NVA Ende
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Das Ende der NVA

Jahrzehntelang hatten sich Nationale Volksarmee und Bundeswehr "an der Nahtstelle der Systeme" gegenübergestanden. Am 3. Oktober 1990 wurde die NVA offiziell in die Bundeswehr integriert.

NVA Ende
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Am 3. Oktober 1990 geschah etwas noch nie Dagewesenes: Aus zwei Armeen - Bundeswehr und NVA -, die sich über Jahrzehnte in Feindschaft verbunden gewesen waren, wurde eine Streitkraft. An diesem Tag übergab Rainer Eppelmann, Minister für Abrüstung und Verteidigung der DDR, seinem Amtskollegen Gerhard Stoltenberg offiziell die Nationale Volksarmee. In allen Kasernen Ostdeutschlands gelobten NVA-Soldaten und Offiziere, fortan der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und Recht und Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.

"Durchbruch im Kaukasus"

Die Bündniszugehörigkeit des vereinigten Deutschland war eine der umstrittensten Fragen auf dem Weg zur Deutschen Einheit gewesen. Sowohl die westlichen Siegermächte USA, England und Frankreich, als auch die Bundesrepublik bestanden kategorisch auf einer vollen Mitgliedschaft Deutschlands im westlichen Verteidigungsbündnis. Der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow hatte dies stets ebenso vehement abgelehnt. Der "Durchbruch", so Bundeskanzler Helmut Kohl, gelang am 16. Juli 1990 "im Kaukasus": Für Kohl völlig überraschend stimmte Gorbatschow plötzlich einer Nato-Mitgliedschaft des vereinigten Deutschland zu.

Nur 50.000 Soldaten im Osten

Knapp zwei Monate nach dem Treffen im Kaukasus, am 12. September 1990, wurde von den Außenministern der vier Siegermächte, der Bundesrepublik und der DDR im Rahmen der "Zwei-plus-vier-Gespräche" der endgültige "Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland" unterzeichnet. Der Vertrag legte eine Obergrenze von 370.000 Soldaten für die gesamtdeutschen Streitkräfte fest. Im Westen sollten höchstens 320.000, im Osten 50.000 Soldaten stationiert sein. Die übergroße Mehrheit der etwa 155.000 NVA-Soldaten würde also entlassen werden. Lediglich 6.000 Offizieren, 11.200 Unteroffizieren und 800 Mannschaften konnte eine Weiterbeschäftigung in der Bundeswehr in Aussicht gestellt werden - allerdings nur in einer zweijährigen Probezeit.

Austritt aus dem "Warschauer Vertrag"

Bevor die NVA in der Bundeswehr aufgehen konnte, musste sie allerdings aus dem "Warschauer Vertrag", dem sie 1955 beigetreten war, entlassen worden sein. Bereits ab Juli 1990 hatte es Verhandlungen zwischen der NVA und dem Oberkommando des östlichen Verteidigungsbündnisses gegeben, in denen schließlich ein Grundsatzpapier "zur Beendigung der DDR-Mitgliedschaft im Warschauer Vertrag" erarbeitet worden war. Am 24. September 1990 unterzeichneten Rainer Eppelmann und der Oberkommandierende der Vereinten Streitkräfte, Pjotr Luschew, in Ost-Berlin das Papier. Darin war festgeschrieben, dass die NVA mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik aus dem "Warschauer Vertrag" ausscheidet und es keine gegenseitigen Forderungen mehr gibt. Überdies wurde bestimmt, dass "sensibles" Waffengerät, wie Raketenabwehrsysteme sowie Geheimcodes und Radargeräte umgehend der UdSSR übergeben und vertrauliche Dokumente vernichtet werden müssen.

"Sachlich und kühl"

Auch wenn DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière bei einem Empfang der Delegation des Oberkommandierenden des Warschauer Vertrags anerkennende Worte für das Wirken des östlichen Militärbündnisses gefunden und den Anteil der UdSSR am Prozess der deutschen Einheit gewürdigt hatte – die Atmosphäre zwischen den einstigen Verbündeten bei der Unterzeichnung des Abkommens war, wie Presseagenturen übereinstimmend berichteten, "sachlich und kühl". Der Übernahme der NVA durch die Bundeswehr stand nun aber nichts mehr im Weg.

Militärisches Gerät der NVA wird verschenkt

Manövergelände, Kasernen samt Mobiliar sowie das gesamte Kriegsgerät der NVA gingen am 3. Oktober 1990 in den Besitz der Bundeswehr über. Die meisten Militärstandorte wurden schrittweise abgewickelt und geschlossen. Die militärische Ausrüstung wurde entweder von der Bundeswehr weiterverwendet oder verschrottet. Ein Teil des militärischen Geräts ging als Geschenk an andere Staaten: die Türkei erhielt Schützenpanzer, Schweden Pionierfahrzeuge, Griechenland Luftabwehrsysteme und Indonesien bekam einige Kriegsschiffe der DDR-Marine. Die USA interessierten sich für die gesamte Ausrüstung der NVA – und so wurde von allen Waffen und Fahrzeugen wenigstens ein Exemplar auf die Reise über den Atlantik geschickt.

Buchtipp: Klaus-Ulrich Keubke, Manfred Kunz: Militärische Uniformen in der DDR 1949-1990 Gebundene Ausgabe: 240 Seiten; Verlag E.S. Mittler & Sohn GmbH; Auflage: 3. (10. August 2009); ISBN-10: 3813209156; Preis: EUR 9,95

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Der Osten - Entdecke, wo du lebst: Die verschwundene Armee | 01.03.2016 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Mai 2017, 10:05 Uhr