Eine Frau schaut in die Kamera. Im Hintergrund ein Bild von ihr als Jugendliche.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die TV-Dokumentation "Generation Wende - Teil 2" Plötzlich waren wir Bundesbürger

In zwei Teilen folgt die Dokumentation dieser einmaligen Studie, die über 25 Jahre hinweg ein detailgenaues Bild von DDR-Wendebiografien zeichnet und überraschende Einblicke in ostdeutsche Lebenswirklichkeiten gibt.

Eine Frau schaut in die Kamera. Im Hintergrund ein Bild von ihr als Jugendliche.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

1987 beginnt das Zentralinstitut für Jugendforschung der DDR damals 14-jährige Schüler sehr detailliert über ihre Lebenssituation und ihre politischen Einstellungen zu befragen. Zwei Jahre später ändert sich alles. Das Land verschwindet und die Jugendlichen werden in einem neuen Staat erwachsen.

Gehört dem Sozialismus die Zukunft? Ja!

Meinung von 75 Prozent der Befragten Zentralinstitut für Jugendforschung der DDR

Dem einstigen Studienleiter Peter Förster gelang es, die Studie auch nach dem politischen Umbruch weiterzuführen, bis heute. So ist eine bemerkenswerte Materialsammlung über den letzten Jahrgang entstanden, der Kindheit und Jugend noch vollständig in der DDR verbrachte. Es sind die Biographien der Studienteilnehmer, die Zeugnis über den Transformationsprozess vom sozialistischen System der DDR ins kapitalistische System der Bundesrepublik ablegen.

Nach 28 Jahren der Abriegelung der innerdeutschen Grenze öffnete die DDR am 9. November 1989 ihre Grenze nach Berlin (West) und zum übrigen Bundesgebiet. Der Grenzuebergang Bornholmer Strasse am 11. Nov.89.
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In zwei Teilen folgt die TV-Dokumentation "Generation Wende" dieser weltweit einmaligen Studie, die über 25 Jahre hinweg ein detailgenaues Bild von DDR-Wendebiografien zeichnet und einen überraschenden Einblick in ostdeutsche Lebenswirklichkeiten gibt. Nicht nur die Teilnehmer sind erwachsen geworden, sondern auch die Studie. Seit 2002 betreuen Wissenschaftler von den Universitäten Leipzig und Dresden die Studie. Neue Fragen stehen im Mittelpunkt. Es geht um Familiengründung, Leistungsdruck, Arbeit und Gesundheit. Das sind auch die Fragen, mit denen sich der zweite Teil des Films "Generation Wende" beschäftigt.

Für einen Großteil der Studienteilnehmer steht in den 1990er-Jahren die berufliche Entwicklung klar im Vordergrund. Mit Anfang 20 heiraten und Kinder bekommen, so wie es bis 1989 in der DDR üblich war, kommt für sie nicht in Frage. Zu groß sind die Verlockungen und die Unsicherheiten. Monty Cachej will auf jeden Fall im Ausland arbeiten, Simone Groß schiebt 20-Stunden-Bereitschaftsschichten, Platz für eine Familie bleibt da nicht.

Der Blick auf zwei Systeme

Und doch haben irgendwann dann fast alle Studienteilnehmer eine Familie gegründet und Kinder bekommen, nur etwas später. Monty Cachej, Simone Groß und Kerstin Bittig sind heute Mütter und Familienväter. Familie und Arbeit muss für sie vereinbar sein, so wie früher bei ihren Eltern. Die "Generation Wende" ist geprägt von der DDR und hat sie doch längst hinter sich gelassen. Sie sind angekommen im vereinten Deutschland, und stehen doch vielem kritisch gegenüber. Sie haben zwei Systeme kennengelernt und das interpretieren die meisten von ihnen heute als Vorteil.

Rückblick Teil 1: Plötzlich waren wir Bundesbürger

17 Jahre sind die Studienteilnehmer alt, als die Mauer fällt. Für viele heißt das Aufbruch, Freiheit und völlig neue Möglichkeiten. Die fest vorgezeichneten Lebensläufe sind wieder offen und formbar. Aber die Fragebögen der Studie zeigen auch, dass die DDR-Teenager Angst haben vor dem westdeutschen System, in dem sie nun erwachsen werden müssen. Bereits 1996 war die Hälfte der Studienteilnehmer schon einmal arbeitslos - eine völlig neue Erfahrung für gelernte DDR-Bürger.

Der erste Teil des Films zeigt, wie die jungen Leute mit der unbekannten existenziellen Unsicherheit umgehen, wie sie der neuen Welt begegnen, ihr Leben in die eigenen Hände nehmen und mit Mut und Einfallsreichtum versuchen ihren Weg zu gehen. Geben 1990 noch fast die Hälfte der Teilnehmerinnen an, dass sie Angst vor der Zukunft haben, sind es im Jahr 2000 nur noch 21 Prozent. Thomas Tschirner, Franka Jentzsch, Uwe Schröckenbach und die anderen Teilnehmer der Studie werden zu kritischen Bürgern der Bundesrepublik. Und trotzdem, ein Großteil von ihnen gibt an, dass sie froh sind, die DDR erlebt zu haben.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Teil 2: Ein halbes Leben DDR | 29. Oktober 2019 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2019, 22:05 Uhr