Themenkomplex Alltag und Nischenkultur

Eine Auszeit von Staat und Bevormundung suchten viele DDR-Bürger im privaten Bereich. Doch selbst im Kleingartenverein versuchte der Staat Einfluss zu nehmen, dass man über den Eigenbedarf hinaus für die sozialistische Gesellschaft Erträge an Obst und Gemüse erzielte.

Familie auf dem Sofa.
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Der Alltag in der DDR war in den 60er-Jahren unter Walter Ulbricht von einer zunehmenden Ideologisierung betroffen. Fast jeder hatte sich mit Marxismus/Leninismus und aktueller Politik in FDJ- oder Parteilehrjahren zu beschäftigen. Anfang der 70er-Jahre erfolgte mit der Neuen Ostpolitik und dem Grundlagenvertrag eine Öffnung nach Westen. Doch als Ende der 70er- und in den 80er-Jahren offen durch Schriftsteller und Künstler Missstände angeprangert wurden, nahm die Überwachung und Bespitzelung durch die Stasi (umgangssprachliche Bezeichnung für das Ministerium für Staatssicherheit) wieder zu.

Als Reaktion auf den wachsenden ideologischen Druck zogen sich viele DDR-Bürger zurück in ihre Familie und Wohnung – zurück in eine Nischenkultur. Sie erschließt sich durch den damals gelebten Alltag. Der verordneten Lebensweise durch die SED zu entkommen, den Mangel zu kultivieren, dem Verrat zu widerstehen und sich in der äußerlichen Enge innerlich gut zu bewegen, war das Ziel.

Datsche und Mangelwirtschaft

Eine eigene Wohnung und ein Kleingarten mit Datsche waren für viele DDR-Bürger das Nischenparadies. Obwohl durch eine Abgabeordnung vom Staat vorgeschrieben wurde, einen Teil der Erträge gegen Entgelt abzugeben, kam man dadurch zu mehr Obst und Gemüse.

Die Mangelwirtschaft als eine Folge der sozialistischen Planwirtschaft führte dazu, dass man auf moderne Haushaltsgeräte wie Waschmaschine, Kühlschrank, Fernseher und besonders auf ein Auto jahrelang warten musste.

Urlaub im sozialistischen Ausland

Den Urlaub verbrachten die DDR-Bürger überwiegend im Inland. Dabei wurden möglichst billige Ferienplätze über den FDGB (Freier Deutsche Gewerkschaftsbund), für die man sich bewerben musste, in Anspruch genommen. Seit dem Mauerbau 1961 war das westliche Ausland verschlossen, sodass man höchstens in sozialistischen Staaten wie Ungarn, der ČSSR oder Polen Auslandsurlaub machen konnte.

Allgegenwärtig war der Staat nicht nur durch die allmächtige SED (Sozialistische Einheitspartei), sondern auch durch die Staatssicherheit, die Volkspolizei, die Nationale Volksarmee (NVA), die Pionierorganisation, die FDJ (Freie Deutsche Jugend, die GST (Gesellschaft für Sport und Technik) und andere Organisationen.

FDJ Abkürzung für Freie Deutsche Jugend. Die FDJ war die Massenorganisation für Jugendliche ab der 8. Klasse. Die Staatspartei SED verstand die FDJ als ihre "Helfer und Kampfreserve". Kennzeichen: blaues FDJ-Hemd mit FDJ-Emblem der aufgehenden Sonne am Ärmel. Der Gruß der FDJ lautete "Freundschaft!"

FDGB Abkürzung für Freier Deutscher Gewerkschaftsbund. Wie alle anderen Massenorganisationen wurde auch der FDGB von der SED gelenkt. FDGB-Mitglieder erhielten günstige Urlaubsplätze.

GST Abkürzung für Gesellschaft für Sport un Technik. Der GST war eine Massenorganisation, die sich um die vormiliitärische Ausbildung der Jugend. Bei der GST lernte man beispielsweise schießen, funken oder konnte schneller den PKW- oder LKW-Führerschein machen.

Datsche Russisches Wort für Garten- oder Wochenendhaus, das im Sprachgebrauch in der DDR verwendet wurde. Als Synonym für Datsche wurde auch der Begriff Bungalow gebraucht.