MDR FERNSEHEN | 07.08.2016 | 20:15 Uhr Die Pest, die Angst und der Schatz von Erfurt

3.000 französische Silbermünzen, 14 Silberbarren und über 700 wertvolle Gegenstände - Broschen, Ringe, mittelalterliche Gürtelteile - und ein kostbarer jüdischer Hochzeitsring. Welche Geschichte erzählt dieser Schatz?

Erfurt 1349

In der Stadt grassiert die Angst. Eine todbringende Seuche bedroht die Stadt und ihre Bürger. Eine Seuche, die zuvor schon Städte in ganz Europa zu riesigen Friedhöfen gemacht hat: Die Pest! Dei Krankheit hat schon ganze Landstriche entvölkert. Taucht die Krankheit erst in einer Stadt auf, gibt es für deren Bewohner kein Entkommen. Nun also Erfurt? In dieser angespannten Situation treffen einzelne Stimmungsmacher eine Entscheidung, die zu einem unfassbaren Verbrechen führt. Dieses Verbrechen wird die Geschichte der Stadt für immer verändern.

Erfurt 1998

Ein Foto von den laufenden Dreharbeiten zur neuen Staffel der MDR Historik-Serie "Die Geschichte Mitteldeutschlands" Folge "Der Schatz von Erfurt" am 21.03.2016 in Erfurt.
20.000 Menschen leben 1349 in Erfurt. Bildrechte: MDR/Andreas Lander

Bei Bauarbeiten machen Arbeiter einen spektakulären Fund: Mitten in der Stadt finden sie einen kostbareren Schatz aus dem Mittelalter. Ein Schatz, wie er nie zuvor in Deutschland entdeckt wurde. Dazu gehören mehr als 3.000 französische Silbermünzen, 14 Silberbarren und mehr als 700 weitere wertvolle Gegenstände - teure Broschen, einige Ringe, mittelalterliche Gürtelteile, zahlreicher Gewandbesatz und eine kleine, kunstvoll gearbeitete Dose. Unbestreitbares Highlight des Schatzes ist ein aufwendig gearbeiteter jüdischer Hochzeitsring. Das Grundstück, unter dem der Schatz gefunden wurde, gehörte im Jahr 1349 dem jüdischen Bankier Kalman von Wiehe.

Was steckt hinter dem Erfurter Schatz?

Geschichte Mitteldeutschlands erzählt die Geschichte hinter dem berühmten Erfurter Schatz. Es ist die Geschichte des 21. März 1349. Es ist eine Geschichte, die Erfurt für immer verändern wird. Es ist eine Geschichte von drei Männern - von denen nur einer die dramatischen Ereignisse überleben wird.

Bilder aus dem Film

Ein Foto von den laufenden Dreharbeiten zur neuen Staffel der MDR Historik-Serie "Die Geschichte Mitteldeutschlands" Folge "Der Schatz von Erfurt" am 21.03.2016 in Erfurt.
Diese Folge der Reihe "Geschichte Mitteldeutschlands" folgt der Spur dieses Schatzes und ins Jahr 1349, ins mittelalterliche Erfurt. Etwa 20.000 Menschen leben damals in der Handelsstadt - Christen und Juden weitgehend friedlich nebeneinander. Doch warum kommt es im März 1348 dann zu einem fürchterlichen Morden, bei dem an die 1000 Menschen sterben? Bildrechte: MDR/Andreas Lander
Ein Foto von den laufenden Dreharbeiten zur neuen Staffel der MDR Historik-Serie "Die Geschichte Mitteldeutschlands" Folge "Der Schatz von Erfurt" am 21.03.2016 in Erfurt.
Diese Folge der Reihe "Geschichte Mitteldeutschlands" folgt der Spur dieses Schatzes und ins Jahr 1349, ins mittelalterliche Erfurt. Etwa 20.000 Menschen leben damals in der Handelsstadt - Christen und Juden weitgehend friedlich nebeneinander. Doch warum kommt es im März 1348 dann zu einem fürchterlichen Morden, bei dem an die 1000 Menschen sterben? Bildrechte: MDR/Andreas Lander
Schauspieler Robert Viktor Minich in seiner Rolle als jüdischer Bankier und Geldverleiher Kalman von Wiehe.
So zeigen Steuerakten von 1348, dass der Jüdische Bankier Kalman von Wiehe (gespielt von Robert Viktor Minich) mitten in der Stadt wohnte, unmittelbar an der großen Handelsstraße. In dem Viertel lebten den Unterlagen zufolge Juden und Christen Tür an Tür, sind Teil der gehobenen Stadtgesellschaft. Doch 1349 ist Kalman von Wiehe beunruhigt - er vergräbt seine Wertsachen in einem Versteck im Erdboden. Doch warum? Bildrechte: MDR/Andreas Lander
Schauspieler Robert Viktor Minich in seiner Rolle als jüdischer Bankier und Geldverleiher Kalman von Wiehe.
Im mittelalterlichen Erfurt leben Juden nicht als Randgruppe der Gesellschaft in der Stadt, sondern sind ganz normaler Teil der (gehobenen) Gesellschaft. Sie dürfen zwar nicht alle Berufe ausüben, denn die Zünfte waren quasi christliche Körperschaften - wodurch Nichtchristen von Handwerksberufen ausgeschlossen waren. Ausnahme: Wer als Handwerker Produkte herstellte, die religiösen Reinheitsvorschriften entsprechen: Bildrechte: MDR/Andreas Lander
Robert Viktor Minich in seiner Rolle als Kalman von Wiehe.
Auch in Erfurt vergiften die Gerüchte die Beziehungen zwischen Christen und Juden. Bildrechte: MDR/Andreas Lander
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Robert Viktor Minich in seiner Rolle als Kalman von Wiehe.
Auch in Erfurt vergiften die Gerüchte die Beziehungen zwischen Christen und Juden. Bildrechte: MDR/Andreas Lander

Zuletzt aktualisiert: 07. August 2016, 19:11 Uhr