Drei Filme - zwei Studien Olaf Jacobs: "Mit dem Wahlabend 2017 fing alles an"

Ostfrauen - drei Filme, zwei wissenschaftliche Studien. Die Filme als emotionalen Kern, die präzisen Datenerhebungen als zusätzliche Dimension, so hat das Team um Produzent Olaf Jacobs sein Projekt von Anfang an verstanden.

von Ullrich Nicklisch

Denkt man an ostdeutsche Ministerinnen und Minister in der Bundesregierung in den letzten Jahren, fallen einem spontan mehr Frauen ein. Aber ist das nur ein Eindruck oder hat das einen faktischen Hintergrund? Und ist es ein Zufall, dass von vier ostdeutschen Vorständen im DAX drei Frauen sind oder hat vielleicht auch das eine gewisse Systematik?

Abgleich an der Realität

Das Team um Produzent Olaf Jacobs wollte überprüfen, ob ihr Thema auch tatsächlich ein gesellschaftliches Thema ist. "Weil die Recherchen dazu durchaus interessante Ergebnisse brachten, die der Hintergrund für die Filme sind, haben wir sie online und in Sachbeiträgen öffentlich gemacht", so Jacobs.

Der Ausgangspunkt lag für das Filmteam in gewisser Weise am Abend der Bundestagswahl 2017. In der sogenannten "Elefantenrunde" saßen, mit Angela Merkel, Katja Kipping und Katrin Göring-Eckardt, drei Frauen. Alle drei haben eine ostdeutsche Biografie. Auf den anderen Kanälen waren mit Manuela Schwesig, Frauke Petry und Sahra Wagenknecht weitere Politikerinnen zu hören, die aus dem Osten kamen. Das fiel auf und war ein Startpunkt für die Recherchen und in gewisser Weise auch für die Filme. Und wie Jacobs ergänzt, "da stellt sich natürlich auch ein wenig die Frage: Wo ist eigentlich der ostdeutsche Mann?"

"Wir haben als Journalisten recherchiert und eigene Daten erhoben sowie vom GESIS, Leibniz Institut für Sozialwissenschaften, aus deren ALLBUS Datenbank umfangreiches Material zur Entwicklung von Einstellungen, Wertemustern und Verhaltensweisen erhalten", erläutert der Produzent. Frau Prof. Nickel von der Humboldt-Universität zu Berlin hat dazu die wissenschaftliche Interpretation geschrieben.

89er-Umbruch für Frauen einschneidender als für Männer

Da zeigt sich, was in Medien und Politik wie eine Erfolgsgeschichte aussieht, bietet anhand der Daten ein ernüchterndes Bild: Mehr Frauen wurden arbeitslos, mehr Frauen sind weggegangen. Das prägt nicht nur die Betroffenen, sondern Familien, Kinder und damit mehr als eine Generation und sogar ganze Regionen. "Persönlich ist mein Eindruck, dass der Umbruch 1989 und die Transformationszeit danach für Frauen noch einschneidender war, als für Männer", sagt Jacobs. 

Interessant sei aber auch, dass von den besonderen ostdeutschen Emanzipationserfahrungen das ganze Land profitiert habe. Schaue man auf die Daten im Detail, zeigen die Haltung zu arbeitenden Müttern, zur Kinderbetreuung aber auch zu Rollenbildern eine deutliche Bewegung aufeinander zu. Das weicht von anderen gesellschaftlichen Bereichen ab, in denen es primär einen Angleich des Ostens an den Westen gibt. "Insofern erzählen wir mit dem Projekt interessante Geschichten", so Jacobs "und regen hoffentlich hier und da zum Nachdenken und zur Diskussion an".

"Ostfrauen": Ein Projekt des Rundfunk Berlin-Brandenburg und des Mitteldeutschen Rundfunks.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im Fernsehen: Ostfrauen - Wege zum Glück | 08.03.2019 | 20:15 Uhr
Ostfrauen - Wege zur Macht | 08.03.2019 | 21:00 Uhr
Ostfrauen - weg vom Herd | 12.03.2019 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. März 2019, 11:53 Uhr

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Käthe Niederkirchner
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Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch
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