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Der Osten verändert den Westen

Stand: 14. Dezember 2020, 12:29 Uhr

Die DDR ist 1990 nicht nur dem Westen beigetreten, sondern hat das gesamte Land verändert. Man nehme: Berufstätigkeit von Frauen, Kitas und Schulen, Wahlverhalten – Deutschland ist vielfältiger geworden.

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Der Osten verändert den Westen: Zahlen, Daten, Fakten (2019)

Als 1990 die fünf ostdeutschen Bundesländer der Bundesrepublik beitraten, war die Zielrichtung klar: Politisch wurde eine gesellschaftliche, soziale und wirtschaftliche Angleichung an das westliche System angestrebt. Diese Ausrichtung hat sich in den letzten 30 Jahren grundlegend verändert. Die Idee, von der DDR sei nur der grüne Rechtsabbiegerpfeil übriggeblieben, trägt nicht mehr. Es wird immer deutlicher, dass die DDR nicht einfach der Bundesrepublik beigetreten ist, sondern das wiedervereinigte Deutschland beeinflusst hat.

"Dieses wiedervereinte Deutschland, es ist geprägt durch viele Impulse aus dem Osten – gute Impulse, ein Antrieb zur Erneuerung", sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Rede in Leipzig zum Anlass des 30. Jahrestages der friedlichen Revolution und betonte in diesem Zusammenhang die selbstbewusste Rolle der Frauen, die soziale Infrastruktur der Kinderbetreuung und das System der ärztlichen Versorgung.

Ostdeutschland hat den Westen verändert und verändert ihn immer noch. Der vorliegende Beitrag versucht, dies an einigen Aspekten exemplarisch zu verdeutlichen. Es werden die Rolle der Frauen im Berufsleben, die Organisation von Bildungseinrichtungen und das unterschiedliche Wahlverhalten dargestellt.

Berufstätigkeit von Frauen

Aus der Zeit der DDR bleibt vielen das Bild der emanzipierten Frau im kollektiven Gedächtnis, die im Beruf deutlich mehr als ihr West-Pendant eingebunden ist.

Mehr als 90 Prozent der Frauen waren in den 1980er-Jahren in der DDR berufstätig. In der BRD waren es nur ungefähr die Hälfte. Allerdings wurde in der DDR nicht eine feministisch motivierte Gleichstellungspolitik praktiziert, sondern es lagen arbeitsmarktpolitische Interessen vor. Frauen in der DDR waren zu einem sehr viel höheren Maß in den Arbeitsprozess eingebunden als im Westen, jedoch gab auch hier die üblichen Probleme.

Gender-Pay-Gap auch in der DDR

Obwohl Frauen in der DDR immer wieder gelobt wurden für das, was sie leisteten, und ihnen bescheinigt wurde, sie würden "ihren Mann stehen" und seien unverzichtbar für die sozialistische Produktion, verdienten Frauen auch in der DDR bis zum Schluss im Schnitt 30 Prozent weniger als Männer. Auch erreichten Frauen trotz des gleichen Ausbildungsgrades weitaus weniger Leitungspositionen als Männer. Und die politischen Machtpositionen innerhalb der SED blieben nahezu ausschließlich einer älteren männlichen Führungsriege vorbehalten.

Die Präsenz der Frauen auf dem Arbeitsmarkt bedeutete auch nicht unbedingt, dass die traditionelle Rollenverteilung zwischen Frau und Mann aufgegeben wurde, vielmehr findet sich hier eine Doppelbelastung von Frauen in der DDR, die familiäre Aufgaben zusätzlich zu den beruflichen bewältigen mussten.

Verändertes Rollenverständnis?

Die Auflösung der DDR brachte zunächst große Veränderungen für das Selbstbild und Rollenverständnis ostdeutscher Frauen mit sich. Besonders im Westen wurde beispielsweise das frühe Weggeben der Kinder in staatliche Betreuungseinrichtungen sehr skeptisch gesehen und den Frauen eine höhere Karrierefixierung unterstellt. Uta Schlegel, die die Gleichberechtigung der Geschlechter in der DDR untersuchte, merkt jedoch kritisch an:

Zu meinem Mosaik gehört die Masse der Frauen, die schnell und deutlich erkannt hat, dass sie mit der DDR ihren Arbeitsplatz, [und damit] die gesellschaftliche Kindererziehung, die bezahlbare Wohnung, das sichere Umfeld, ihre Stellung in Familie und Gesellschaft verliert.

