1. Juli '90 | Teil 1/3 Die deutsch-deutsche Währungsunion

Ab 0 Uhr in der Nacht öffnen Banken und Sparkassen, um den DDR-Bürgern die ersten Westmark auszuzahlen. Als es endlich soweit ist, stürmen tausende Menschen die Schalter. Die ersten Auszahlungen sind auf maximal 2.000 DM begrenzt.

Mit dem Tag der Währungsunion - dem 1. Juli 1990 - konnten DDR-Bürger ihr Bargeld und ihre Spareinlagen von Ostmark in D-Mark umtauschen. Doch bevor sich die ersten Geldtransporte der Bundesbank aus Frankfurt am Main auf den Weg gen Osten machten, erkundeten Bedienstete des Geldinstituts die Tresorsituation in der DDR. Immerhin galt es, ca. 460 Tonnen Geldscheine im Wert von 27,5 Milliarden D-Mark so auf die DDR zu verteilen, dass die neue Währung mit dem Stichtag 1. Juli in allen Bezirken vorrätig war.

Volkspolizist 3 min
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Zu ihrem Erstaunen fanden die Bundesbanker in den Tresoren und Bunkern der DDR tonnenweise Altgeld, das nie ausgegeben worden war. Die Geldsäcke wurden anschließend in einen leeren Sandsteinstollen in der Nähe von Halberstadt gebracht. Das DDR-Münzgeld wurde größtenteils eingeschmolzen, daraus wurden dann Aluminiumbarren für die Autoindustrie. Erst als genügend Platz in den Tresoren war, rollten die Transporte mit der begehrten D-Mark in den Osten.

Zur gleichen Zeit bereiteten sich auch bundesdeutsche Großbanken auf die Währungsunion vor, indem sie überall in der DDR eigene Niederlassungen gründeten. Oft waren das einfache Container, die auf Marktplätzen platziert wurden, um erste Kunden zu gewinnen. Da man aber von Seiten der Bundesbank und der DDR-Regierung mit einem Massenansturm auf die Bankschalter rechnete, richtete man vielerorts auch in Schulen, Betrieben und Volkspolizeidienststellen Auszahlungsschalter ein.

Die D-Mark kommt

Menschen stehen am Sparkassenschalter 5 min
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Berlin, Alexanderplatz: Gegen Mitternacht drängten sich vor den Türen der erst vor kurzem eröffneten Filiale der Deutschen Bank erwartungsvoll um die 10.000 Menschen. Sie wollten am 1. Juli 1990 als erste DDR-Bürger die begehrte D-Mark in den Händen halten. Wer das neue Geld ausgezahlt bekommen wollte, musste in den Wochen zuvor einen Antrag auf Umstellung des Kontos von DDR-Mark auf D-Mark stellen. Zugleich konnte er dann sogenannte Auszahlungsquittungen bei den Banken erhalten, die aber nur bis zum 6. Juli 1990 gültig waren. Diese Auszahlungsquittungen berechtigten zur Auszahlung von 2.000 D-Mark pro Person. Damit sollte vermieden werden, dass beim erwarteten ersten Ansturm auf die Banken nicht genügend Bargeld vorhanden ist. Ab der zweiten Woche sollte der Zahlungsverkehr dann wieder ohne Begrenzungen bei den Auszahlungen laufen.

Das Ende der DDR-Mark

Nach der Währungsunion wurden in der DDR insgesamt 100 Milliarden Ost-Mark eingesammelt. Die Scheine wanderten erst in den Tresor der ehemaligen Reichsbank in Berlin und dann ebenfalls in die zwei Sandsteinstollen bei Halberstadt. Unter einer Kiesschicht sollten sie dort dank der großen Feuchtigkeit im Stollen schnell verrotten. Ein Trugschluss: 1999 fanden Jugendliche einen unverbauten Zugang zum Stollen und entwendeten zahlreiche Geldscheine. Als die Sache bekannt wurde, entschloss sich die Kreditanstalt für Wiederaufbau, das Geld doch noch zu vernichten. In insgesamt 298 Containern wurden die Scheine zur Verbrennung ins Kohlekraftwerk Buschhaus bei Hannover gebracht.