Bulgarien Strand
Bildrechte: Conrad Weigert

Eine bulgarische Reiseleiterin erzählt Geizige Urlauber am Goldstrand

Die bulgarische Germanistik-Studentin Dimka Timowa jobbt in ihren Ferien als Reiseleiterin am "Goldstrand". Welchen Eindruck hinterlassen die deutschen Urlauber bei ihr?

Bulgarien Strand
Bildrechte: Conrad Weigert

Ich begleite beispielsweise jeden Tag deutsche Touristen vom 'Goldstrand' bis zum Flughafen nach Warna. Heute haben die Leute im Bus mir von ferne schon gesagt: 'Wir haben kein Geld mehr.' Ich sagte: 'Das ist kein Problem.' Aber sie haben mir gesagt: 'Wir müssen den Gepäckträger vielleicht bezahlen...' Ich habe gesagt: 'Ja, für gewöhnlich gibt man den Gepäckträgern Trinkgeld, aber wenn Sie kein Geld mehr haben, dann müssen Sie ihnen natürlich nichts geben.' Und sie haben gesagt: 'Ist das ein Problem?' Ich antwortete: 'Für mich nicht.'

Wir haben kein Geld mehr!

Aber so ist das immer: Alle Gäste, die ich zum Flughafen begleite, sagen immer dasselbe: 'Wir haben kein Geld mehr.' Sie haben vielleicht alles vergeudet, am "Goldstrand" ist es ein bisschen teuer. Aber ohne Geld nach Deutschland zurück zu fahren, das ist doch ein bisschen unglaubwürdig, oder? Eine deutsche Frau hat mir erzählt, dass sie als Putzfrau arbeitet, sie hat sich ein bisschen geschämt, als sie mir das erzählt hat. Das ist vielleicht keine gut bezahlte Arbeit in Deutschland. Also sie hat mir gesagt: 'Ich arbeite nichts Interessantes.' Ich hab gefragt: 'Was denn?' – 'Na', sagte sie, 'ich bin Putzfrau, ich helfe bei einer Familie.' Aber hier sind alle Deutschen immer sehr anspruchsvoll und verlangen viel. Aber wenn sie dann bezahlen müssen, wenn sie das Wort 'Geld' hören, dann gucken sie immer aus dem Fenster.

Die Deutschen sind sehr sparsam

Die deutschen Urlauber sind sehr sparsam, sie sind sogar ein bisschen geizig, kann ich sagen. Die meisten von ihnen sind arm, sind vielleicht sogar arbeitslos oder arbeiten in schlecht bezahlten Berufen. Doch hier in Bulgarien, führen sie sich wie die Herren auf. Sie können sich hier fast alles leisten, weil es nicht so teuer ist wie in Deutschland. Ein Deutscher hat mir letztlich erzählt, dass er hier in zweieinhalb Wochen mit 300 Mark auskommen will und vielleicht auch muss.

120 Mark im Monat für die bulgarische Reiseleiterin

Ich selbst arbeite sechs Tage in der Woche und verdiene 120 Mark im Monat. Davon muss ich das Zimmer im Wohnheim bezahlen und das Essen. Im Herbst werde ich in Deutschland sein, ich habe ein Stipendium bekommen, in Marburg. Das ist eine schöne Stadt, ich war im vorigen Sommer schon einmal dort. Ich wollte eigentlich ein bisschen Geld sparen für meine Fahrt nach Deutschland, aber daraus wird nichts, leider: Für Unterkunft und Essen geht alles drauf. Unsere Chefs sagen: 'Du bekommst doch viel Trinkgeld... Wenn's so wäre: Insgesamt habe ich zwanzig Mark Trinkgeld von den deutschen Touristen in zwei Monaten bekommen. Sie haben ja alle kein Geld mehr…

(Der Text basiert auf einem Interview mit Dimka Timowa, geführt im September 2000 im "Hotel Pliska" am Goldstrand.)

Zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2010, 09:06 Uhr