Themenkomplex "Leben mit der Grenze" Allgemeine didaktische Hinweise zum Thema

Die grundlegende Vorüberlegung für eine didaktische Annäherung und Erarbeitung des Themas sollte von der Tatsache geprägt sein, dass die gesamte Problematik der innerdeutschen Grenze den Lebenserfahrungen der Generation der heute 15- und 16-jährigen Schüler fremd ist. Das trifft auch auf einen nicht geringen Teil der Geschichtslehrer zu. Selbst bei den Kollegen mit biografischem Hintergrund in der ehemaligen DDR wird der direkte Bezug zu Grenzanlagen, Sperrgebieten, Personenkontrollen und Grenzübergängen und anderen Zeugnissen der deutschen Teilungsgeschichte recht unterschiedlich sein.

Die Geschichtslehrpläne aller Bundesländer ordnen die Behandlung des Themenfeldes innerdeutsche Grenze, wie es sich nach dem Kriegsende bis 1990 entwickelt hat, bevorzugt in den Rahmenlehrplan ab Klasse 10 ein. Das heißt, die Schüler wurden geboren, als diese Grenze de facto bereits nicht mehr existierte und gemeinsam im Prozess der deutschen Einheit überwunden wurde. Ihr Wissen dürfte also überwiegend durch das "kulturelle Gedächtnis" narrativ, medial und subjektiv selektiv geprägt sein und es bedarf der weiteren Vervollkommnung aller beim historischen Lernen abzurufenden Kompetenzen, um sich dieses wichtige Kapitel unserer Geschichte zu erschließen.

Für die Herausbildung von Geschichtsbewusstsein ist es wichtig, den gesamtdeutschen Prozess der Nachkriegsentwicklung und der engen Verflechtung der Geschichte der DDR und der Bundesrepublik multiperspektivisch und problemorientiert zu betrachten.

Die Sichtung des Materialfundus des MDR impliziert folgende Unterrichtsangebote:

  • Der Ausbau der Grenzsicherungsanlagen der DDR
  • Leben im Sperrgebiet und Zwangsumsiedlungen
  • Grenzübergänge, Transitwege und Reiseproblematik
  • Fluchtgeschichten und Fluchtschicksale
  • Opfer der innerdeutschen Grenze und der Berliner Mauer
  • Strafrechtliche Aufarbeitung


Die Angebote sind für die Sek I konzipiert und können für den Unterricht in der Sek II modifiziert werden. Sie eignen sich für den Einsatz in kooperativen Lernformen, bieten Möglichkeiten zur Binnendifferenzierung und orientieren sich damit eng an den Erfordernissen der täglichen Schulpraxis.

Unsere Angebote sind keineswegs als vollständig strukturierte Stundenentwürfe zu verstehen, sondern sollen vielmehr den didaktischen Zugang zu bestimmten Teilaspekten der Problematik innerdeutsche Grenze erleichtern, weiterführende problemorientierte Fragestellungen aufwerfen und dazu anregen, sich tiefgründiger mit diesem wichtigen Kapitel unserer Geschichte im Unterricht zu befassen.