Udo Lindenberg und Thomas Franke
Bildrechte: Thomas Franke/MDR

Lindenberg 1988 in Ungarn Die Story vom Udo-Konzert in Budapest

Beim Balaton-Urlaub erfährt der 22-jährige Thomas Franke aus Sachsen zufällig von einem Udo-Lindenberg-Konzert in Budapest. Er macht sich auf in die Hauptstadt und darf Udo sogar auf der Bühne fotografieren.

von Thomas Franke

Udo Lindenberg und Thomas Franke
Bildrechte: Thomas Franke/MDR

Ich war damals 22 Jahre alt und mit den Eltern am Balaton im Urlaub. Eines Morgens kam im Radio die Meldung (es gab damals ein deutsches Urlaubsradio), dass Udo Lindenberg in Budapest ein Konzert für seine wahren Fans gibt. Als ich das hörte, stand für mich fest, dass ich dahin muss. So startete ich meinen Trip in die Hauptstadt.

Es war schwierig zu erfahren, wo das Konzert stattfindet, da es die Ungarn überhaupt nicht interessierte, dass da Udo Lindenberg spielte. Aber in der Stadtinformation half man mir weiter. Einige hundert Fans warteten bereits, und es wurden immer mehr. Wir hatten dann das Glück, den Soundcheck am Zaun mitzuverfolgen. Dann ging der Kartenverkauf und damit das bange Warten los: Kriege ich eine Karte und darf ich Fotos machen?

Ein Eis öffnet "Türen"

Vor dem Konzert konnte man sich ein Eis kaufen, und auch da bildete sich eine Schlange. Da kam ein Junge, etwa zwölf bis 14 Jahre alt, und bat mich, ihm ein Eis mitzubringen. Ich wunderte mich, als er mir Westgeld gab und sagte, dass Udo sein Onkel sei. Ich war platt.

Dann ging das Konzert los und ich mit meiner Beirette (DDR-Kleinbildkamera - Anm. d. Red.) mit Extra-Blitz habe mich dann vor zur Bühne geschlängelt. Da war ich auch schon hinter der Absperrung. Was so ein Eis doch alles bewirken kann! Doch viele dachten, ich wäre ein Wessi. Aber dann erkannten sie meine DDR-Kamera und fragten mich, ob ich ihnen Abzüge schicken kann. Doch da hätte ich Dutzende Adressen aufschreiben müssen, aber ich - als Mann von Welt - hatte Visitenkarten. Diese verteilte ich, ohne mir eine "Platte" zu machen, man riss mir die Karten auch so aus der Hand. Sie wollten mir alle schreiben.

Aus dem privaten Fotoalbum von Thomas Franke Beim Udo-Lindenberg-Konzert 1988 in Budapest

Zufällig bekommt der 22-jährige Thomas Franke beim Urlaub am Balaton Wind von einem Udo-Lindenberg-Konzert in Budapest. Er schnappt seine Beirette-Kamera und darf Udo sogar aus nächster Nähe fotografieren.

