Louis Armstrong im DDR-Fernsehen "Die Mauer interessiert mich nicht"

Am 20. März 1965 war Louis Armstrong, aus Prag kommend, auf dem Flughafen Schönefeld gelandet. Gleich nach seiner Ankunft gab er im Hotel "Berolina" eine internationale Pressekonferenz. Sehen Sie hier Ausschnitte.

"Ich spiele für alle"

Louis Armstrong hatte sichtlich gute Laune bei der Pressekonferenz: Er scherzte und lachte dröhnend. Dabei rauchte er unablässig und stieß, wild gestikulierend, das Wasserglas um. Ob er denn aktiv an der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung teilnähme, wollte ein DDR-Journalist wissen. Als "Kämpfer gegen Rassismus" war der "King of Jazz" schließlich in die DDR eingeladen worden. "Ich spiele Musik für alle, ob weiß, ob schwarz", antwortete Armstrong.

Ich bin nur ein Trompeter …

Louis Armstrong war sowohl auf der internationalen Pressekonferenz als auch während seiner gesamten DDR-Tournee bemüht, sich als einen an Politik völlig desinteressierten Musiker zu präsentieren. "Ich bin nur ein Trompeter und Sänger", sagte er stets und grinste. In New York habe er einen Manager, der würde ihm immer sagen, wo und wann er aufzutreten habe. Dann würde er dorthin fahren. Im Grunde sei er also lediglich ein kleiner künstlerischer Angestellter.     

"Bullshit"

Ob er denn die Berliner Mauer gesehen habe, wollte ein bundesdeutscher Journalist von Armstrong wissen. Für einen Moment herrschte eisiges Schweigen im Raum. Dann sagte Armstrong in die Stille hinein: Ja, er habe sie gesehen, aber sie interessiere ihn nicht. Ihn interessiere nur sein Publikum. Und er ließ ein Wort fallen, das der Generaldirektor der Künstleragentur der DDR, Ernst Zielke, der die Pressekonferenz leitete, keineswegs in den Mund nehmen wollte …

Armstrong würde auch für Pinguine spielen

Die Frage nach der Berliner Mauer rief Armstrongs Roadmanager Frenchy, der einst Chauffeur des Mafiabosses Al Capone gewesen sein soll, auf den Plan. Frenchy, der unter den Journalisten saß und den die fest installierte Kamera nicht im Blick hatte, erklärte gallig, dass Armstrong in allen Staaten der Welt auftrete. "Wenn es sein muss, spielt Herr Armstrong auch für die Eskimos am Nordpol oder für die Pinguine am Südpol." Armstrong nickte ernst und amüsierte sich beim letzten Satz mit den Pinguinen prächtig …

Zuletzt aktualisiert: 04. Januar 2016, 18:35 Uhr