Holger Apfel Vom Kader-Kämpfer zum NPD-Fraktionschef in einem Landtag

Holger Apfel, 1970 in Hildesheim geboren, ist bereits seit seiner Schulzeit in rechten Jugendorganisationen wie dem "Jugendbund Schlesien" aktiv. Mit seinem 18. Lebensjahr wird er Mitglied der NPD-Jugendorganisa­tion "Junge Nationaldemokraten" (JN). Hier bringt er es 1993 zum Bundesvorsitzenden und wird zum Befürworter des Eliteprinzips.

In dem Theorieorgan "Einheit und Kampf" schwärmt er von dem Aufbau der NPD-Jugend als "Kader aktiver deutscher Nationalisten (…) der zu allem bereit ist", um "eine revolutionäre Alternative zum System" aufzubauen. Um ideologisch seinen Einfluss in der NPD zu zementieren, wird Apfel 2000 auch Chefredakteur der NPD-Monatszeitung "Deutsche Stimme", die sich zu einem der wichtigsten rechtsextremen Ideologieorgane mausert. Doch sein Ziel ist die Führung der Partei.

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Nachdem Holger Apfel in den Jahren 2000 bis 2009 als stellvertretender Parteivorsitzender fungiert und 2009 bis 2011 NPD-Landesvorsitzender von Sachsen ist, stellt er im selben Jahr die Machtfrage. Auf dem Bundesparteitag November 2011 setzt er sich in einer Stichwahl gegen den bisherigen Vorsitzenden Udo Voigt mit 125 zu 86 Stimmen durch. Im Gegensatz zu Udo Voigt, der die NPD bundesweit in Bündnisse mit neonazistischen Kameradschaften führte, setzt Apfel auf eine Strategie der "seriösen Radikalität".

Die NPD musste wie nur wenige rechtsextreme Parteien spüren, wie verstaubt ewig gestrige Parolen eines unter gegangenen Reiches oder ein monologes Wiederkäuen der angeblichen Heldentaten der Hitler-Wehrmacht auf Wähler wirken. Um ihre verfassungsfeindlichen Ziele eines neuen rassistischen Deutschen Reiches zu kaschieren, setzt die NPD seit der Wiedervereinigung in ihren Wahlkämpfen in Ostdeutschland auf soziale Themen. Die Mischung aus Globalisierungsprotest, Kapitalismuskritik und dem Schüren von Sozialneid mit fremdenfeindlichen Ressentiments hat sich in der sächsischen Landtagswahl 2004 bewährt. Im Vergleich zu den vorhergehenden Wahlen im Jahr 2000 können die Nationaldemokraten 7,8 Prozent zulegen und werden mit 9,2 Prozent die viertstärkste Kraft im Landtag.