Udo Lindenberg; Konzert Budapest 1988
Seite aus dem Fotoalbum von Thomas Franke zum Udo-Lindenberg-Konzert 1988 in Budapest Bildrechte: Thomas Franke
Udo Lindenberg; Konzert Budapest 1988
Seite aus dem Fotoalbum von Thomas Franke zum Udo-Lindenberg-Konzert 1988 in Budapest Bildrechte: Thomas Franke
Thomas Franke vor einer Plakatwand in Budapest
Thomas Franke vor einem Udo-Lindenberg-Plakat in Budapest Bildrechte: Thomas Franke
Seite aus dem Fotoalbum von Thomas Franke zu Udo-Lindenberg-Konzert 1988 in Budapest
Seite aus dem Fotoalbum von Thomas Franke zum Udo-Lindenberg-Konzert 1988 in Budapest Bildrechte: Thomas Franke
Seite aus dem Fotoalbum von Thomas Franke zu Udo-Lindenberg-Konzert 1988 in Budapest
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Seite aus dem Fotoalbum von Thomas Franke zu Udo-Lindenberg-Konzert 1988 in Budapest
Seite aus dem Fotoalbum von Thomas Franke zum Udo-Lindenberg-Konzert 1988 in Budapest Bildrechte: Thomas Franke
Seite aus dem Fotoalbum von Thomas Franke zu Udo-Lindenberg-Konzert 1988 in Budapest
Seite aus dem Fotoalbum von Thomas Franke zum Udo-Lindenberg-Konzert 1988 in Budapest Bildrechte: Thomas Franke
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Udo spielte Hits wie "Mädchen aus Ostberlin", aber auch "In 15 Minuten sind die Russen auf dem Kurfürstendamm" oder "Sonderzug nach Pankow" und viele weitere Songs. Den Abschluss machte "Good Bye Jonny" und wir sangen dann "Udo und die Show sollte niemals enden." Nach dem Konzert gab's Autogramme und ich bekam von dem Jungen mit dem Eis sein Udo-T-Shirt geschenkt. Das halte ich heute noch in Ehren.

Mit Udo auf ein Bier im Hilton

Es war eine geile Show. Nach dem Konzert fragte ich Udos Busfahrer, ob er mich ins Zentrum mitnehmen kann. Da sagte Udo: "Komm, steig ein! Ich fuhr mit bis zum Hilton-Hotel, wo Udo uns einlud, noch was zu trinken. Ich war fix und fertig, total im Glücksrausch. Ich dachte, das kann doch alles nur ein Traum sein. Udo ging dann auf sein Zimmer und ich bestellte mir noch ein Bier. Es war das teuerste Bier, das ich je getrunken hatte. Ich bezahlte 300 Forint, also etwa 40 Ost-Mark, der Kurs lag damals bei 1 zu 7. Aber das war mir egal, ich war noch berauscht und glücklich.

Dann ging ich zum Bahnhof, wo ich noch drei Stunden bis zur Abfahrt an den Balaton warten musste. Ich hatte Angst, dass man mir meine Kamera klaut oder mein T-Shirt oder gar meine Filme, die ich gemacht hatte. Am Balaton musste ich dann alles meinen Eltern und Bekannten berichten. Der Urlaub ging zu Ende, die Heimfahrt mit dem Zug stand an. Der Zoll und auch Grenzer kontrollierten mich, aber sie fanden nichts, da meine Eltern die Filme hatten. Ich arbeitete damals in der Mikroelektronik und war demzufolge Geheimnisträger, also prinzipiell verdächtig.

Meine Schwarz-Weiß-Filme hat damals ein Freund entwickelt, der ein Geschäft hatte. Meine Farbfilme habe ich einem anderen Freund gegeben, der in einem Großlabor arbeitete. Unter der Hand ging das Entwickeln der Filme nämlich viel schneller, sonst dauerte es fast ein halbes Jahr.

Doch dann waren meine Filme auf einmal weg. Da bin ich rotzfrech in unsere Stasi-Zentrale in Gotha gegangen und habe vorgesprochen. Sie hätten keine Filme von mir und sagten "Auf Wiedersehen, Bürger Franke!". Woher die meinen Namen kannten, ist mir schleierhaft. Ich hatte mich doch gar nicht vorgestellt!

Nach zwei Wochen waren meine Filme plötzlich wieder da. In der Zwischenzeit war reichlich Post bei mir angekommen, weil meine Adresse weitergegeben worden war. Ich machte mich an das Verschicken der Fotos. Dann wurde auch meine Post geöffnet oder kam nicht an.

So, das ist meine Geschichte, die sich 1988 in Budapest zugetragen hat. Noch heute glaubt man mir das nicht. Aber wenn ich dann die Fotos zeige, wird gestaunt.

Zuletzt aktualisiert: 27. Mai 2011, 11:18 Uhr