Chronik Das sozialistische Experiment 1945 - 1990

April 1945

Hermann Louis Brill (1895-1959) wird nach seiner Entlassung aus dem KZ Buchenwald von der amerikanischen Militärregierung als erster Regierungspräsident Thüringens eingesetzt. Der linke Sozialdemokrat und Hitlergegner Brill wurde 1938 verhaftet und 1943 im Konzentrationslager Buchenwald interniert. Hier wurde er Vorsitzender des im Februar 1944 gebildeten illegalen Volksfrontkomitees aus Sozialdemokraten, Kommunisten und bürgerlichen Antifaschisten. Nach dem Einzug der sowjetischen Truppen in Thüringen geht Brill nach Hessen und wirkt als Jurist an der Erstellung des Grundgesetzes mit.

10. Mai 1945

In Crostwitz, Kreis Kamenz, wird die 1937 von den Nazis verbotene "Domowina" wieder gegründet (erst 1949 auch in Brandenburg). Der Bund der Lausitzer Sorben ist damit die erste demokratische Organisation, die in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zugelassen wird. 1948 beschließt der Sächsische Landtag das "Gesetz zur Wahrung der Rechte der sorbischen Bevölkerung". Tendenzen zum Anschluss des sorbisch besiedelten Teiles der Lausitz als autonomes Gebiet an die Tschechoslowakei hatte die sowjetische Besatzungsmacht schon 1946 abgelehnt.

14. Juni 1945

Truman teilt Stalin nach vorheriger Rücksprache mit Churchill mit, dass er zum 21. Juni den Rückzug der amerikanischen Truppen aus Mitteldeutschland befehlen werde; Stalin bittet um Aufschub bis zum 1. Juli.

Juni/Juli 1945

Evakuierung von 84 bzw. 41 leitenden Mitarbeitern der Jenaer Zeiss- und Schott-Betriebe sowie von 80 Wissenschaftlern der Universität in die amerikanische Besatzungszone. Die Beutepolitik angesichts des bevorstehenden Besatzungswechsels erfasst neben Personen auch Produktionsunterlagen und wird zum Ausgangspunkt der Gründung von Zeiss- und Schottwerken in der amerikanischen Besatzungszone. In Leipzig veranlassen die US-Besatzer Traditionsverlage wie Thieme, Reclam, Brockhaus oder Insel, Zweig-Niederlassungen in den Westzonen zu gründen. Zum Abtransport von Mitarbeitern, Papier- und Buchbeständen werden Busse bereitgestellt. Leipzigs Graphisches Viertel mit Verlagen und Druckereien ist zu 80 Prozent kriegszerstört. Während des Kalten Krieges werden in Frankfurt/Main westdeutsche Parallel-Institutionen gegründet (Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Buchmesse, Deutsche Bibliothek).

23. Juli 1945

Die preußischen Provinzen Magdeburg und Halle-Merseburg sowie das Land Anhalt werden zur Provinz Sachsen vereinigt.

21. August 1945

In das von der sowjetischen Geheimpolizei NKWD im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald eingerichtete Internierungslager (Speziallager 2) werden die ersten Häftlinge eingeliefert. Bis zur Auflösung des Lagers 1950 werden hier ca. 30.000 Menschen interniert, von denen etwa 7000 ums Leben kommen.

1. September 1945

Bildung der Landesverwaltung Thüringen als De-facto-Landesregierung.

1. Oktober 1945

In der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) beginnt der Schulunterricht wieder.

15. Oktober 1945

Die Friedrich-Schiller-Universität Jena nimmt als eine der ersten deutschen Universitäten nach dem Zweiten Weltkrieg den Lehrbetrieb wieder auf. Die 1946 eingerichtete Vorstudienanstalt soll Jugendlichen ein Hochschulstudium ermöglichen, denen das vorher aus sozialen, aber auch "rassischen" Gründen verwehrt war oder die durch den Krieg kein Abitur machen konnten. 1949 erhalten die mittlerweile an allen Universitäten der DDR existierenden Vorstudienanstalten die Bezeichnung "Arbeiter- und Bauern-Fakultät" (ABF). Bis 1963 werden die ABF mit Ausnahme von Halle und Freiberg nach und nach aufgelöst. An der Bergakademie Freiberg dient die ABF zur Vorbereitung auf diverse Ingenieurstudiengänge. In Halle werden Oberschüler aus der ganzen DDR durch Sprachintensivkurse auf ein Studium im "sozialistischen Ausland" vorbereitet.

