Peter, der Schiffskoch mit dem Blick fürs Wesentliche

Mein anderer Held ist ein Koch, der während seiner Seefahrtszeit wohl nie über die Grenzen der Ostsee hinauskam, aber Hunderten junger DSR-Lehrlinge in Erinnerung geblieben ist: Peter Siebrandt war der langjährige Koch auf dem DDR-Segelschulschiff "Wilhelm Pieck." Das Schiff unterstand offiziell der Gesellschaft für Sport und Technik, wurde aber auch von der DSR zur Ausbildung der Abiturklassen genutzt.

Peter wusste, wie wichtig gute Laune unter jungen Menschen ist, die das erste Mal von zu Hause weg sind. Also er sorgte er dafür. Außerdem konnte er aus wenigen Vorräten, ohne Kühlschrank und auf einem Kohleherd ein Essen zusammenzuzaubern, das jedem Staatsempfang zur Ehre gereicht hätte. Zu DDR-Zeiten war von der alten Seefahrtsromantik nicht mehr viel übrig, aber zum Glück hatten wir den wie einen Piraten aussehenden Schiffkoch Peter, der in seiner klitzekleinen Kombüse schwermütige Shanties sang und alles wusste, was man über die Segelschiffahrt wissen musste.

Peter hatte nur noch ein Auge, aber er sah besser als viele seiner Vorgesetzten. Wenn im Stress des engen Zusammenlebens auf einem Segelschiff einer "seiner Jungs" besonders mitgenommen wirkte, holte der einäugige Koch eine seiner versteckten Buddeln raus, griff sich den Trauerkloß und sagte, "Jungchen, wir müssen uns mal unter drei Augen unterhalten."

Beide habe ich leider seit den 1970er-Jahren nie wieder gesehen, aber wenn ich an die Seefahrt denke, denke ich an Kaptän Uloth und an den Koch Peter! Schöne Grüße aus dem fernen Kalifornien, wo ich 1994 an Land ging ohne wiederzukehren - gleich nachdem die DSR mich und viele andere Nautiker nicht mehr brauchte.