Schlegel, U. | „Gleichberechtigung der Geschlechter in der DDR. Mythos und Realität,“ in: Elm, L. (Hg.): Ansichten zur Geschichte der DDR. Band 8/2., Bonn/Berlin, 1997, S. 206.

Schätzungen zufolge verloren nach der Wende 80 Prozent der Ostdeutschen zeitweise oder dauerhaft ihren Job. Die Frauen traf es trotz der formalen Gleichberechtigung am härtesten. 1994 waren doppelt so viele Frauen wie Männer erwerbslos. Vor allem die Abwicklungen im produzierenden Gewerbe, organisiert durch die Treuhandanstalt, gingen in erster Linie zu Lasten der Frauen.

Längerfristig gesehen meisterten Frauen jedoch die mit der Umgestaltung einhergehenden Herausforderungen besser als viele Männer. So sind Frauen nach 1990 statistisch weniger häufig von beruflichem Abstieg betroffen als Männer. Darüber hinaus wanderten besonders jüngere Frauen vermehrt in den Westteil Deutschlands ab, zeigten also Initiative und Mobilität. Dies führte dazu, dass in Ostdeutschland ein teilweise erheblicher Männerüberschuss in der Bevölkerung festzustellen ist.

Demografischer Schock: Der Osten bekommt weniger Babys

Das starke Sinken der Geburtenrate im Osten nach 1990 auf einen nie da gewesenen Wert von 0,77 Kindern pro Frau (im Vergleich zu ca. 1,5-1,7 Kinder pro Frau vor 1990) weist darauf hin, dass unter den unsicheren Bedingungen nach 1990 die Familiengründung hinten angestellt wurde und Frauen sich zunächst auf die Sicherung der eigenen Lebensverhältnisse konzentrierten. Man spricht hier auch von einem „demografischen Schock“.

Ein Kinderwagen mit Baby steht vor einem Schaufenster in der DDR. Dieser Anblick wurde nach der Wiedervereinigung seltener. Bildrechte: MDR/Mahmoud Dabdoub

Auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung, sind diese Folgen noch spürbar, da sich die Kinder des "Geburtenlochs" heute im Familiengründungsalter befinden und folglich auch weniger Kinder aus diesen Jahrgängen hervorgehen, obwohl die Zahl der Kinder pro Frau wieder gestiegen ist. Ostdeutsche Landkreise haben auch deswegen mit abnehmenden Schülerzahlen und notwendigen Schließungen von Schulen und Kitas zu tun.

Im Jahr 2018 liegt die Beschäftigungsquote der Frauen in Ostdeutschland mit 60,8 Prozent unverändert über der in Westdeutschland (55,5 Prozent). Zudem weisen Männer und Frauen in Ostdeutschland annähernd gleich hohe Beschäftigungsquoten auf. Bei längerfristiger Beobachtung zeigt sich die Entwicklung, dass die Beschäftigungsquoten der Männer in Ost und West sich immer mehr annähern. Die Differenz zwischen Frauen in Ost und West bleibt jedoch weitgehend stabil.

Kitas und Schulen

Für die Erklärung des unterschiedlichen Ausmaßes der Berufstätigkeit von Frauen im Osten und im Westen muss das Betreuungs- und Bildungssystem als maßgeblicher Faktor mit einbezogen werden. Auch hier beeinflusste der Osten deutlich den Westen.

Kindergartenkinder spielen am 01.07.1976 auf einem Spielplatz der Kindertagesstaette in der Lindenbergalle in Ost-Berlin. Bildrechte: IMAGO

Signifikant ist beispielsweise der Betreuungsschlüssel für Kinder unter drei Jahren, der auch im Film thematisiert wird. Hier findet sich im Osten gegen Ende der 1980er-Jahre eine Betreuungsquote von ca. 80 Prozent. Im Westen beträgt diese Quote zur gleichen Zeit lediglich 2 Prozent.

