Ostfrauen Wege zur Macht (2/3)

Unterschiede im Rollenbild und im Rollenverhalten zwischen Ost- und Westfrauen sind bis heute zu spüren. Wenn Frauen so unterschiedlich sozialisiert sind, so unterschiedliche Prägungen in ihren Biografien haben - wie wirkt sich das aus auf den Wegen zur Macht?

Jana Schimke 44 min
Jana Schimke Bildrechte: mdr/rbb/Hoferichter&Jacobs, honorarfrei

Unterschiede im Rollenbild und im Rollenverhalten zwischen Ost- und Westfrauen sind bis heute gewaltig. Am Abend der jüngsten Bundestagswahl wurde das Phänomen öffentlich: Neben Bundeskanzlerin Merkel sitzen Katja Kipping von der Linkspartei und Katrin Göring-Eckardt von den Grünen in der sogenannten "Elefantenrunde". Auf den anderen Sendern ein ähnliches Bild: Manuela Schwesig, Sahra Wagenknecht, Frauke Petry kommentieren die Wahlergebnisse. Alle diese Frauen haben ostdeutsche Biografien.

Wege zur Macht

Was bei der Deutschen Einheit und in den Jahren danach eher als Kuriosität betrachtet oder einfach abgetan wurde, wird hier offensichtlich: Es gibt wenig, wo Ost und West sich so stark im Alltag unterscheiden wie bei der gesellschaftlichen Rolle und dem Selbstverständnis der Frauen. Wenn Frauen so unterschiedlich sozialisiert sind, so unterschiedliche Prägungen in ihren Biografien haben – wie wirkt sich das aus auf den Wegen zur Macht? Was passiert, wenn sie dann Meinungsträgerinnen sind, bedeutsame Vorbilder, Gesetze erlassen, Unternehmen führen – ja, sogar ein ganzes Land regieren? Und wo wäre die Frauen- und Familienpolitik in Deutschland heute, hätte die alte Bundesrepublik mit der Wiedervereinigung nicht auch Millionen Ostfrauen mit ihrem ganz eigenen Selbstverständnis dazubekommen?

Die Protagonistinnen

Gunda Röstel gehörte 1989 in Sachsen zu den Mitbegründern des Neuen Forums. Sie blieb auch nach der Wende politisch aktiv, mischte bei den Grünen in der Bundespolitik mit. Heute versucht sie als Managerin ihre Erfahrungen als Ostdeutsche einzubringen. Anke Domscheidt-Berg, Publizistin, Netzaktivistin und Bundestagsabgeordnete engagiert sich für Frauenrechte und Geschlechtergerechtigkeit. Jana Schimke ist CDU-Politikerin aus Cottbus und seit 2013 im Bundestag. 2017 wurde sie zur "erotischsten Politikerin Deutschlands" gewählt, was sie mit Humor zur Kenntnis nahm.

Käthe Niederkirchner
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Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch
Bildrechte: Hoferichter&Jacobs/MDR/rbb

Ostfrauen in deutschen Eliten

Bemerkenswert ist der stille Siegeszug der Frauen in den deutschen Eliten vor allem, weil hier nicht etwa eine Tradition fortgeschrieben wird, sondern etwas neu entsteht. Obwohl Frauen in der DDR in Männerberufen arbeiteten, Klempnerin oder Traktoristin waren, schafften es nur wenige in Leitungspositionen in Politik und Wirtschaft. In der DDR gab es in den vierzig Jahren nur zwei Ministerinnen, Hilde Benjamin und Margot Honecker. Das ist heute anders – und es sind Frauen aus dem Osten, die in der Politik weit oben mitspielen: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Katja Kipping von den Linken, Katrin Göring-Eckardt von den Grünen, die Sozialdemokratin Manuela Schwesig, die linke Sahra Wagenknecht und auch Frauke Petry, seinerzeit Frontfrau der AfD, gehören zu den prominenten Vertreterinnen deutscher Bundespolitik.

"Ostfrauen": Ein Projekt des Rundfunk Berlin-Brandenburg und des Mitteldeutschen Rundfunks.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im Fernsehen: Ostfrauen - Wege zum Glück | 08.03.2019 | 20:15 Uhr
Ostfrauen - Wege zur Macht | 08.03.2019 | 21:00 Uhr
Ostfrauen - weg vom Herd | 12.03.2019 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2019, 16:45 Uhr