Ostfrauen Weg vom Herd (3/3)

Einblicke in das Arbeitsleben ostdeutscher Frauen. In Spitzenzeiten verdienten mehr als 90 Prozent von ihnen ihr eigenes Geld. Das war einmalig in der Welt. Und in der DDR-Verfassung stand festgeschrieben: "Mann und Frau sind gleichberechtigt."

Sie machen Karriere, nicht nur in der Politik, sie meistern Beruf und Familie, weil sie es nicht anders kennen, sie pfeifen auf Emanzipation, weil sie schon emanzipiert sind. Ostfrauen eine Spurensuche zwischen Legende und Wirklichkeit. 44 min
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Doku-Dreiteiler von Antje Schneider und Lutz Pehnert

MDR Dok Di 12.03.2019 22:10Uhr 44:29 min

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Während in der Bundesrepublik Jahrzehnte vor, aber auch Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer die Rolle der Frau in der Gesellschaft immer wieder thematisiert wird, galten die Frauen der untergegangenen DDR schon 1990 als gleichberechtigt und die Emanzipation eigentlich als abgeschlossen.

DDR: Emanzipation als Staatsdoktrin

Doch in der DDR gab es verschiedene Frauenbilder, ein von oben verordnetes und ein im Alltag gelebtes. Die Frauen haben sich ihre Emanzipation nicht erkämpft, sie war in der DDR Staatsdoktrin. Der Staat unterstützte Mütter mit kostenloser Kinderbetreuung, mit gleichem Lohn oder einem monatlichen Haushaltstag. Im Ergebnis arbeiteten die Frauen doppelt so hart, kümmerten sich um die Kinder und um den Haushalt – die Vollzeitstelle kam obendrauf. 1969 kamen ostdeutsche Frauen so auf 93 Stunden Gesamtarbeitszeit pro Woche, ostdeutsche Männer nur auf 59 Stunden pro Woche. Doch ansehen durfte man ihnen den Stress nicht, die Frau im Sozialismus zeigte Stärke, Fleiß und Opferbereitschaft – und klagte nicht über die Mehrfachbelastung. Das prägt, bis heute.

Gleichberechtigt?

"Ostfrauen – weg vom Herd" ist der dritte Teil in der Reihe "Ostfrauen" des Rundfunk Berlin-Brandenburg und des Mitteldeutschen Rundfunks. Er erzählt vom Arbeitsleben ostdeutscher Frauen. In Spitzenzeiten verdienten mehr als 90 Prozent von ihnen ihr eigenes Geld. Das war einmalig in der Welt. Und in der DDR-Verfassung stand festgeschrieben: "Mann und Frau sind gleichberechtigt." Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall wollen viele ostdeutsche Frauen ganz selbstverständlich einen Fulltimejob. Sie gehen acht Stunden zur Arbeit und halten sich trotzdem für gute Mütter - häufiger als in Westdeutschland, wie neueste Studien zeigen. Und wenn ostdeutsche in Wirtschaft oder Politik in Führungspositionen sitzen, dann sind das meistens Frauen. In manchen Regionen Ostdeutschlands verdienen sie sogar mehr als ihre Männer.

Aber fühlen sich berufstätige Frauen im Osten tatsächlich gleichberechtigter als die Frauen im Westen? Was machen sie anders? Woher kommt dieser zwanglose Umgang mit Karriere und Kind? Und was ist mit den Töchtern und Enkelinnen, wie stark hat sie die Geschichte geprägt?

Erfahrungen von 18 Ostfrauen

Solveig Leo ist ein gutes Beispiel. Mit 75 Jahren längst im Ruhestand, aber noch immer arbeitet sie einmal pro Woche in der Landwirtschaft. Bereits mit Mitte 20 wurde die Mutter zweier Kinder zur LPG Vorsitzenden gewählt.

Käthe Niederkirchner
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Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch
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Auch Viola Klein ist bereits mit 24 Leiterin einer Kindereinrichtung und heute, mit Ende 50, Chefin einer Software-Firma mit mehr als 300 Mitarbeitern.

Frauen unterschiedlicher Generationen berichten über ihre Emanzipationserfahrungen im Osten und Prägungen, die bis ins Heute reichen.

"Ostfrauen": Ein Projekt des Rundfunk Berlin-Brandenburg und des Mitteldeutschen Rundfunks.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im Fernsehen: Ostfrauen - Wege zum Glück | 08.03.2019 | 20:15 Uhr
Ostfrauen - Wege zur Macht | 08.03.2019 | 21:00 Uhr
Ostfrauen - weg vom Herd | 12.03.2019 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2019, 13:44 Uhr