Nach der Vereinigung 1990 entwickelte sich in Westdeutschland eine starke Diskussion zur Betreuungssituation von Kleinkindern und es wurde ein Ausbau der Betreuung angestoßen, um mehr West-Frauen eine Berufstätigkeit zu ermöglichen. Seit dieser Zeit glich sich die Betreuungsquote bis 2014 zwischen Ost und West langsam an.

Kinderbetreuung: Ungleichheit zwischen Ost und West

Trotzdem ist auch heute noch sichtbar, dass das Angebot im Osten Deutschlands wesentlich weniger Lücken aufweist als im Westen. Während im Westen die Betreuungsquote bei ca. 27 Prozent liegt, so beträgt sie im Osten 52 Prozent, also fast das Doppelte. Es ist anzunehmen, dass in diesem Bereich die westdeutschen Bundesländer noch mehr Anstrengungen unternehmen werden, um sich dem Stand Ostdeutschlands anzunähern.

Auch bei der Betreuung von Schulkindern kann man Einflüsse ostdeutscher Bildungsorganisation erkennen. Waren im Westen vor 1990 Schulspeisung und Betreuungsangebote am Nachmittag noch die Ausnahme, so hat sich diese Situation seit 1990 grundlegend geändert.

Durch umfangreiche Programme der West-Bundesländer wurde stark in Schulen investiert, um ein Ganztagesprogramm aufzubauen, welches eine Betreuung der Schulkinder über die Kernunterrichtszeit hinaus gewährleistet. Dass in westdeutschen Schulen in diesem Maße Mensen und Betreuungsangebote ausgebaut wurden, liegt wohl neben den allgemeinen wirtschaftlichen Erwägungen auch am Einfluss des ostdeutschen Modells.

Paragraph §218: "Abtreibung"

Eine heftige Debatte entwickelte sich nach 1990 um die Ausgestaltung des Abtreibungsrechts, festgehalten in §218 des Strafgesetzbuches. In der DDR war seit 1972 der Schwangerschaftsabbruch in den ersten drei Monaten legal – die so genannte "Fristenlösung".

Rund 3.000 Menschen demonstrieren am 16. Juni 1990 im Bonner Hofgarten gegen Abtreibung. Bildrechte: dpa

Im Westen gab es zwei Jahre später eine ähnliche Lösung, die aber das Bundesverfassungsgericht mit der Begründung, der Schutz des ungeborenen Lebens stehe über dem Selbstbestimmungsrecht der Frau, kurze Zeit später aufhob. Daraufhin waren in der BRD ab 1976 Abtreibungen nur noch bei medizinischer oder sozialer Indikation legal.

Versuche konservativer Regierungen unter Kanzler Helmut Kohl, nach 1982 den §218 weiter zugunsten des Schutzes ungeborenen Lebens zu verschärfen, heizten die gesellschaftliche Debatte in der BRD weiter an.

Uneinheit nach der Vereinigung bei der Abtreibung

Im Zuge der Wiedervereinigung kam das Thema aufgrund der unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen wieder auf, es konnte sich aber zunächst keine Regelung durchsetzen: In Ostdeutschland blieb die Fristenregelung, in Westdeutschland die Indikationsregelung bestehen.

Ein Kompromiss wurde erst im Juli 1992 gefunden. Nach langen Debatten einigte man sich auf eine Regelung, die Abtreibungen straffrei machte, jedoch eine verpflichtende Beratung der Schwangeren als Vorbedingung formulierte. Dieser Prozess wurde 1995 endgültig juristisch abgeschlossen.

Dies ist eines der Beispiele, wo durch Diskussion und Austausch eine gemeinsame Regelung auf Basis eines Kompromisses zwischen Ost und West festgelegt wurde, obwohl die in Ostdeutschland geborene Publizistin Jana Hensel bemängelt, dass wieder die Grundlagen des West-Gesetzes die Basis für den Kompromiss bildeten.

