Aus den Schloten des Braunkohleveredlungswerkes Espenhain ziehen ätzende Staubwolken und Gasgerüche über das angrenzende Dorf Mölbis.
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Ein Blick in die Zeit Historischer Kontext

Die in der DDR vorhandenen ökologischen Probleme traten, wenn auch nicht derart massiert, in allen Industrieländern seit den 50er-Jahren auf. Gründe dafür waren ein lang anhaltendes Wirtschaftswachstum, der Übergang zur Massenproduktion und zur Konsumgesellschaft, der damit verbundene Verbrauch fossiler Brennstoffe und die Schadstoffbelastung von Luft, Wasser und Boden.

Aus den Schloten des Braunkohleveredlungswerkes Espenhain ziehen ätzende Staubwolken und Gasgerüche über das angrenzende Dorf Mölbis.
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Spätestens seit den 70er-Jahren wurden die Umweltbelastungen in der Bundesrepublik und international intensiv diskutiert. 1972 veröffentlichte der "Club of Rome" sein Szenario, in dem die Gefahren und Grenzen des Wachstums aufgezeigt wurden. Meldungen von Umweltkatastrophen, eine zunehmend kritische Berichterstattung und die Aktivitäten von Bürgerinitiativen führten dazu, dass sich die Politik der Umweltfragen annahm und per Gesetz die Verschmutzung von Boden, Luft und Wasser bekämpfte. In den 80er-Jahren sorgte das "Waldsterben" für Debatten; drastisch ansteigende Müllmengen warfen das Problem der Entsorgung auf. 1980 wurde die Partei "Die Grünen" gegründet, die die Umweltfrage als zentralen Diskurs ins Parlament trug. Seit dem GAU in Tschernobyl ist die Diskussion um die Verantwortbarkeit von Atomkraft nicht mehr abgeklungen.

Umweltprobleme nehmen zu

In der DDR fehlte es an kritischer Aufarbeitung von Seiten der SED. In den 70er-Jahren galt Naturzerstörung als Merkmal des kapitalistischen Westens; wenn Symptome nicht geleugnet werden konnten, so sah man sie als Relikte aus kapitalistischer Zeit, die in der Übergangsphase zum Sozialismus beseitigt würden.

Auch wenn der Massenkonsum weniger weit entwickelt war als in Westdeutschland, war die Umweltbelastung in Industriezonen und z.T. auch in ländlichen Gebieten erschreckend hoch. Die Kollektivierung der Landwirtschaft führte zu hoher Spezialisierung und Intensivierung und dadurch zur Belastung des Bodens. Durch Abbau und Verfeuerung von Braunkohle gelangten im Gebiet um Halle, Bitterfeld und Leipzig große Mengen an Schwefeldioxyd und Staub in die Luft. Abwässer aus dem Kalibergbau, der Zellstoff- und der chemischen Industrie wurden in die Flüsse geleitet. Mülldeponien waren nicht sachgerecht gesichert. Veraltete Technologie verbrauchte große Mengen an Energie. Die SED-Führung reagierte in den 70er- und 80er-Jahren auf die nicht mehr zu verdrängenden Umweltprobleme mit der Einsetzung von Inspektionen und Prüfstellen. Wegen der zunehmenden Wirtschaftsschwierigkeiten mangelte es jedoch an Finanzen zur Sanierung der Umweltschäden.

80er-Jahre: Erste Umweltschutzgruppen entstehen

Seit den 80er-Jahren entstanden auch in der DDR-Oppositionsgruppen, die die Umweltzerstörung öffentlich machten und kritisierten und die – zusammen mit Friedens- und Bürgerrechtsgruppen - zur Destabilisierung des SED-Systems beitrugen.

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2017, 14:00 Uhr