Urlaubs-Spezial - Wo der Osten Urlaub machte: Harz Vorgestellt: Brocken-Benno

5742 Besteigungen zählte die Statistik am 26. Juni 2009. "Verrückt!", sagen die einen, "Erstaunlich!" die anderen. Und Brocken-Benno selbst zitiert auf seiner Website den Kabarettisten Uwe Steimle: "Wir brauchen viel mehr Leute mit einer Macke. Alles, was verrückt ist oder fern der Norm, ist ein Stück Kultur und bereichert unser Leben."

Das Wandern ist des Schmidtchens Lust

Seit dem der Brocken wieder frei zugänglich ist, spult Benno Schmidt fast täglich sein Programm ab. Und das heißt: Besteigung des Brockens. Meistens nimmt er die früheste Bahn nach Schierke und läuft von dort aus los, gern geht er aber auch die Wege von Ilsenburg, Bad Harzburg oder seiner Heimatstadt Wernigerode. Insgesamt hat er auf diese Weise schon mehr als 77.000 Kilometer Strecke erwandert. Knapp 30 Jahre lang konnte Herr Schmidt den Brocken nur von fern sehen.

Der Berg hinter Stacheldraht

Vom 13. August 1961 bis zum 3. Dezember 1989 war der Brocken Sperrgebiet. Sowjettruppen und NVA waren hinter Mauer und Stacheldraht verschanzt, die Stasi unterhielt Abhörstationen und lieferte sich Lauschduelle mit dem Gegner drüben, auf dem Wurmberg. Nach der Maueröffnung in Berlin am 9. November 1989 rief das "Neue Forum" zu einer Sternwanderung auf den Brocken auf – am 3. Dezember schließlich wurde bekannt, dass die Brockenstraße wieder zugänglich sei. 3.000 Menschen sollen vor dem Zaun gestanden haben. Sie riefen "Aufmachen, aufmachen!" - und gegen 12:45 Uhr öffnete ein Soldat der Grenztruppen tatsächlich einen Spalt breit das Tor. Im Jubel erstürmte die Menschenmenge den Gipfel – der "deutscheste aller Berge" wurde so zu einem Symbol der deutschen Einheit.

Rekorde, Rekorde

Für Brocken-Benno sei das einer der schönsten Tage im Leben gewesen, sagt er. Gesungen und getanzt hätten sie, freie Bürger auf einem freien Brocken. Und fortan lief der Wanderfreund täglich auf den Brocken. Nicht einmal der Orkan Kyrill konnte ihn abhalten, und um den 5000. Aufstieg genau an seinem 75. Geburtstag im Mai 2007 zu feiern, lief er häufig sogar zweimal am Tag auf den Gipfel. Das nächste große Ziel des mehr als rüstigen Rentners: Seinen 80. Geburtstag will er mit der 6.000 Besteigung – im wörtlichen Sinn begehen.