Politische Entwicklungen: West und Ost wählen so unterschiedlich wie noch nie

Untersucht man die Ergebnisse der Bundestagswahlen von 2017, so stellt man fest, dass dort west- und ostdeutsche Bürger so unterschiedlich wählten wie noch nie zuvor. In den Jahren zuvor war lediglich deutlich, dass die Partei PDS/Die Linke seit 1990 im Osten durchgängig deutlich bessere Ergebnisse erlangte als im Westen.

Gregor Gysi auf einer PDS-Wahlveranstaltung im März 1990 Bildrechte: IMAGO

Bei den Bundestagswahlen 2017 hingegen erzielte Die Linke in den ostdeutschen Bundesländern mit 17,8 Prozent ein starkes Ergebnis, die Alternative für Deutschland (AfD) übertraf dieses mit 21,9 Prozent jedoch noch. Eine Koalition aus CDU und SPD wäre mit diesem Ergebnis im Osten nicht möglich gewesen, ebenso wenig eine so genannte "Jamaika-Koalition" aus CDU, FDP und Grünen. Vielmehr hätte es im Osten eine – allerdings politisch unerwünschte – Mehrheit für eine Koalition aus CDU und AfD gegeben.

Politische Entwicklung: Ostdeutschland ist Europa voraus

In dem nachdenklichen Schlussteil seines Buches "Die Übernahme" vertritt der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk die These, dass Ostdeutschland in seiner politischen Entwicklung dem Westteil Deutschlands und auch anderen europäischen Staaten politisch einige Schritte "voraus" ist, dass also eine Entwicklung im Ostteil Deutschlands sichtbar ist, die sich weltweit ausbreitet.

Konkret meint er damit die vielfach beobachtbare Hinwendung zum Populismus und die steigende Tendenz zur Befürwortung autoritärer Staatsformen. Sichtbare Zeichen in Deutschland, und besonders in Ostdeutschland, sind zum Beispiel das Aufkommen der Bewegung "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) in mehreren Städten und die vergleichsweise höhere Skepsis gegenüber der Demokratie als Staatsform. Die AfD, aber auch Teile der Partei "Die Linke" haben dies erkannt und darauf reagiert. 

Ausblick

Verschiedene Fragen ergeben sich aus den Ausführungen, die hier nur angedeutet werden können: Übernimmt der Osten damit eine Vorreiterrolle für die gesamtdeutsche Hinwendung zu Parteien, deren demokratische Fundierung, und damit ist vornehmlich die AfD gemeint, teilweise angezweifelt wird?

Inwieweit müssen aus dieser Analyse politische Schlüsse gezogen werden, die die Entwicklung in Ostdeutschland nicht als Problemfall darstellen, sondern als eine Chance und Aufforderung, neue Sichtweisen zu entwickeln und neue Lösungen für seit langem bestehende soziale Fragen zu finden, um das demokratische System auf Dauer zu sichern? Die Veränderungsprozesse werden dies beantworten.

Arbeitsaufträge für SEK I

1. Bevor du dir den Film ansiehst, überlege, in welchen Bereichen der Ostteil Deutschlands den Westteil Deutschlands beeinflusst hat. Vergleiche Deine Ergebnisse mit deinem Sitznachbarn!

2. Sieh dir den Film an und notiere, wie sich die Berufstätigkeit von Frauen in Ost und West unterscheidet. Stelle dar, welche Begründungen der Film für diese Unterschiede anbietet.

3. Der Ausbau von Ganztagsbetreuung wird generell als Chance und Entlastung für Frauen dargestellt. Diskutiere, inwieweit durch ein stärker ausgebautes Betreuungsnetz von einer Verbesserung für die Frauen gesprochen werden kann. Überlege dabei, welche Chancen dies für die Frauen bietet und welche Herausforderungen/Nachteile damit verbunden sind.

4. Obwohl die Betreuungssituation im Westteil Deutschlands ausgebaut wurde und im Ostteil 2018 beispielsweise bereits zu 52 Prozent bei den Unter-Dreijährigen gewährleistet war, waren deutschlandweit nur etwa 3 Prozent aller Vorstandsposten von Frauen besetzt. Finde Erklärungsansätze und überlege, welche Schritte du als Politiker/Politikerin ergreifen würdest, um diesen Zustand zu ändern.