8. Februar 1946

Hans von Gabelentz, der letzte Burghauptmann auf der Wartburg, stirbt in Eisenach. Ihm unterstand die Organisation und Verwaltung der Wartburg. Der Burghauptmann war ursprünglich ein militärischer Befehlshaber, der auf der Wartburg auch eine kleine Wachmannschaft befehligte. Im Jahre 1992 ist die Burghauptmannstradition auf der Wartburg wieder aufgenommen worden mit der Einführung eines neuen Amtsinhabers.

7. März 1946

Gründung der Freien Deutschen Jugend (FDJ).

21./22. April 1946

Gründungsparteitag der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED).

8.-12. Mai 1946

Erste Leipziger Nachkriegsmesse mit 2.800 Ausstellern aus allen vier Besatzungszonen und der UdSSR sowie 160.000 Besuchern aus 17 Ländern. Vier Fünftel der Messe-Häuser sind zerstört oder schwer beschädigt. Ab Mitte der 50er Jahre gewinnt die Leipziger Messe als Ost-West-Handelsplatz wieder internationale Bedeutung. In den 80er Jahren kommen Aussteller aus rund 80 Ländern. Die DDR realisiert auf der Messe 40 Prozent ihres Außenhandelsumsatzes. Nach 1990 muss die Stadt mit den Messen von Frankfurt, Hannover und Düsseldorf konkurrieren und stellt sich von Universal- nun auch auf Fachmessen um. 1996 wird nördlich von Leipzig das 1,3 Milliarden DM teure neue Messegelände eröffnet.

17. Mai 1946

Tod von Marie Louise Lomnitz-Klamroth (geb. 1863). Lomnitz-Klamroth zählte 1894 zu den Mitbegründern der Deutschen Zentralbücherei für Blinde in Leipzig und wurde später deren Leiterin. Sie reformierte das Blindenbuchwesen durch die systematische Punktschrift-Typographie.

Juli/August 1946

Die Länder- und Provinzialverwaltungen von Thüringen und Sachsen-Anhalt erlassen Verordnungen über die "Enteignung von Kriegsverbrechern und Naziaktivisten". In Sachsen hat schon im Juni 1946 ein Volksentscheid über die Enteignung von Kriegsverbrechern und Naziaktivisten stattgefunden, bei dem 77,6 Prozent der Bevölkerung für die Enteignung stimmten.

25. August - 29. Oktober 1946

In Dresden findet die Allgemeine Deutsche Kunstausstellung statt. Sie gilt als erste umfassende Schau ihrer Art in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Abstand von anfangs vier, später fünf Jahren wird in Dresden die Deutsche Kunstausstellung (ab 1972 Kunstausstellung der DDR) ausgerichtet, die letzte von Oktober 1987 bis April 1988.

22. November 1946

Selbstmord des Juristen und NS-Politikers Otto Georg Thierack. 1921 begann Thierack als Staatsanwalt in Leipzig, später in Dresden. Ein Jahr vor der Machtübernahme Hitlers trat er der NSDAP bei und wurde Führer des NS-Rechtswahrerbundes. Ab 1933 war Thierack sächsischer Justizminister und 1935 Vize-Präsident des Reichsgerichts in Leipzig. 1936 stieg Thierack zum Präsidenten des Volksgerichtshofes auf und wurde 1942 zum Reichsminister der Justiz ernannt. Von Hitler ermächtigt, sich über jedes Gesetz hinwegzusetzen, um eine "nationalsozialistische Rechtspflege" aufzubauen, radikalisierte Thierack die Verfolgung und den Terror.

3. Dezember 1946

Der Landtag der Provinz Sachsen wählt Dr. Erhard Hübner zum Ministerpräsidenten und beschließt die Umbenennung der Provinz Sachsen in Sachsen-Anhalt.

