Urlaubsspezial – Ihre Geschichte: Ostsee Für Hiddensee nimmt man alles in Kauf

Zehn Jahre lang verbrachten die Egermanns ihren Urlaub auf der Ostseeinsel Hiddensee. Obwohl nicht alles perfekt war, nahm die Familie das gerne in Kauf.

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Wir beginnen wie im Märchen mit: Es war einmal … Wir haben Urlaub und fahren an die Ostsee auf die Insel Hiddensee. Nach Vitte. Wir drei – meine Frau, unser Sohn und ich. Es geht los, rein in den Trabi und ab, immer Richtung Norden. Nach zirka zehn Stunden Ankunft in Schaprode. Fahrzeug abstellen, ausladen und ab zur Fähranlegestelle. Hurra, wir waren die Ersten! So nach und nach kamen die anderen Urlauber. Endlich kam auch das Schiff und es ging los. Es wurde geschoben und gedrängelt, jeder wollte mit.

Notdürftige Unterkunft

In Vitte angekommen, wurden wir abgeholt und in unsere Unterkunft geleitet. Es war ein Schuppen, der für die Urlauber ausgeräumt und hergerichtet worden war. Nur das Notdürftigste war vorhanden: Betten, ein alter Schrank, Tisch und Stühle, die mit Nägel und Seil zusammengebunden waren. Waschgelegenheiten gab es im Waschhaus nebenan. Kaltes Wasser und ein Plumpsklo gab es auch. Aber wir haben Urlaub auf Hiddensee, da ist alles etwas anders, und man nimmt alles in Kauf als Urlauber aus Sachsen.

FKK-Fans setzen sich durch

Zum Strand war es nicht weit. Schnell war eine verlassene Strandburg gefunden und von uns beschlagnahmt worden. Schnell noch etwas ausgebaut, besonders für unseren Sohn, damals neun Jahre alt. Es war warm, 30 Grad und mehr. Wir zogen uns aus. Eines Tages kam der ABV (Abschnittsbevollmächtigter) und forderte alle FKK-Fans auf, sich die Badebekleidung wieder anzuziehen. Es waren mehr als 1.000 Urlauber, alle nackt, und schon wurde heftig diskutiert und geschimpft. Und auch der ABV wurde beschimpft: "Dir ist wohl keiner gewachsen?" und so weiter. Als der ABV an der zehnten Strandburg angekommen war, zogen sich die Urlauber an den ersten Strandburgen schon wieder aus. Der ABV gab auf – er keuchte und wischte sich in einem fort den Schweiß von der Stirn, seine Uniform war durchgeschwitzt.

Schlange stehen für Brötchen

Auf Hiddensee war alles etwas anders: 1978 hieß es beispielsweise sehr früh aufstehen und zum Bäcker gehen, denn gegen sieben Uhr gab es schon keine Brötchen mehr. Die nächsten gab es erst wieder gegen zehn Uhr. Wer bis dahin keine hatte, musste pappiges Weißbrot essen. Trotzdem hatten wir drei schöne Wochen in Vitte auf Hiddensee und sind bis 1988 jedes Jahr hingefahren.