Gerhild Spicale

Gerhild Spicale, Jahrgang 1973, geht in Leipzig zur Schule. Im September 1989 beginnt sie mit dem Abitur und will später Jura studieren, "um die Welt ein bisschen gerechter zu  machen". Das Jura-Studium an der Universität Leipzig bricht sie jedoch nach eineinhalb Jahren ab: "Spätestens im Strafrechtsseminar habe ich gemerkt, dass Recht haben und Recht bekommen zwei verschiedene Paar Schuhe sind." Sie absolviert bei einer großen deutschen Bank in Leipzig eine Ausbildung zur Bürokauffrau und wird anschließend übernommen. Doch schon ein Jahr später soll das Kundenzentrum, in dem sie arbeitet, geschlossen werden. Im Sommer 1996 erhält Gerhild Spicale die Kündigung. Schnell findet sie eine neue Anstellung, muss aber feststellen, dass die Gehälter in Ostdeutschland weit unter dem liegen, was sie bei ihrem bisherigen Arbeitgeber verdient hat. Damit will sie sich nicht abfinden.

Spicale mobil Arbeitssuche 2 min
Bildrechte: Hoferichter&Jacobs GmbH

"Mitte der 90er-Jahre gab es im Osten einfach keine Jobs", erinnert sich Gerhild Spicale. Deshalb suchte sie im Westen Arbeit: "Das war nicht mutig, das war einfach vernünftig."

MDR FERNSEHEN Di 22.10.2019 22:05Uhr 02:06 min

https://www.mdr.de/zeitreise/schwerpunkte/generation-wende/video109764.html

Rechte: Hoferichter & Jacobs GmbH

Video

Wie viele andere Studienteilnehmer entscheidet sich Gerhild Spicale, die Heimat zu verlassen und aufgrund der besseren Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten in die alten Bundesländer zu gehen. Sie zieht nach Hannover und findet eine Anstellung in der Serviceabteilung eines großen Reifenherstellers. Parallel dazu nimmt sie ein Abendstudium in Betriebswirtschaftslehre auf und schließt dieses 2001 mit Diplom ab. Seit 2004 arbeitet sie in Frankfurt/Main als Personal- und Büroleiterin einer Anwaltskanzlei mit rund 50 Mitarbeitern.

Gerhild Spicale lebt mit ihrem Mann und zwei Golden Retrievern in einer kleinen Gemeinde bei Darmstadt. Nach Ostdeutschland möchte sie nicht zurückkehren: "Ich sehe dort keine Perspektive für mein Leben. Ich fühle mich im Westen sehr wohl und habe beruflich und privat das erreicht, was ich erreichen wollte."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Generation Wende | 22. Oktober 2019 | 22:05 Uhr