26. Februar 1947

Nach der Wahl zum sächsischen Landtag im Oktober 1946, bei der die aus der Vereinigung von KPD und SPD entstandene SED die mit Abstand größte Fraktion (59 von 120 Sitzen) bilden konnte, wird am 26. Februar 1947 die neue Verfassung des Landes Sachsen beschlossen. Max Seydewitz (SED) bildet daraufhin im Juli 1947 die erste Nachkriegsregierung in Sachsen. Die sächsische Verfassung hat bis zur Auflösung der Länder 1952 Bestand.

21. Juli 1947

Nach der Auflösung des Landes Preußen durch den Alliierten Kontrollrat in Berlin wird die Provinz Sachsen-Anhalt zum Land Sachsen-Anhalt.

1. September 1947

Flucht des thüringischen Ministerpräsidenten Rudolf Paul in die amerikanische Besatzungszone.

6. Juni 1948

Der Sänger Albert Fischer stirbt in Sondershausen (geb. 1878 in Aue). Der Heldenbariton wirkte in Berlin, Metz, Elberfeld und Hannover, wurde aber erst in Sondershausen bekannt. 1907-1920 gab Fischer in Sondershausen am Konservatorium Gesangsunterricht und wirkte hier am Theater als Lehrer für Bühnenkunst. Er zeichnete sich als Darsteller und Sänger in Wagner- und Verdi-Opern aus, erlangte aber auch als Oratorien- und Konzertsänger Berühmtheit. Mit seiner Arbeit förderte Fischer den Ruf Sondershausens als Musikstadt.

13. Oktober 1948

Der Zwickauer Bergmann Adolf Hennecke übererfüllt sein Tagessoll an Steinkohle mit 387 Prozent - die Aktivistenbewegung in der sowjetischen Besatzungszone nimmt ihren Anfang.

7. Oktober 1949

Mit Gründung der Deutschen Demokratischen Republik werden Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Bestandteil der DDR.

15. Dezember 1949

Zum 200. Geburtstag Johann Wolfgang von Goethes besucht Thomas Mann die DDR und erhält in Weimar den Goethe-Preis.

1950

Die Malerin und Grafikerin Lea Grundig (1906-1977) wird zur ersten Professorin an die Dresdner Akademie für Bildende Künste berufen. Ihr politisches Engagement als Kommunistin bestimmt auch ihr künstlerisches Schaffen - vor allem die kleinen Leute sind Leitmotiv ihrer Bilder. Als Jüdin und Kommunistin war Lea Grundig in der nationalsozialistischen Zeit doppelt gefährdet und floh 1940 nach Palästina. Hier arbeitete sie in Tel Aviv und Haifa als Buchillustratorin und Zeichnerin. 1949 kehrte Lea Grundig nach Dresden zurück.

8. Februar 1950

Bildung des Ministeriums für Staatssicherheit.

6. Juli 1950

Im Görlitzer Abkommen erkennt die DDR die Oder-Neiße-Linie als deutsch-polnische Grenze an.

22. Oktober 1950

In Leipzig wird die Deutsche Hochschule für Körperkultur gegründet. Bis zur Abwicklung 1990 (auf Beschluss der sächsischen Landesregierung) werden Sportlehrer und Übungsleiter für den Schul-, Breiten- und Spitzensport ausgebildet. Forschung und Lehre machen die DHfK weltbekannt. Trainer aus über 100 Ländern haben ihre Ausbildung in Leipzig absolviert. Die 1993 gegründete Sportwissenschaftliche Fakultät an der Universität Leipzig ist dort mit 11 Professoren die kleinste Fakultät. Die DHfK beschäftigte in ihren besten Zeiten 75 Professoren und 1.000 Wissenschaftler.

23. Juli 1952

Umfassende Verwaltungsreform in der DDR. Die fünf Länder (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg) werden abgeschafft und durch 15 Bezirke ersetzt. Thüringen wird in die Bezirke Erfurt, Gera und Suhl aufgeteilt, Sachsen-Anhalt in die Bezirke Magdeburg und Halle, Sachsen in die Bezirke Dresden, Leipzig und Chemnitz (ab 1953 Karl-Marx-Stadt).

1953

Der Außenminister der DDR, Georg Dertinger, wird als Spion verhaftet und verurteilt. Erst 1964, vier Jahre vor seinem Tod, wird Dertinger begnadigt. Dertinger war als Journalist und aktiver CDU-Politiker in den Jahren 1947/48 maßgeblich an der Unterordnung der CDU unter die SED beteiligt. 1949 wurde er mit Staatsgründung der DDR erster Außenminister.

