Seebrücke und Strand im Ostseebad Ahlbeck.
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Usedom "Die Perle der Ostsee"

Usedom war schon in Vorkriegszeiten ein beliebter Erholungsort: Strandpromenaden, Seebrücken, prächtige Hotels in herrschaftlichen Villen, kilometerlange Sandstrände, wunderschöne Orte. Der Krieg brachte in seiner Folge die Teilung der Insel: Der östliche Teil mit dem schwer zerstörten Swinemünde ging an Polen, der westliche an die DDR.

Seebrücke und Strand im Ostseebad Ahlbeck.
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Als die Betriebe sich selber auf die Suche nach geeigneten Ferienplätzen machten, rückte auch die Insel Usedom schnell ins Blickfeld.

Es mussten nicht immer Plätze mit Strandblick sein, auch im Hinterland wurden die Feriendienste fündig. Aber wie konnte man die Gemeinden überreden, den wertvollen Platz zur Verfügung zu stellen? Dietrich Gildenhaar, Regionalhistoriker, schildert wie das oft ablief: "Die haben den Bürgermeistern vorgeschlagen: 'Also wir erbringen die und die materielle Leistung für die Gemeinde und dafür gibst du uns einen Standort, wo wir unser Betriebsferienlager bauen können.' Diese Methode entwickelt sich Ende der Siebzigerjahre als gängige Methode." Straßenbeleuchtungen und Fußgängerwege - das waren die materiellen Leistungen. Für die Gemeinde ein wirklich gutes Geschäft. Und für die Betriebsangehörigen gleichfalls ein Gewinn, denn ihre Heime galten unter den FDGB-Ferienangeboten immer noch als die Luxuriösesten.

FDJ-Ferienlager im Seebad Bansin

Schon in den Fünfzigern suchte sich auch die FDJ geeignete Ferienlager an der Küste. So auch in Bansin auf Usedom. Preiswert musste es für die FDJler sein: 70 Mark zahlten die Schüler pro Person für 14 Tage inklusive An- und Abreise und Vollverpflegung. Die Zeltlager waren durchorganisiert, alles blieb unter Kontrolle, aber es gab auch Raum für Spaß und Unterhaltung. Und trotzdem hatte alles auch immer einen politischen Hintergrund und war eben nicht nur unbeschwertes Ferienvergnügen.

"Treffen der Nationen"

So wurden die Lager auch als Treffpunkt der internationalen sozialistischen Jugend genutzt. Horst Zeller, der in Bansin 1955 ein FDJ Ferienlager organisierte, erinnerte sich an die ersten Begegnungen mit ausländischen Studenten aus Angola und Mosambik: "Die haben sich für alles interessiert. Die sind normalerweise vom Ausland hierher gekommen um zu studieren". Aber Horst Zeller wollte das Politische auch nicht übertreiben: "Hauptsache war, dass man baden konnte. Das war eigentlich unser Anliegen: braun werden und baden. Ich hab da keine Ferienspiele gemacht mit tralala, das war nichts für mich". Man wusch sich in der Ostsee, auch wenn das verboten war, kochte sich selber das Essen, veranstaltete als Höhepunkt ein "Treffen der Nationen" am Alten Forsthaus von Bansin, hoch über der Steilküste.

Allmählicher Wandel

Der Badeort hatte aber nicht nur organisierte Touristen: Es reisten auch immer noch genügend Privaturlauber an, selbst aus Österreich. Die Seebrücke funktionierte noch und die kaiserlich geprägten Strandvillen waren belegt und schmuck. Ein Anblick, der sich deutlich mit den Jahrzehnten änderte. Die Häuser der Uferpromenade wurden immer weniger in Stand gehalten, das alte Flair des Badeorts ging zusehends verloren. Wie an vielen Ostseebadeorten. Die Versorgungskrise und der Verfall der DDR manifestierten sich auch im Tourismus.

Zuletzt aktualisiert: 03. Juli 2009, 12:02 Uhr