Die Fragen können ebenfalls als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Arbeitsaufträge für SEK II

Paragraph 218 StGB
a) Informieren Sie sich über die unterschiedlichen Regelungen bezüglich des §218 StGB in der DDR und der Bundesrepublik vor 1990. Stellen Sie beide Regelungen schematisch dar.

b) Erklären Sie, welche Regelung im Jahr 1992 als gesamtdeutsche Regelung vereinbart wurde und zeigen Sie auf, inwiefern sich dabei der Osten oder der Westen durchgesetzt haben.

c) Beurteilen Sie die gefundene Lösung in Bezug auf die Berücksichtigung der Traditionen und Interessen West- und Ostdeutschlands.

Die Fragen können ebenfalls als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Erläuterungen zum Filmmaterial

Ergänzend zum Filmmaterial gibt es nachfolgend eine Erläuterung, die ebenfalls im PDF-Format als Download bereit steht.

Der Film behandelt Frauen in Ost und West nach 1990 und versucht, den Einfluss des Ostens auf den Westen aufzuzeigen. Untersucht werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Bereichen Geburtenziffer und Erwerbsquote sowie Begründungansätze für diese Entwicklungen. Erkennbar ist eine langsame Angleichung von Ost und West bezüglich der im Film dargestellten Aspekte.

Bei der Geburtenziffer ist auffällig, dass die Zahl im Westen von 1990 bis 2018 etwa gleichbleibt, während sich die Zahl der Geburten pro Frau im Osten nach 1990 auf einen historischen Niedrigstand von 0,77 Kindern pro Frau verringert. Als Grund dafür werden die massiven Veränderungen angegeben, vor denen die Frauen der ehemaligen DDR nach 1990 standen, wie z.B. Umstellung der Arbeitswelt und Veränderungen im privaten Bereich. Die Geburtenziffern gleichen sich im Laufe der folgenden Jahrzehnte langsam wieder an und befinden sich in Ost und West 2018 etwa auf dem gleichen Niveau.

Bei der Erwerbsquote ist eine Angleichung des Westens an den Osten festzustellen. Steht die Frauen-Erwerbsquote 1990 in Ostdeutschland bei etwa 91 Prozent im Vergleich zu 51 Prozent im Westen, so sinkt sie im Osten zwar nach 1990, bleibt aber tendenziell eher höher als die im Westteil des Landes. Tatsächlich gleicht sich die Erwerbsquote West der des Ostens langsam an.

Signifikante Unterschiede bestehen bei der Vollzeit-Arbeitsquote von Frauen (West ca. 17 Prozent der berufstätigen Frauen, Ost ca. 40 Prozent). Dass in Ostdeutschland relativ gesehen mehr Frauen Vollzeit arbeiten, ist auch dem Betreuungsschlüssel für unter dreijährige Kinder geschuldet, der im Osten 2014 wesentlich höher ist (52 Prozent) als im Westen (27 Prozent).

Leseliste

Die Leseliste steht auch als PDF-Datei zum Download bereit.

Hensel, J.: "Der West-Paragraf", in: DIE ZEIT 08/2019, 18.02.2019.

Kowalczuk, I.-S.: Die Übernahme. Wie Ostdeutschland Teil der Bundesrepublik wurde, München, 2019.

Mau, S.: Lütten Klein. Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft, Frankfurt/Main, 2019.

Schlegel, U.: Gleichberechtigung der Geschlechter in der DDR. Mythos und Realität. In: Elm, L. (Hg.): Ansichten zur Geschichte der DDR. Band 8/2., Bonn/Berlin, 1997.

Steinmeier, F.-W.: Rede des Bundespräsidenten zum Festakt "30 Jahre Friedliche Revolution".

MDR: "Wer braucht den Osten" - Online-Dokumentation

Bundeszentrale für politische Bildung: (Verordnete) Emanzipation? – Frauen im geteilten Deutschland.

Bertelsmann-Stiftung: Untersuchung der zu Berufstätigkeit von Frauen in den neuen Bundesländern (2015).

Hähnig, A. & Timtschenk, M.: Emanzipation. "Ihr schafft das schon". In: Zeit Online.