Kriegszeiten

Bald nach dem Tod Luthers 1546 brach der Schmalkaldische Krieg (1546/47) aus. Die Truppen Kaiser Karls V. standen den im Schmalkaldischen Bund vereinigten protestantischen Fürsten und Reichsstädten gegenüber. Die Schlacht bei Mühlberg an der Elbe brachte die Entscheidung. Kurfürst Johann Friedrich, das "Haupt des Protestantismus", wurde gefangengenommen und verlor die Kurwürde an seinen Kontrahenten Moritz von Sachsen. Die Wittenberger Kapitulation von 1547 besiegelte das Ende Wittenbergs als kurfürstliche Residenz. Johann Friedrichs albertinischer Vetter Moritz regierte das Wittenberger Land vom weit entfernten Dresden aus. Von den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges blieb Wittenberg weitgehend verschont. Im Siebenjährigen Krieg nahm die Stadt hingegen erheblichen Schaden. Im August 1756 hatten die Preußen die Stadt besetzt und sie beinahe die gesamte Kriegszeit über gehalten. Der Beschießung durch die Reichsarmee, die den Ort von preußischer Besetzung befreien wollte, fiel ein Drittel der Stadt zum Opfer. Bei diesem Angriff verbrannte auch die Tür der Schlosskirche, an die Luther seine 95 Thesen angeschlagen haben soll.

In den Befreiungskriegen (1813-1815) wurde die Stadt erneut belagert und zum Teil schwer beschädigt. Weil Sachsen sich mit Napoleon verbündet hatte, mußte es nach den Beschlüssen des Wiener Kongresses seine nördlichen Landesteile an Preußen abtreten. Damit wurde Wittenberg Teil der preußischen Provinz Sachsen und dem neu geschaffenen Regierungsbezirk Merseburg zugeordnet. Die Stadt entwickelte sich zunehmend zu einer preußischen Garnisonsstadt. Das streng reglementierte Leben behinderte lange Zeit Wittenbergs wirtschaftliche Entwicklung. Erst der Befehl zur Entfestigung der Stadt 1875 ermöglichte ihre allmähliche Industrialisierung. In der Region siedelten sich verschiedenste Industrien an. Im Vorort Priesteritz entstand 1915 ein Stickstoffwerk, das später zum größten Arbeitgeber der Region wurde.

Seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts setzte verstärkt eine Aufarbeitung des reformatorischen Erbes ein. Auf dem ersten evangelischen Kirchentag 1848 rief Johann Hinrich Wichern in der Schlosskirche zur Gründung der Inneren Mission auf. Die Gründung der Luthergesellschaft 1918 und des Deutschen Evangelischen Kirchenbundes 1922 machen die Rückbesinnung auf das Werk des Reformators deutlich. Seit 1922 trägt die Stadt den Doppelnamen "Lutherstadt Wittenberg". Als der Wittenberger Pfarrer Friedrich Schorlemmer 1983 im Hof des historischen Lutherhauses ein Schwert zu einer Pflugschar umschmieden ließ, ging von Wittenberg erneut eine bedeutende Bewegung aus. Die Friedensbewegung unter dem Motto "Schwerter zu Pflugscharen" stieß vor allem bei der Jugend der DDR auf Resonanz. Im Jahr vor der Wende trafen sich auch in den Wittenberger Kirchen die Bürger zu Friedensgebeten.

Heute setzt die Lutherstadt vor allem auf den Tourismus. Denn die geschichtsträchtige Vergangenheit Wittenbergs zieht Kulturinteressierte und Christen aus aller Welt in die Stadt - so wie aktuell zur Landesausstellung über Lucas Cranach den Jüngeren im neu sanierten Augusteum.

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2015, 14:10 Uhr