Gewaltexzesse in Ostdeutschland Pogrome gegen Ausländer und Asylsuchende

Neben der meist spontanen Gewalt, die Neonazis gegen alles richten, was ihrem Bild eines nationalsozialistischen Staates widerspricht, gab es in den neuen Bundesländern auch Beispiele für gruppendynamische Gewaltexzesse gegen Ausländer, die gleichsam von Rechtsextremisten wie von bis dato unauffälligen Bürgern verübt wurden. Aggressive Rechtsextreme erschienen hier wie Vollstrecker des Mehrheitswillens.

Hoyerswerda

Ausländer fordern Verlegung in Hoyerswerda
Die völlig verängstigten Bewohner fordern von der Landesregierung Sachsen ihre Verlegung in eine andere Unterkunft, und zwar im Westen Deutschlands. Bildrechte: dpa

Der Gewaltexzess gegen Ausländer hat am 17. September 1991 seinen Ausgangspunkt. Rund zehn Neonazis attackieren auf dem Marktplatz von Hoyerswerda vietnamesische Händler, die in ihr Wohnheim flüchten. Danach ziehen Rechtsextremisten vor die Unterkunft und skandieren "Ausländer raus!"- und "Sieg Heil"-Parolen. Mit Molotowcocktails, Brandflaschen, Eisenkugeln und anderen Gegenständen attackieren sie die Anwohner. Die Ausschreitungen dauern bis zum 23. September 1991. Zu bestimmten Zeiten stehen bis zu 500 Personen vor dem Wohnheim und beteiligen sich unter dem Applaus vieler Nachbarn an den Übergriffen. Die Bilanz: über 30 Verletzte.

Rostock-Lichtenhagen

Am Abend des 22. August 1992 greifen hunderte rechtsradikale Jugendliche die Asylbewerber-Unterkunft in Rostock-Lichtenhagen an. Sie skandieren Parolen wie "Deutschland den Deutschen, Ausländer raus". 30 Polizisten, die sich den Angreifern entgegenstellen möchten, werden brutal zusammengeschlagen, während die Anwohner den Rechtsextremen Beifall klatschen. Für die Randalierer gibt es Bier und Schnaps. Neonazis aus den alten Bundesländern beteiligen sich an dem Pogrom und rekrutieren Mitglieder. Zum Höhepunkt der Auseinandersetzungen stehen rund 800 Polizeibeamte bis zu 1.000 rechtsextremen Gewalttätern und 2.000 Zuschauern gegenüber, die den Gewaltmob unterstützen. Die Bilanz: Knapp 100 Menschen entkommen nur knapp dem Flammentod.