DDR - Friedensgebet in Nikolaikirche Friedensgottesdienst am 18.12.1989 in der Nikolaikirche in Leipzig mit Superintendent Friedrich Magirius. Die regelmäßigen Friedensgebete waren eine Vorstufe der ab Herbst 1989 in Leipzig stattgefundenen Montagsdemonstration und ein Meilenstein bei der friedlichen Revolution Ende der 1980er Jahre in der DDR.
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Einführung ins Thema Auf schmalem Grat: Kirche in der DDR

Zur DDR-Opposition gehörten viele Menschen aus Kirchenkreisen – oder wenigstens aus Verbindungen "unter dem Dach der Kirche". Andererseits waren die Kirchen (bzw. ihre Leitungen) auch loyal zum Staat – und sind teilweise "unterwandert" worden.

DDR - Friedensgebet in Nikolaikirche Friedensgottesdienst am 18.12.1989 in der Nikolaikirche in Leipzig mit Superintendent Friedrich Magirius. Die regelmäßigen Friedensgebete waren eine Vorstufe der ab Herbst 1989 in Leipzig stattgefundenen Montagsdemonstration und ein Meilenstein bei der friedlichen Revolution Ende der 1980er Jahre in der DDR.
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Die Kirchen mit ihrem Bezug zur Welt des Glaubens entsprachen natürlich nicht den Vorstellungen der SED zur künftigen sozialistischen Gesellschaft. Der Marxismus-Leninismus ging vom quasi gesetzmäßigen Absterben der Religion aus, allerdings war bei etwa 90 Prozent (überwiegend evangelischen) Christen in der DDR um 1950 hierfür ein langer Zeitraum anzunehmen. Zu Beginn der DDR-Zeit gab es daher auch Bestrebungen, die Kirchen frontal anzugreifen und physisch bzw. materiell zu schädigen. Nach dem II. SED-Parteitag 1952 wurden Beschlagnahmungen von Kircheneinrichtungen durchgeführt, "in einem regelrechten Kulturkampf" wurden sogar Geistliche und Gläubige inhaftiert. (Richter 2009, S.77).

Zwischen Unabhängigkeit und Loyalität

Nach dem 17. Juni 1953 wurde dieser radikale Kurs aufgegeben, auch durch Druck aus Moskau. Von nun an vollführte die Kirche eine "ständige Gratwanderung" (Mählert 2004, S.141) zwischen eigener Unabhängigkeit (und Widerständigkeit) und der Loyalität (mit z.T. vorauseilendem Gehorsam) zum Staat.

Die Evangelischen Kirchen erlebten in 40 DDR-Jahren ein ständiges Absinken ihrer Mitgliederzahl, immer unter Beobachtung durch die DDR-Behörden und zum Teil durch die Stasi unterwandert. Die Konfirmation bzw. Kommunion geriet durch die "Jugendweihe" unter starken Druck, man versuchte durch neue und moderne Formen von Jugendarbeit (Bluesmessen, Offene Jugendarbeit) gegenzuhalten.

In den 70er- und 80er-Jahren verstärkten sich besonders innerhalb der Evangelischen Kirche Netzwerke, die aus oppositionellen Christen (oder kirchenfernen Oppositionellen unter dem "Schutzdach" der Kirche) bestanden. Ein regelrechtes Fanal setzte Pfarrer Oskar Brüsewitz mit seiner Selbstverbrennung 1976, es verdeutlichte die "Bedrängnis […], in der sich trotz äußerer Normalität viele Christen in der DDR sahen" (Mählert 2004, S.131). Die entstehende Friedens- und Umweltbewegung wäre ohne die Unterstützung der Kirche kaum möglich gewesen, man denke nur an die "Schwerter zu Pflugscharen"-Bewegung von Pfarrer Bretschneider (s. Neubert 2009, S.53). Auch der Herbst 1989 wurde z.T. von der Kirche aus angestoßen: "Der Aufbruch des Herbstes 1989 war […] gewiss keine 'protestantische Revolution', aber ohne die evangelische Kirche wäre er in dieser Form undenkbar gewesen"(Wolle 1999, S.248).

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2019, 12:46 Uhr