17. Juni 1953

Arbeiteraufstand in der DDR. In den Tagen um den 17. Juni finden außer in Berlin Streiks und Demonstrationen vor allem in den mitteldeutschen Industriegebieten um Halle und Magdeburg statt (besonders in den Betrieben Leuna und Buna). In Merseburg, Jena, Bitterfeld und Görlitz werden Büros von SED und Staatssicherheit, auch Gefängnisse gestürmt. Mit Unterstützung der Sowjetarmee wird der Protest in den folgenden Tagen erstickt (über 6000 Festnahmen, etwa 50 Todesopfer).

19. - 22. August 1954

Erstes Deutsches Turn- und Sportfest in Leipzig. Damit knüpft die Stadt an eine lange Tradition an. Beim 3. Deutschen Turnfest 1863 wurden bereits 20.000 Teilnehmer gezählt. Das 12. Turnfest 1913 (zum 100. Jahrestag der Völkerschlacht) war stark nationalistisch geprägt. Dagegen betonte das 1. Arbeiter-Turn- und Sportfest 1922 (als 13. Turnfest gezählt) den internationalen Aspekt. Turner aus 11 Ländern nahmen teil. Zwischen 1954 und 1987 fanden in Leipzig insgesamt acht Turn- und Sportfeste der DDR statt. Ab 1977 wurden zeitgleich die "Zentralen Kinder- und Jugendspartakiaden" ausgerichtet.

24. - 26. Juni 1955

In Rudolstadt findet das 1. "Fest des deutschen Volkstanzes" mit rund 50 Gruppen aus West- und 110 aus Ostdeutschland statt. In den folgenden Jahrzehnten entwickelt sich das Rudolstädter Tanzfest zur DDR-Leistungsschau der Amateur-Bühnentanz-Ensemble mit Gästen aus den "sozialistischen Bruderländern". Die Kontakte zur DDR-Folkszene (seit Mitte der 80er Jahre) sichern das Überleben des Tanzfestes nach der Wende. Das Tanz- und Folkfest Rudolstadt entwickelt sich ab 1991 rasch zum bedeutendsten Festival für Folk- und Weltmusik in Deutschland.

1956

Der Maler und Grafiker Wolfgang Mattheuer wird als Professor an die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst berufen. Er prägt hier während seiner 18jährigen Lehrtätigkeit die künstlerische Ausbildung mehrerer Studenten-Generationen.

18. Januar 1957

Dem Philosophen Ernst Bloch (1885-1977) wird die Professur an der Universität Leipzig aberkannt, woraufhin er 1961 in die Bundesrepublik übersiedelt.

16. Dezember 1957

Der erste Atomreaktor der DDR geht in Rossendorf bei Dresden in Betrieb.

29. Mai 1958

Abschaffung der Lebensmittelkarten in der DDR.

3. Januar 1959

Als erstes Arbeitskollektiv der DDR beschließt die Jugendbrigade "Nikolai Mamai" vom VEB Elektrochemisches Kombinat Bitterfeld, "sozialistisch zu arbeiten, zu lernen und zu leben" und fordert alle Werktätigen auf, sich in "Brigaden der sozialistischen Arbeit" zusammenzuschließen.

Januar 1959

Auf der 4. Tagung des Zentralkomitees der SED wird beschlossen, dass alle Angestellten der Parteiapparate einen Monat im Jahr körperlich in der Produktion arbeiten sollen.

24. April 1959

1. Bitterfelder Konferenz. Dem Appell "Künstler in die Produktion!" folgen zahlreiche DDR-Schriftsteller. So absolviert Christa Wolf ein Betriebspraktikum im VEB Waggonbau Halle. Dort leitet sie einen "Zirkel schreibender Arbeiter" ("Greif zur Feder, Kumpel!"). Die Kampagne für eine engere Verbindung von Künstlern und Arbeitern geht als "Bitterfelder Weg" in die Geschichte ein. Seit 1959 richtet der Gewerkschaftsbund FDGB mit dem Kulturministerium jährlich in einem anderen Bezirk "Arbeiterfestspiele" aus als zentrale Leistungsschau der Amateurkunst aller Genres.

