition ungenau werden konnte, z.B. durch Strömung und Wind. So kam es im Oktober 1976 zur Havarie des DSR-Tankers MS "Böhlen", die mit dem Totalverlust des Schiffes endete, aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Heute in Zeiten von GPS mutet das gute alte "Mittagsbesteck" zwar etwas altertümlich an. Aber wehe man hat mitten auf dem "Teich" keinen Sextanten zur Hand, wenn der Satellit mal Mittagspause macht, dann kann man nur noch wie Kolumbus hoffen, durch die Kugelgestalt der Erde irgendwo an Land zu kommen. So, liebes Ahoi-Team, das wäre mein Kommentar zur zum Schiffsmittag, denn auch uns Kollegen, die wie ich unter Deck fuhren und die wie ich in großer Zahl aus dem sächsischen Sprachraum stammten, bewegte eine Frage: "Kommer heeme oder kommer nich heeme!"

In diesem Sinne, Euer Hans Joachim Franz

Gerd Zitterbart erklärt den Begriff folgendermaßen:

Mit einem Sextanten (aus Freiberg) wird der Winkel zwischen Kimm und Sonne bestimmt. Ist er am größten, dann steht die Sonne genau im Süden oder Norden, je nach Standort des Beobachters. Jetzt kann man mit einer Uhr den momentanen Längengrad, die Mittagslänge bestimmen. Aus Mittagslänge und Mittagsbreite ergibt sich die Mittagsposition.

Andreas Görmar schreibt in Kürze:

Schiffsmittag - das ist der Sonnenhöchststand am Ort des Schiffes. Dazu braucht man keine Uhr, es wird einfach mit dem Sextanten gemessen.

Kurz und knapp ist auch die Erläuterung von Torsten Mann:

Der Schiffsmittag ist ein Begriff aus der Seefahrt. Es ist der Zeitpunkt des beobachteten Sonnenhöchststandes und wird ohne Zeitmessung gefunden.

All unseren sachkundigen Seeleuten ein herzliches Dankeschön für die Aufklärung!

Die nächste Frage

Dieses Mal wollen wir wissen, was eine "Affenfaust" ist. Sie kennen den Begriff? Dann klären Sie uns auf und sagen uns, woher die Bezeichnung kommt!

Zuletzt aktualisiert: 24. Mai 2011, 13:20 Uhr