Hintergrund zu Schlüsselereignisse 1953, 1961 und 1989: Knotenpunkte von DDR und BRD

In der deutsch-deutschen Geschichte gab es mehrere Ereignisse, an denen Alternativen zur Wahl standen, an denen sich die Wege der beiden deutschen Staaten trennten oder wiedervereinten. Eine Übersicht.

  • Der Kurswechsel 1952 vom antifaschistisch-demokratischen Aufbau zum von der SED befohlenen Aufbau der Grundlagen des Sozialismus, der zu den Protesten am 17. Juni 1953 führte.


  • Der Mauerbau 1961, der der Abstimmung mit den Füßen ein Ende setzte, und gleichzeitig die Freizügigkeit für DDR-Bürger minimierte.


  • Im Jahr 1968 die endgültige Umkehr von einem zaghaft liberalisierten Sozialismus zum fundamentalistischen sogenannten "realen Sozialismus" mit klarer Unterordnung unter die Breshnew-Doktrin und der Festschreibung des Sozialismus als Basis der neuen Verfassung.


  • Ab 1970 die Versuche einer neuen Ostpolitik durch Willy Brandt, die die DDR-Bürger - fest eingebunden ins sozialistische Weltsystem - faszinierten, nicht wenige Bundesbürger jedoch auch schockierten.


  • 1973 die internationale Anerkennung und Festschreibung der deutschen Zweistaatlichkeit, durch die zeitgleiche Aufnahme von zwei souveränen deutschen Staaten, DDR und Bundesrepublik, in die UNO.


  • Die Verfassungsänderung von 1974 in der DDR, die die Intention der DDR-Führung offenbarte: Zementierung der sozialistischen Orientierung ohne Weltoffenheit und Toleranz.


  • Dass die Unterschrift unter die Schlussakte der Konferenz von Helsinki 1975 eine bedeutende Weichenstellung darstellte, war der Führung der DDR wohl ebenso wenig klar wie der sowjetischen Führung.


  • Ebenso überraschend war für die Bürger des einen wie die Bürger des anderen deutschen Landes die Tatsache, dass 1988/89 die Unzufriedenheit der DDR-Bürger als Kraftstrom in eine siegreiche Friedliche Revolution münden konnte. Vorerst letzter Knotenpunkt war die Friedliche Revolution 1989. Die Auflösung der zementierten Machtverhältnisse nicht nur in der DDR, sondern im ganzen sozialistischen Lager gab die Möglichkeit, internationale Politik völlig neu zu akzentuieren. Eine dieser neuen Möglichkeiten war die Aufhebung der deutschen Zweistaatlichkeit 1990.

17. Juni 1953 Aufgrund von Normenerhöhung kommt es am 16. Juni 1953 zu Streiks in Berlin und den mitteldeutschen Industriegebieten. Daraus entwickelt sich am nächsten Tag eine Volkserhebung, die die gesamte DDR erfasst.

Mauerbau 13. August 1961 Auf Befehl der SED beginnt der Bau der Sperranlagen an der Sektorengrenze zwischen Ost- und West-Berlin.

Breshnew-Doktrin Nach dem sowjetischen Staatsmann Breshnew benanntes Prinzip. Hauptthese: "Die Souveränität der einzelnen Staaten findet ihre Grenze an den Interessen der sozialistischen Gemeinschaft" und das die Möglichkeit einräumt, dass gegen "Abweichler- Staaten" im eigenen Lager auch militärisch eingegriffen werden kann. Diente der Rechtfertigung des Einmarsches in die ČSSR 1968.

Konferenz von Helsinki Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, 1973 mit dem Ziel gegründet, Umweltschutz, Abrüstung und die Gewährleistung der Menschenrechte in Europa zu befördern. 1975 unterzeichnen DDR und Bundesrepublik die KSZE-Schlussakte von Helsinki.