29. April 1961

Eröffnung der "I. Internationalen Gartenbauausstellung sozialistischer Länder" (IGA) auf der Erfurter Cyriaksburg.

15. Juni 1961

Ulbricht erklärt auf einer Pressekonferenz: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten".

13. August 1961

Abriegelung West-Berlins und Bau der Berliner Mauer.

1963

Für seinen autobiografisch geprägten Roman "Die Abenteuer des Werner Holt" erhält der Schriftsteller Dieter Noll den Nationalpreis der DDR. In diesem Roman verarbeitet Noll die Erfahrungen und Erlebnisse seiner Generation in der Kriegs- und Nachkriegszeit. Das Buch wurde verfilmt und gehörte zur Pflichtlektüre an den Schulen der DDR.

2. September 1963

Der seit 1948 als Professor für Literaturwissenschaft an der Universität Leipzig tätige Hans Mayer verlässt die DDR Richtung Bundesrepublik. Bei Hans Mayer studierten unter anderem Christa Wolf und Volker Braun.

24. April 1964

Im "Elektrochemischen Kombinat Bitterfeld" findet die 2. Bitterfelder Konferenz statt. Das auf der Konferenz propagierte kulturpolitische Programm fordert die Schaffung einer "sozialistischen Nationalkultur". Sie soll vor allem durch eine engere Bindung der Künstler an die Arbeiter in Industrie und Landwirtschaft sowie durch die Hebung des Kultur- und Bildungsniveaus erreicht werden.

1. April 1966

Ab sofort ist jede zweite Arbeitswoche in der DDR eine 5-Tage-Woche, d.h. jeder zweite Sonnabend ist arbeitsfrei.

9. April 1968

Die nach dem Vorbild der Konstitutionen osteuropäischer Volksdemokratien geschaffene zweite DDR-Verfassung tritt in Kraft.

20./21. August 1968

Zwei Divisionen der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR stehen bereit zur Niederschlagung des Aufstandes in der CSSR (Prager Frühling). Nach neueren Erkenntnissen rücken sie aber nur bis zur Grenze vor und marschieren nicht in die Tschechoslowakei ein.

29. April 1969

In Dresden öffnet die erste Ingenieurhochschule der DDR.

Mai 1971

Walter Ulbricht tritt zurück. Das Zentralkomitee der SED wählt Erich Honecker als Ulbrichts Nachfolger zum Generalsekretär der SED. Unter ihm fügt sich die SED wieder bedingungslos dem sowjetischen Führungsanspruch.

15. - 19. Juni 1971

Die SED hält in Ost-Berlin ihren VIII. Parteitag mit über 2000 Delegierten ab. Der Parteitag, beschließt die "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" und stellt neue Sozialleistungen in Aussicht.

1. August 1973

Tod von Walter Ulbricht in Berlin (geb. 1893). 1945 kam Ulbricht an der Spitze der so genannten Gruppe Ulbricht aus dem sowjetischen Exil zurück nach Deutschland. 1946 setzte er den Zusammenschluss von SPD und KPD zur SED durch. Er übernahm die Führung der SED als Erster Sekretär, nach dem Tod Wilhelm Piecks erhielt er auch den Vorsitz des Staatsrates. 1971 wurde er als Erster Sekretär zum Rücktritt gezwungen.

11. Mai 1976

Der aus Dresden gebürtige Dirigent Rudolf Kempe stirbt in Zürich (geb. 1910). Kempe begann seine Karriere 1935 als Dirigent der Oper in Leipzig. Nach Engagements in Chemnitz und Weimar war er 1949 bis 1953 Generalmusikdirektor der Sächsischen Staatskapelle in Dresden. Später wirkte er an der Bayerischen Staatsoper, leitete das Royal Philharmonic Orchestra in London und zugleich das Tonhalle-Orchester in Zürich. Ab 1967 war Kempe Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker. Von 1975 an stand er als Leiter dem BBC Symphony Orchestra London vor. Seine international anerkannte Arbeit machte ihn auch zu einem begehrten Gastdirigenten.

