SERO Altstoffe
Jan und Tini auf Reisen. Die beiden zeigen 1971 im Kinderfernsehen der DDR, wie wichtig Altstoffe sammeln ist. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

SERO: Auf der Jagd nach Altstoffen

SERO Altstoffe
Jan und Tini auf Reisen. Die beiden zeigen 1971 im Kinderfernsehen der DDR, wie wichtig Altstoffe sammeln ist. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Altstoffesammeln! Vor allem für Kinder gehört das in der DDR zum Alltag. Nicht, weil sie kleine Öko-Löwen sind, sondern weil sich mit Altpapier, Flaschen, Gläsern, Lumpen, Plaste und Schrott das Taschengeld aufbessern lässt. Und auch für Solidaritätsspende und Klassenkasse kommt so das nötige Geld zusammen. Das Kinderfernsehen wirkt sanft unterstützend und zeigt mit verspieltem Puppentrick, welchen Weg der Müll nimmt, was daraus gemacht wird und wie viel Geld das Land auf diese Weise spart.

Geschichte

Wissen Sie es noch?

SERO zahlte nicht schlecht für Textilien, Papier, Plaste, Glas und Schrott. Wissen Sie noch, wofür man wie viel bekam?

Sero-Annahmestelle in Berlin
Den Ankauf von Sekunddärrohstoffen übernahm in der DDR das Kombinat für Sekundärrohstofferfassung, kurz SERO. Wissen Sie, wie viel Annahmestellen es im ganzen Lande gab? Bildrechte: IMAGO
Sekundärrohstoff-Annahmestelle - SERO - in Ost-Berlin
5.000? 10.000? Nein, es waren 17.000. Auf diese Weise sammelte SERO flächendeckend Papier, Pappe, Textilien, Glas, Plaste und Metalle ein. Bildrechte: IMAGO
Sero-Logo
Das war und ist das offizielle Logo von SERO. Aber es gab noch ein weiteres. Erinnern Sie sich? Nein? Dann klicken Sie das nächste Bild. Bildrechte: dpa
SERO Altstoffe
Im Kinderfernsehen der DDR wurden die Jüngsten über Sekunddärohstoffe aufgeklärt. Das erledigten "Jan und Tini" - ein Pendant zur "Sendung mit der Maus". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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... Papier und Pappe. Wissen Sie noch, wie viel man für ein Kilo Zeitungen bekam? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
SERO Altstoffe
Während man für grüne Flaschen nur 5 Pfennige bekam, verdiente man an bestimmten weißen Flaschen 20 Pfennige. Den Reibach machte man mit Gläsern ausgewiesener Sorten. Dafür gab es 30 Pfennige pro Stück. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Sero-Annahmestelle in Berlin
Den Ankauf von Sekunddärrohstoffen übernahm in der DDR das Kombinat für Sekundärrohstofferfassung, kurz SERO. Wissen Sie, wie viel Annahmestellen es im ganzen Lande gab? Bildrechte: IMAGO
Emmy, der nette Elefant, war und ist das beliebte Sammelsymbol von SERO.
Richtig! Emmy, der kleine Elefant, war und ist das vor allem bei Kindern beliebte Sammelsymbol von SERO. Bildrechte: dpa
SERO Altstoffe
Jan und Tini fragten ihre Zuschauer zum Beispiel: Wie viel Kilogramm Altpapier sparen so viel Strom, dass sieben Straßenlaternen eine ganze Nacht leuchten können? Na, wissen Sie es? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
SERO Altstoffe
Diesen Packen braucht es dazu. Und er wiegt ... Richtig: Zehn Kilogramm. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
SERO Altstoffe
Gesammelt und wiederverwertet wurden neben Lumpen ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
SERO Altstoffe
... Plaste und Metalle ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
SERO Altstoffe
Wer ein Paket mit Zeitungen, Zeitschriften und oder Wellpappe a 1 Kilo schnürte und dem Altstoffhändler auf die Waage packte, der bekam im Jahr 1985 30 Pfennige dafür. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
SERO Altstoffe
Mit Flaschen und Gläsern ließ sich gut verdienen. Was brachte mehr: grünes oder weißes Glas? Keine Ahnung? Dann verraten wir es Ihnen ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
SERO Altstoffe
Profis gaben sich jedoch nicht mit Papier, Glas und leeren Sprayflaschen ab. Denn das große Geld ließ sich mit Buntmetallen verdienen. Aluminium, Zink, Blei oder Kupfer: Was lohnte sich am meisten? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Mitarbeiter in der Sekundärrohstoff Aufbereitung in Liebenwalde
Ganz klar: Kupfer. Pro Kilo zahlte man 1985 in der DDR dafür 2 Mark 50. Blei und Aluminium brachten jeweils 1 Mark 80. Und auch Zink lohnte sich: Für das Kilo gab es 1 Mark 60.
(Über dieses Thema berichtete der MDR auch im Nachrichtenmagazin Exakt am 09.04.2014 | 20:15 Uhr.)
Bildrechte: IMAGO
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Rohstoffwiedergewinnung für ein armes Land

