Die Deutsche Volksunion

Ein Mann geht am 08.04.98 in Magdeburg an einem Wahlplakat der Deutschen Volksunion vorbei, das von Gegnern der Partei mit Farbe besprüht worden ist.
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1971 entsteht in der BRD eine neue rechtsextreme Sammelbewegung mit dem Namen "Deutsche Volksunion" (DVU).

DVU-Wahlplakat 1998
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Sie setzt auf teure Flugzettel- und Zeitungskampagnen. Deutschtümelnde und latent rassistische Ressentiments werden an alle Haushalte verteilt. Im Gegensatz zur NPD, die rechtsextremistische Gesinnungsarbeit leistet, spricht der plumpe Wahlkampf der DVU klassische Protestwähler an. Erklärtes Ziel der Organisation ist es, "alle verfassungstreuen Kräfte von der Mitte bis Rechts zusammen(zu)führen". Die deutsch-nationale Organisation wird nach dem Niedergang der NPD durch die Wahlniederlage 1969 zum wichtigsten Auffangbecken für heimatlos gewordene Rechtsextremisten.

Traditionspflege und rechtsextreme Deutungsmuster

Bis 1987 arbeitet die DVU an der sogenannten Traditionspflege und transportiert über die auflagenstarke "Deutsche Nationalzeitung" jahrzehntelang rechtsextreme Deutungsmuster des Zweiten Weltkrieges und des Holocaust. Uneingeschränkter Kopf der DVU ist der Münchener Großverleger Dr. Gerhard Frey. Der Multimillionär ist Herausgeber der "Deutschen Nationalzeitung" und Gründer der DVU. Um seine Angebotspalette zu erweitern, initiiert er zahlreiche Aktionsgemeinschaften wie 1979 die "Volksbewegung für Generalamnestie" ("VOGA"), 1980 die "Initiative für Ausländerbegrenzung", 1981 die "Aktion deutsches Radio und Fernsehen" ("ARF") und 1982 den "Ehrenbund Rudel - Gemeinschaft zum Schutz der Frontsoldaten" ("ER"), den "Deutschen Schutzbund für Volk und Kultur" und die "Aktion Oder-Neiße" ("AKON").

Die DVU strebt in die Parlamente

Seit 1987 sucht der DVU-Vorsitzende Gerhard Frey auch den Weg in die Parlamente. Am 05.03.1987 wird auf seine Initiative hin und mit starker Beteiligung hoher NPD-Funktionäre die Wahlpartei Deutsche Volksunion - Liste D ins Leben gerufen.

DVU-Liste D und NPD sollen bei künftigen Wahlen nur noch abwechselnd, und nie mehr gegeneinander antreten. Bereits im Jahr der Gründung erringt sie am 13.09.1987 nach fast 20 Jahren erstmals wieder ein rechtsextremes Landtagsmandat. Bei den Bürgerschaftswahlen in Bremen erreicht das Wahlbündnis 3,41 Prozent und kann mit 5,4 Prozent in Bremerhaven einen Abgeordneten in das bremische Parlament senden. 1991 wird per Satzungsänderung der Zusatz Liste D aus dem Namen der DVU gestrichen. In ihrem Parteiprogramm fordert die rechtsextreme Partei eine "Begrenzung des Ausländeranteils" und "Stopp dem zunehmenden Ausländerzustrom".

"Deutschland soll das Land der Deutschen bleiben", lautet die Formel. Den größten Coup ihrer Parteigeschichte schafft die DVU 1998 in Sachsen-Anhalt. Mit einem riesigen Kapitaleinsatz Freys für den Wahlkampf erhält seine Partei 12,9 Prozent der Stimmen und zieht mit 16 Abgeordneten in den Landtag ein. Mit fremdenfeindlichen Ressentiments auf großangelegten Plakatierungen wie "Kriminelle Ausländer raus!" oder "Deutsches Geld für deutsche Arbeitsplätze" erreicht die DVU mit 25,4 Prozent Stimmenanteil sogar das beste Ergebnis der 18- bis 25-jährigen Wähler. Doch die Landtagsfraktion entzweit sich in kürzester Zeit und bereits 1999 treten mehrere Abgeordnete aus der Fraktion aus.

Die folgenden Jahre sind gekennzeichnet von einer Überalterung der Mitglieder und einem signifikanten Mitgliederschwund. Am 12. Dezember 2010 beschließt der Parteitag der "Deutschen Volksunion" die Fusionierung mit der NPD. Die besten Jahre sind für die DVU aber nun bundesweit vorbei.

Literaturtipp Thomas Assheuer/Hans Sarkowicz: Rechtsradikale in Deutschland. Die alte und die neue Rechte, München 1990, S. 28 ff.