18. August 1976

Aus Protest gegen die Unterdrückung von Kirche und religiöser Erziehung in der DDR verbrennt sich der Pfarrer Oskar Brüsewitz auf dem Marktplatz in Zeitz. Die DDR-Regierung versucht den Vorfall in eine andere Richtung zu lenken und erklärt Brüsewitz für geisteskrank. Auch die DDR-Kirche ist nicht an einer Verschlechterung ihres Verhältnisses zum Staat interessiert.

8. Oktober 1981

Einweihung des neu gebauten Gewandhauses am Augustusplatz in Leipzig (damals Karl-Marx-Platz). Es ist der einzige reine Konzerthaus-Neubau der DDR. Kurt Masur, Gewandhauskapellmeister von 1970-1997, hat ihn bei der DDR-Führung durchgesetzt. Der weltberühmte Vorgängerbau von 1884 war nach Kriegszerstörung 1968 abgerissen worden. Gewandhäuser wurden seit dem Mittelalter in größeren Städten als Lager- und Messebauten der am Tuchhandel beteiligten Zünfte genutzt. In Leipzig hatte 1781 Johann Adam Hiller die Gewandhaus-Konzerte begründet, die von der Musik liebenden Bürgerschaft unterstützt wurden. Die berühmtesten Dirigenten des Gewandhausorchesters waren Felix Mendelssohn Bartholdy, Wilhelm Furtwängler und Kurt Masur.

14. Februar 1982

In der Dresdner Kreuzkirche findet ein Friedensforum statt, an dem sich rund 5.000 Anhänger der unabhängigen Friedensbewegung beteiligen.

13. Februar 1985

Feierliche Wiedereröffnung der kriegszerstörten Semper-Oper in Dresden.

25. März 1986

In einem offenen Brief an die DDR-Regierung bittet die Weimarer Friedensbewegung um Veröffentlichung eines "Appells zum UN-Jahr des Friedens". Darin werden mehr Reisefreiheit und Mitbestimmung sowie die Einhaltung der Menschenrechte eingefordert.

17. Juni 1987

Die Todesstrafe wird in der DDR abgeschafft.

10./11. September 1989

Ungarn lässt (ohne Absprache mit Ostberlin) alle Fluchtwilligen aus der DDR in den Westen ausreisen. Bis Ende September kommen über 25.000 Übersiedler auf diesem Weg in die Bundesrepublik.

2. Oktober 1989

In Leipzig demonstrieren 20.000 Menschen für Reformen in der DDR.

9. Oktober 1989

70.000 Menschen demonstrieren in Leipzig für eine demokratische Erneuerung des Landes. Erstmals halten sich die Sicherheitskräfte zurück. In Dresden empfängt Oberbürgermeister Berghofer (SED) eine Abordnung der Demonstranten, die ihm einen Forderungskatalog übergibt.

18. Oktober 1989

Erich Honecker wird "auf eigenen Wunsch" von allen Ämtern entbunden. Egon Krenz wird neuer Generalsekretär der SED.

6. November 1989

In Leipzig demonstrieren Hunderttausende für unbeschränkte Reisemöglichkeiten, für die Aufgabe des Führungsanspruches der SED und für freie Wahlen.

7. November 1989

Die Regierung der DDR tritt geschlossen zurück.

9. November 1989

Die Grenzen zur Bundesrepublik Deutschland und Berlin-West werden geöffnet.

13. Juni 1990

DDR-Grenztruppen beginnen mit dem Abriss der Berliner Mauer.

1. Juli 1990

Inkrafttreten der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion. Damit wird die DM zum einzigen Zahlungsmittel in der DDR.

22. Juli 1990

Die Volkskammer verabschiedet ein Ländereinführungsgesetz. Damit entstehen wieder die fünf Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg, die mit der Verwaltungsreform von 1952 abgeschafft und durch Bezirke ersetzt worden waren.

12. September 1990

Die Außenminister der vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges und der Bundesrepublik sowie der DDR-Ministerpräsident unterzeichnen in Moskau einen "Vertrag über die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland", mit dem das vereinte Deutschland die volle Souveränität über seine inneren und äußeren Angelegenheiten erhält ("Zwei-plus-vier-Vertrag").

3. Oktober 1990

Die DDR tritt dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei.

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2004, 15:42 Uhr