Interview mit dem früheren Model Anja Kossiwakis "Einfach hübsch und natürlich musste man sein"

Anja Kossiwakis aus Dessau, in der DDR ein gefragtes Fotomodell, ist heute unterwegs auf den "Fashion Weeks" in Mailand, London, Paris und Berlin - allerdings nicht auf dem Laufsteg, sondern hinter der Kamera als Fotografin und als Journalistin. Seit 2013 schreibt das einstige Ost-Mannequin einen eigenen Modeblog.

Anja Kossiwakis, EX-DDR-Foto-Model
Anja Kossiwakis Bildrechte: Anja Kossiwakis/Verlag für die Frau Leipzig

Drei Mal schaffte es Anja Kossiwakis (Jahrgang 1968) auf die Titelseite der DDR-Strickzeitschrift "Modische Maschen" und war eines der bekanntesten Foto-Models der DDR. Als 16-Jährige hatte sich die Dessauerin 1985 als Fotomodel beworben - und wurde prompt zu Probeaufnahmen eingeladen. Nach dem Mauerfall zog sie nach Wiesbaden, mit dem Nebenjob Mannequin war es dann vorbei. Seit 2013 fotografiert und berichtet die gelernte Bankbetriebswirtin in "Anjas Lookbook" über Fashion, Beauty und Stars. Wir haben Sie zu Ihren Erfahrungen in der DDR-Modewelt befragt.

Wenn Sie die Modewelt heute erleben, wären Sie dann gerne noch mal Model?

Anja Kossiwakis: Das ist was ganz anderes als in der DDR, das kann man nicht vergleichen. Bei uns gab es ja diesem Moderummel gar nicht. Das war alles sehr improvisiert. Damals haben die meisten Frauen das ja nebenbei gemacht, die standen ganz normal im Berufsleben und sind zwischendurch zum Fotoshooting gefahren. Diesen Hype um die Models gab es nicht. Heutzutage sind ja die Models die eigentlichen Superstars.
Damals haben Fotografen wie Günter Rössler für ein Motiv ein oder zwei Filme gebraucht und heute werden Tausende von Bildern gemacht, und das Ergebnis ist auch nicht viel besser. Wenn ich mir heute die Bilder von damals anschaue, bin ich immer wieder beeindruckt, dass mit so wenig Aufwand so schöne Fotos entstanden sind.

Wie lief damals bei Ihnen ein Fotoshooting ab?

Ich arbeitete in Dessau in der Sparkasse, und mittwochs war immer der kurze Tag, da hatte ich schon um 12  Uhr Schluss. Dann hab ich mich in den Zug nach Leipzig gesetzt und irgendwo in Leipzig wurden dann die Fotos gemacht. Ich bin auch gar nicht geschminkt worden, auch mit den Haaren wurde nichts gemacht. Das einzige war, dass sie mich abgepudert haben, damit ich nicht glänze. Der Fotograf - das war oft Günter Rössler, mit dem habe ich viel gearbeitet - und die Redakteurin vom Verlag für die Frau haben gesagt, du siehst so natürlich aus. Einmal haben sie mich auf die Abraumhalde in Bitterfeld gestellt, die Fotos gemacht und dann habe ich mich nach einer Stunde wieder in Zug gesetzt und bin nach Hause gefahren.

Wie musste man aussehen, um in der DDR Fotomodel zu werden?

Man brauchte eine gewisse Größe, musste fotogen und einfach hübsch und natürlich sein, das war relativ entspannt. Im Westen wurde mehr Aufwand betrieben und die Models waren vielleicht noch schlanker, man hat dort mehr auf die Maße geachtet.
Heute werden die Mädchen werden stundenlang geschminkt und gestylt. Die erkennt man ja teilweise nicht wieder. Und in der DDR ist man eigentlich so fotografiert wurden, wie man war. Das Wichtigste war damals die Natürlichkeit und das Ungekünstelte.  

Wie wurden Sie entdeckt?

In einem kleinen Geschäft in Dessau hing ein kleiner Aushang, dass der "Verlag für die Frau" Models sucht. Und da habe ich mich beworben und wurde zu Probeaufnahmen eingeladen.

War Modeln ein lukrativer Nebenverdienst?

Nee, gelohnt hat sich das nicht. Ich hab neulich noch die Abrechnungen gefunden, für ein Titelfoto gab es 35  Mark. Das war einfach der Spaß an der Sache.

Hat Ihnen die Mode, die sie damals als Mannequin präsentiert haben, gefallen?

Das war unterschiedlich, manche Sachen waren schön und bei manchen Sachen, war ich froh, dass ich sie wieder ausziehen konnte. Die hätte ich privat nie angezogen. Dieses Safari-Shooting in Bitterfeld, das waren wirklich schöne Sachen. Das könnte man heute noch anziehen, das war zeitlos schön.

Mode interessiert Sie aber bis heute?

Nach der Wende wollte ich unbedingt mal zur Berliner Fashion-Week, ich wollte einmal erleben, wie die professionelle Modewelt funktioniert. Ich habe meine alten Fotos von den "Modischen Maschen" an einen Designer geschickt und ihm erklärt, dass ich in der DDR gemodelt habe und gerne mal so eine Fashion-Show während der Fashion-Week besuchen würde. Ich bekam die Einladung und habe immer Leute kennengelernt und immer mehr Einladungen bekommen. Aus Spaß habe ich fotografiert und so hat sich das ganz langsam entwickelt. Und seit Februar 2013 habe ich meinen eigenen Modeblog.