Geht es um Altstoffe, spricht man in der DDR nicht von Müll, sondern von Sekundärrohstoffen. Eine durchaus kluge Wortschöpfung, drückt sich in ihr doch sehr präzise aus, welchen Wert vieles von dem hat, was anderswo in den Mülltonnen landet.

SERO Altstoffe
Flächendeckende Abdeckung: SERO betreibt in der DDR landesweit 17.000 Annahmestellen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Kombinat für Sekundärrohstofferfassung, kurz SERO, überzieht die DDR mit einem flächendeckenden Netz von Annahmestellen. Rohstoffe und Devisen sind knapp, Wiederverwertung eine Überlebensstrategie für die Volkswirtschaft. Und das Sammeln lohnt sich. Bis zu 14 Prozent der Rohstoffe, die man teuer im Ausland kaufen muss, werden durch die intensive Wiederverwertung gespart. Ein kluges Konzept, das aufgeht und nebenher, wenn auch ganz ungewollt, Ressourcen und damit die Umwelt schont.

Ein System für ganz Deutschland?

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Recycling-Expertin Prof. Susanne Hartard analysiert 1990 SERO. Ihr Urteil: Ausgesprochen effizient! Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dass das Recyclingsystem in der DDR perfekt läuft, bleibt nach der Wende auch den politischen Entscheidungsträgern im Westen nicht verborgen. Man ist auf der Suche nach einer Lösung für das wachsende Müllproblem. Recycling-Expertin Prof. Susanne Hartard bekommt im Sommer 1990 von der Bundesregierung den Auftrag, das SERO-System zu untersuchen. Noch ist nicht ausgeschlossen, dass die gesamtdeutsche Lösung SERO heißt und aus dem Osten kommt. SERO erweist sich als ausgesprochen effizient. Fast die Hälfte des Hausmülls wird in den 17.000 Annahmestellen erfasst. Und dass er dort von Hand bereits vorsortiert wird, lässt sich durch keine Technik ersetzen.

Spekulationsobjekt SERO

SERO Altstoffe
Auch der damalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer äußert offen seine Sympathien für SERO. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch der damalige Umweltminister Klaus Töpfer bekennt offen seine Sympathien für SERO. Das System bricht jedoch langsam zusammen. Die Lager sind überfüllt. Die Recyclingbetriebe werden inzwischen viel billiger aus dem Westen beliefert und nehmen nichts mehr ab. Immer mehr Annahmestellen müssen schließen. SERO wird von der Treuhand privatisiert und geht sogar an die Börse.  Die Erfolgsstory der westdeutschen Manager beruht jedoch auf einem Kreditbetrug in dreistelliger Millionenhöhe und endet 1998 mit  Anklage und Verhaftung der Geschäftsführung. Wer jedoch glaubt, SERO sei damit Geschichte, der irrt.

Auferstanden aus Ruinen …

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Der neue SERO-Inhaber: Jens Fiedler aus Oranienburg Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

2007 kauft der damals 30-jährige Jens Fiedler gemeinsam mit seinem Vater das SERO-Logo und alle Rechte an der Firma. Er könnte tausende Annahmestellen eröffnen, Sortieranlagen und Recycling-Betriebe betreiben. Doch noch begnügt er sich mit ein paar Hundert Quadratmetern und einem Bauwagen: seiner SERO-Annahmestelle  in Oranienburg. Die Leute seien dankbar, dass es so etwas gibt, sagt Fiedler. Die bräuchten das alte Zeug nicht wegzuschmeißen und bekämen auch noch Geld bei ihm. Zwischen zwei und vier Tonnen Schrott und Papier bekommt der neue Chef von SERO jeden Tag auf seinen Platz geliefert. Und natürlich würde Jens Fiedler gern expandieren. Sein Traum ist es, das ganze alte SERO-System wieder aufleben zu lassen.

(voq)


Über dieses Thema berichtete der MDR auch im Nachrichtenmagazin Exakt: MDR | 09.04.2014 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. November 2017, 14:51 Uhr