DDR-Rechtsanwalt Wolfgang Schnur
Wolfgang Schnur auf dem Gründungsparteitag des "Demokratischen Aufbruchs" 1989 in Leipzig Bildrechte: dpa

Oppositionspartei in der DDR Der "Demokratische Aufbruch"

Eine der maßgeblichen Oppositionsparteien in der DDR war der "Demokratische Aufbruch". In seinem "Leipziger Programm" forderte der "Demokratische Aufbruch" die Einführung einer soziale Marktwirtschaft und eine möglichst schnelle Vereinigung mit der Bundesrepublik.

DDR-Rechtsanwalt Wolfgang Schnur
Wolfgang Schnur auf dem Gründungsparteitag des "Demokratischen Aufbruchs" 1989 in Leipzig Bildrechte: dpa

Der "Demokratische Aufbruch" konstituierte sich im Oktober 1989 im Umfeld der evangelischen Kirche in Ost-Berlin. Gründungsmitglieder waren unter anderem die prominenten Theologen Rainer Eppelmannn, Friedrich Schorlemmer sowie der Jurist Wolfgang Schnur.

Richtungsänderung

Friedrich Schorlemmer spricht auf der Demonstration am 4.11.1989 in Berlin
Friedrich Schorlemmer spricht auf der Demonstration am 4.11.1989 in Berlin Bildrechte: DRA/DDR Fernsehen

Anfänglich strebte der "Demokratische Aufbruch" einen reformierten Sozialismus respektive eine Art dritten Weg zwischen Sozialismus und Kapitalismus an. Auf dem Gründungspartei des Demokratischen Aufbruchs im Dezember 1989 in Leipzig gab es nach heftigen Auseinandersetzungen jedoch eine deutliche Richtungsänderung: Der "Demokratische Aufbruch", der immerhin 10.000 Mitglieder hatte, bekannte sich in seinem "Leipziger Programm" zur sozialen Marktwirtschaft und vor allem zu einer schnellen Vereinigung der beiden deutschen Staaten. Zur Pressesprecherin der Partei wurde eine junge Physikerin namens Angela Merkel gewählt. Prominente Mitglieder des "linken Flügels" des "Demokratischen Aufbruchs" wie etwa Friedrich Schorlemmer verließen nach dem Leipziger Parteitag die Partei.

Helmuth Kohl vor der Frauenkirche in Dresden 18 min
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Parteichef Schnur war IM der Stasi

Pressekonferenz vor dem Gästehaus der Bundesregierung in West-Berlin am 5.2.1990 (l-r): Lothar de Maiziere (DDR-CDU), Wolfgang Schnur (DA) und Hans-Wilhelm Ebeling (DSU) mit Bundeskanzler Helmut Kohl und Volker Rühe.
Pressekonferenz des Wahlbündnisses "Allianz für Deutschland" am 5. Februar 1990. Lothar de Maiziere (CDU), Wolfgang Schnur, Hans-Wilhelm Ebeling (DSU) und Bundeskanzler Helmut Kohl (v.l.n.r.). Bildrechte: dpa

Zur Volkskammerwahl am 18. März 1990 trat der "Demokratische Aufbruch" gemeinsam mit der DSU und der CDU im Wahlbündnis "Allianz für Deutschland" an. Die "Allianz" war mit 48,1 Prozent der Stimmen klarer Wahlsieger, der "Demokratische Aufbruch" selbst erreichte jedoch nur magere 0,92 Prozent. Ein Grund für das schwache Abschneiden: Nur vier Tage vor der Wahl hatte Parteichef Wolfgang Schnur zurücktreten müssen. Er hatte jahrelang als IM für die Staatssicherheit gearbeitet. Doch auch die Kommunalwahlen im Mai 1990 endeten für die einstige Bürgerbewegung mit einem Stimmenanteil von nur 0,5 Prozent in einem Desaster. Im August 1990 trat der "Demokratische Aufbruch" der CDU bei.

Über dieses Thema berichtete der MDR im TV: Glaubwürdig | 11.05.2019 | 18:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2019, 09:38 Uhr