Olaf Schwarz: Trampen nach Bulgarien

Ich war 22, als ich mich 1975 gemeinsam mit meiner Freundin auf eine abenteurliche Tramptour nach Bulgarien begab - 1.500 Kilometer von Karl-Marx-Stadt bis an die Schwarzmeeküste.

Ich bin Jahrgang 1953. Seit meinem 14. Lebensjahr bin ich leidenschaftlicher Tramper. 1975 haben meine Freundin, die ich beim Trampen kennengelernt hatte, und ich beschlossen, im Sommer nach Varna in Bulgarien hin und zurück zu trampen. Ein Visum für Bulgarien und Durchreisevisa für Ungarn und Rumänien waren damals allerdings Pflicht. Für die ČSSR reichte der Personalausweis.

Visumantrag mit Hindernissen

Tschechien
Umtauschbescheinung für die ČSSR Bildrechte: Didier Scheibe

Beim Ausfüllen der Anträge gab es schon die ersten Probleme: Man musste die Urlaubsadresse angeben. Wir hatten aber keine feste Adresse, da wir nie in einem Hotel wohnen wollten. Geschlafen wurde im Freien oder bei Einheimischen, wie es sich gerade ergab. Wir haben uns von Bekannten die Jugendzeitung "Neues Leben" geborgt, um unter Brieffreundschaften nach Anschriften aus Bulgarien zu suchen. Eine Adresse haben wir dann in den Antrag als Urlaubsadresse eingetragen. Das zweite Problem beim Ausfüllen war die Anzahl unserer Aufenthaltstage in der ČSSR, Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Danach richtete sich der Umtauschsatz des jeweiligen Geldes. Das konnten wir aber auch nicht voraussagen, wir hatten ja keine Ahnung, wie schnell wir weiter kommen würden und haben einfach Schätzwerte angeben.

Über Zinnwald Richtung Bulgarien

Das dritte Problem trat bei mir bei der Abgabe des Antrags auf: Wir wohnten damals in der Nähe von Karl-Marx-Stadt. Als Grenzübergang zum Verlassen der DDR haben wir natürlich Zinnwald angegeben. Beim Lesen des Antrags durch die Angestellte wurde ich nach dem polizeilichen Kennzeichen meines Autos gefragt, denn Zinnwald war ein reiner Straßenübergang. Als ich sagte, ich habe kein Auto, ich sei per Anhalter unterwegs, wurde ich entsetzt angeschaut und mein Visumantrag mit drei dicken roten Kreuzen versehen. Nach fünf bis sechs Wochen erhielt ich, sehr zu meinem eigenen Erstaunen, doch das genehmigte Visum. Ich hatte eigentlich nicht damit gerechnet. Meine Freundin erhielt auch ihr Visum.

Per Anhalter nach Bulgarien

Per Anhalter nach Bulgarien.
"Bulgarien" steht auf dem Schild von Olaf Schwarz aus Karl-Marx-Stadt. 1975 trampte er zusammen mit seiner Freundin an die Schwarzmeerküste. Bildrechte: Olaf Schwarz
Ein junges Paar sitz im Gras vorm Haus.
Während eines Zwischenstopps konnten sich die beiden Tramper ein bisschen ausruhen. Bildrechte: Olaf Schwarz
Mit den Füßen im Meer.
Endlich an der bulgarischen Schwarzmeerküste angekommen, ging es direkt ans Wasser. Bildrechte: Olaf Schwarz
Ein Mann sitzt auf dem Fenstersims.
Anstatt wie geplant in Varna, verbrachte das Pärchen seinen Urlaub in Albena. Dort war es nicht nur billiger, sondern auch weniger überfüllt. Bildrechte: Olaf Schwarz
Per Anhalter nach Bulgarien.
"Bulgarien" steht auf dem Schild von Olaf Schwarz aus Karl-Marx-Stadt. 1975 trampte er zusammen mit seiner Freundin an die Schwarzmeerküste. Bildrechte: Olaf Schwarz
Ein Mann mit Hut liegt auf der Decke.
Neue Leute kennen lernen, Abenteuer erleben und sich gleichzeitig entspannen können - genau das bedeutet Trampen für Olaf Schwarz. Bildrechte: Olaf Schwarz
Entlang des Weges laufen Männer mit ihrem Vieh.
Besonders das einfache Leben der Menschen interessierte Schwarz: Entlang eines Dorfweges in Rumänien begegnete er den Einheimischen mit ihrem Vieh. Bildrechte: Olaf Schwarz
Ein Haus an der Straße.
Das Trampen ermöglichte Schwarz Ortschaften kennenzulernen, die jenseits aller Touristenwege lagen. Bildrechte: Olaf Schwarz
Eine Autopanne.
Beim Trampen ist oftmals Improvisationstalent gefragt: Bei einer Autopanne packten alle mit an, um die Reise so schnell wie möglich fortsetzen zu können. Bildrechte: Olaf Schwarz
Blick auf die Goldstrandküste Bulgariens
Blick auf die Goldstrandküste von Bulgarien. Bildrechte: Olaf Schwarz
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Einladung zur Taufe

Wie waren etwa vier Wochen unterwegs. In Ungarn wurden wir von Westdeutschen mitgenommen. Mit den Leuten verbrachten wir mehrere Tage. Wir durften sogar mit bei einer Kindtaufe in Rumänien zu der einer der Westdeutschen eingeladen war, dabei sein. Nach der Feier trennten sich leider unsere Wege. Sie reisten weiter Richtung Jugoslawien, wir Richtung Bulgarien. Nach knapp eineinhalb Wochen waren wir in Varna am Schwarzen Meer. Uns hat es da aber nicht richtig gefallen – es war uns zu überlaufen, auch zu teuer.

Übernachten auf dem Campingplatz

Bis zur "Rücktour" haben wir uns dann in Albena aufgehalten. Haben auf einem Campingplatz unseren Schlafsack ausgerollt. Es hat uns riesigen Spaß gemacht. Wir haben nur freundliche Leute während der Hin- und Heimreise kennengelernt. Am interessantesten war eigentlich das wahre Leben der einfachen Leute, was man so natürlich nicht in der DDR erzählt bekam. Mein Hobby Reisen habe ich dann 1981 zum Beruf gemacht und mehrere Jahre beim Zirkus als Tierpfleger gearbeitet.