27.10.1989, Karl-Marx-Stadt, Wende, Demo des Neuen Forums gegen die herrschende kommunistische Diktatur, Tausende demonstrierten am Karl-Marx-Denkmal und der Zentralhaltestelle Chemnitz Sachsen BRD
Demonstration am 27. 10.1989 in Karl-Marx-Stadt Bildrechte: imago/HärtelPRESS

Bürgerrechtsbewegung in der DDR Das "Neue Forum"

Im Spätsommer und Herbst 1989 formierten sich in der DDR zahlreiche oppositionelle Bürgerrechtsbewegungen und Parteien. Die meisten verfolgten die Absicht, die DDR zu einem freien und pluralistischen Staat umzugestalten. Als erste Bürgerrechtsbewegung gründete sich am 9. September 1989 das "Neue Forum".

27.10.1989, Karl-Marx-Stadt, Wende, Demo des Neuen Forums gegen die herrschende kommunistische Diktatur, Tausende demonstrierten am Karl-Marx-Denkmal und der Zentralhaltestelle Chemnitz Sachsen BRD
Demonstration am 27. 10.1989 in Karl-Marx-Stadt Bildrechte: imago/HärtelPRESS

Das "Neue Forum" gilt als berühmteste Oppositionsbewegung der DDR. Gegründet wurde es von 30 Bürgerrechtlern am 9. September 1989 in Grünheide bei Berlin, im Haus von Katja Havemann, der Witwe des berühmten DDR-Oppositionellen Robert Havemann.

"Die Zeit ist reif"

Im Gründungsaufruf "Aufbruch 89 - Neues Forum" heißt es: "Wir rufen alle Bürger und Bürgerinnen der DDR, die an einer Umgestaltung unserer Gesellschaft mitwirken wollen, auf, Mitglieder des Neuen Forums zu werden. Die Zeit ist reif." Gefordert wurde eine tiefgreifende demokratische Umgestaltung der DDR. Unterzeichner des Aufrufs waren unter anderen Bärbel Bohley, Jens Reich, Sebastian Pflugbeil und Rolf Henrich.

"Kein gesellschaftlicher Bedarf"

Am 19. September 1989 beantragte das "Neue Forum" beim Ministerium des Innern die Zulassung als Vereinigung. Der Antrag wurde abgelehnt. Es bestehe kein gesellschaftlicher Bedarf, hieß es in der Begründung. Mittlerweile aber hatten Zehntausende den Gründungsaufruf unterzeichnet und auf den Montagsdemos wurde die Zulassung der Bürgerrechtsbewegung gefordert. Und tatsächlich: Am 8. November 1989 wurde das "Neue Forum" von der SED zugelassen.

Wahlniederlage für Bürgerrechtler

Blick auf die Delegierten während der Gründungskonferenz der Oppositionsgruppe "Neues Forum" am 28. Januar 1990 in Berlin.
Gründungskonferenz des "Neuen Forums" am 28. Januar 1990 in Berlin. Bildrechte: dpa

Im Februar 1990 schloss sich das "Neue Forum" mit den Bürgerrechtsbewegungen "Demokratie Jetzt" und der "Initiative Frieden und Menschenrechte" für die Volkskammerwahl am 18. März 1990 zum "Bündnis 90" zusammmen. Aber nur 2,9 Prozent der DDR-Bürger schenkten dem Bündnis der Bürgerrechtler ihr Vertrauen. Da es keine Sperrklausel gab, zogen aber doch acht Abgeordnete für das "Neue Forum" in die Volkskammer ein, unter ihnen Joachim Gauck und Werner Schulz.

Das "Neue Forum" bis heute aktiv

Ingrid Köppe
Ingrid Köppe (Bildmitte) am 1990 am "Runden Tisch" in Ost-Berlin Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv

Bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl im Dezember 1990 schafften es immerhin zwei Mitglieder des "Neuen Forums" in den Bundestag - Werner Schulz und Ingrid Köppe. Das "Neue Forum" selbst ging 1993 im "Bündnis 90" mit den bundesdeutschen Grünen auf. Die neue Partei hieß nun Bündnis 90/Die Grünen. In einigen ostdeutschen Kommunalparlamenten gibt es aber bis heute Abgeordnete des "Neuen Forums".

Über dieses Thema berichtete der MDR im TV: MDR extra - Als unsere Demokratie geboren wurde | 06.02.2019 | 15:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2019, 10:32 Uhr

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