Episoden Der reine DDR-Alltag

Wohnungsantrag

In der DDR gab es vielerlei Einschränkungen. So war es mir z. B. nicht möglich, meinen Wohnort selbst zu wählen. Mein damaliger und jetziger Wohnort ist Burg bei Magdeburg. Ich hatte 1978 eine Freundin in Gotha/Thüringen. Wir kannten uns seit unserer Kindheit (ca. 8 Jahre). Mein Arbeitsort war zum damaligen Zeitpunkt Friedrichroda bei Gotha. Wir bauten dort das FDGB-Ferienheim "August Bebel" (heute das Berghotel). Gewohnt habe ich in einem Arbeiterwohnheim am Ort.

Ich bin mit der Absicht, mich in Gotha häuslich nieder zu lassen nach Friedrichroda gegangen. Ein Wohnungsantrag beim Wohnungsamt Gotha lief seit einiger Zeit. Wie zu DDR-Zeiten üblich ließ die Ablehnung nicht lange auf sich warten.

Begründungen:
- Wohnungsmangel
- keine Zuzugsgenehmigung
- nicht verheiratet
- "ich hätte ja eine Wohnung in Burg" (1/2 Zimmer bei meinen Eltern)

Ich wollte mich damit aber nicht zufrieden geben. So versuchten wir es auf "Umwegen". Ich verlegte meinen Hauptwohnsitz nach Gotha. Die Begründung der erneuten Ablehnung: Sie können bei ihren Schwiegereltern in spe so lange wohnen, wie sie wollen, einen Anspruch auf eine Wohnung haben sie ohne Trauschein nicht! So kam ich auf die Idee, einen Antrag auf eine Ausbauwohnung zu stellen.

Darunter verstand man zu DDR-Zeiten eine Wohnung, die leer stand und die wegen ihres Zustandes keiner nehmen wollte. Ich bot an, die Wohnung selbst instand zu setzen. Meine damalige Firma, das Hochbau-Kombinat Nordhausen Betriebsteil Gotha, wollte mich dabei unterstützen. Meine damalige Schwiegermutter in spe kannte durch ihre Arbeit bei der Post sechs bis acht Adressen solcher Wohnungen. Selbst mit diesem Angebot konnte man die damaligen Behörden nicht erweichen. So machte ich noch einen letzten Versuch. Ich wandte mich per Eingabe an Erich Honeckers Büro. Von dort wurde ich wieder an das Wohnungsamt Gotha verwiesen. Somit war das Thema Wohnung beendet.

Bescheinigung für einen Wecker

Eine weitere Episode dieser Zeit dreht sich um einen Wecker. Meiner hatte den Dienst verweigert. Ich wollte mir im Zentrum Gothas einen neuen kaufen. Die freundliche Verkäuferin wörtlich: "Nur mit Bestätigung ihres Betriebes, dass sie Schichtarbeiter sind!!!" Ich holte mir die Bescheinigung von meinem Bauleiter und anschließend den neuen Wecker. Dieser kostete ca. 53 DDR-Mark!

Zwei Tage später wurde ich zum Bauleiter gerufen. Bei ihm im Büro saß ein Mann, der mir reichlich seltsame Fragen stellte. Wie sich später herausstellte, war der Mann von der Staatssicherheit. Er war auf der Suche nach Menschen, die gezielt Gerüchte verbreiteten. Grund für meine Vernehmung war die Bescheinigung für meinen Wecker.