Bandporträt "FLEXIBEL" I

Dies ist die Geschichte meiner Band "FLEXIBEL", einer (Amateur)-Rockband, die sich 1986 gründete und noch 1989 wegen der damals von staatlicher Seite nicht gewollten Texte verboten wurde.

von Ralf Mattern

Mitte der 80er Jahre, als ich als Liedermacher anfing und mich um eine Einstufung kümmerte, lebte man im Harz auch nicht hinter den sieben Bergen. Der Großteil der Kids stand Mitte der Achtziger auf die Musik, die im Radio, vornehmlich im Westradio, lief. Trotzdem begann sich die Jugendszene etwas aufzudröseln: Es gab Punks, Metaller und andere Langhaarige waren weit verbreitet, doch die Popper waren wohl zahlenmäßig die stärkste Jugendszene.

Trotzdem gab es - nach dem Ausklingen der Neuen Deutschen Welle - eine große Bereitschaft der Leute, textlastige Songs zu hören. Die Gattung der Liedermacher stand auch deshalb in voller Blüte, weil eben Wahrheiten zur Gitarre gesungen wurden, die eine andere Öffentlichkeit, etwa in den Medien nicht fanden.

Vom Einzelkämpfer zum Bandsänger

Eine Einstufung als Liedermacher verweigerte man mir zunächst – das war Anfang 1986. Die Einstufungskommission beim Kreiskulturkabinett, der man sein Programm vorspielen musste, war von den Texten nicht so angetan. Ein anderer Liedermacher aus der Region, der bereits eine Einstufung hatte, nahm mich dann zur Seite und gab mir ein paar "Tipps". Die befolgte ich sozusagen beim nächsten Vorspiel im November 1986. Für die Kommission, in der dieses Mal auch der DDR-bekannte Liedermacher Werner Bernreuther saß, entschärfte ich eben mein Programm und erhielt auch prompt die Auftrittserlaubnis.

Trotzdem erahnte ich perspektivisch Probleme. Deshalb gründete ich die Band "FLEXIBEL" um mich mit meinen Texten dort hinter dem Sänger der Band "verstecken" zu können. Mir war klar, dass es für die staatlichen Kunstverbieter schwieriger war, einer Band, die am Wochenende vor 500 Leuten im Saal spielt und etliche Fans hat, die Auftrittserlaubnis zu entziehen, als einem Solo-Liedermacher, dessen Auditorium schon allein aus technischen Gründen viel kleiner war. Nicht umsonst nannte bzw. nennt sich das Kleinkunst.

Nur wenige etabilerte Musiker

Als wir vier Ende 1986 als Rockband bewusst anfingen, gab es noch eine Metall-Band und eine Rock-Cover-Band. Das war im Kreis Wernigerode – damals 100.000 Einwohner – in der Richtung alles. Dazu kamen noch zwei, drei Liedermacher und eine Folk-Gruppe. Allein das Problem, an die notwendige Technik, PA und "Transportmittel" heranzukommen, verhinderte, dass es Bands im Überfluss gab. Die DDR-Star-Bands spielten nicht so oft im Harz. Zumal es Ende der 80-er Jahre die Etablierten sowieso recht schwer hatten, noch Publikum zu finden.

Zu uns verirrte sich allerdings kaum jemand, lediglich "TRANSIT" spielte Ende der 80-er mal live in Wernigerode. Als ich dann tags darauf zufällig mit Sänger Egon Linde in der damals einzigen Wernigeröder Pizzeria zusammentraf, und er mich fragte, was ich denn von dem komischen Chef des Jugendklubhauses des größten Betriebes der Stadt, des Elektromotorenwerkes, halten würde- wo "TRANSIT" gespielt hatte, und ich Egon meine (negativen) Erfahrungen mit diesem "Leiter" schilderte, war die Reaktion - wie ich denke – typisch: "Wernigerode- nicht noch einmal".

Was "FLEXIBEL" wollte: Spaß, Niveau und politische Aussagen

Die Szene, in der wir unsere "Baustelle" hatten, war ganz anders drauf, als die Etablierten. FLEXIBEL war generell global in den Forderungen und Ansprüchen. Eben nicht nur das Beschreiben von Zuständen, die es ja eigentlich laut offizieller Politik nicht gab, z.B. Kids, die nicht wissen, wohin oder Alte und Einsame oder Trinker und Ehescheidungen, war uns wichtig, sondern – aus der heutigen Sicht – eher Fundamentalaussagen...

Wir sangen zum Beispiel: "Wir wollen heute leben, und nicht in hundert Jahren", "Und dann wird jeder Stein zur Seite geräumt- und der Weg ist frei", "Kennst Du das Land, wo die Städte stinken?", "Ne neue Ordnung braucht die Welt" usw.

Was in Berlin normal war, war in Wernigerode der Aufruf zum Systemsturz

Wir wollten einfach Spaß, und wenn es irgendwie möglich war, diesen Spaß mit Niveau und politischen Aussagen verbinden. Da gab es zum Beispiel die so genannten "Werkstätten" – im Liedermacher- und auch im Rockbereich, die an alle "Musikschaffenden" gerichtet waren. Gerade diese "Werkstätten" waren uns irgendwie suspekt. Als Liedermacher nahm ich von 1987-89 an den DDR-offenen Chansontagen in Langeln teil. Die Vorstellungen der "offiziellen" Dozenten zu den Programmen der Teilnehmer fand ich weder nötig noch sinnvoll.

Da wurde halt diskutiert, ob der Akkord lieber gebrochen gespielt werden sollte, anstatt sich um die Verarbeitung hochaktueller Dinge zu kümmern, von denen es genug gab: Tschernobyl, die Ausweisung einiger DDR-Kritiker aus der DDR usw., zu kümmern. Dass ich an einer solchen Veranstaltung trotzdem drei Jahre teilnahm, erklärt sich aus der Tatsache, dass sich schnell zwei Gruppen fanden, die die "Werkstatt" verschieden lebten. Während die eine - größere - Gruppe eher unbedarfte Liedchen trällerte oder gälische Volkslieder bearbeitete, was sicher auch seine Berechtigung hat, feierten die anderen in dem Bewusstsein, unter sich zu sein, lieber eine Party mit deftigeren Liedern.

"Werkstätten" empfanden wir also eher als negative Beeinflussung unserer musikalischen und textlichen Ideen, zumal nach meiner ersten "Werkstatt" bei den Chansontagen nicht zufällig meine Vorladungen bei der Stasi begannen, denn: Wernigerode war nie Berlin, was dort normal war, war in der Provinz der Aufruf zum Systemsturz.

Systemkritische Zeilen - der Staat greift ein

Das spätere Verbot von FLEXIBEL kam aus der "Bördemetropole" Magdeburg, und nicht aus der Hauptstadt. "Ich hab es satt, dass mich der Alltag dazu zwingt, mich sinnlos abzudichten, weil das absolut nichts bringt" oder "Seh keine Bilder, nur alles grau, so blöd bin ich, dass ich mir die Birne vollhau" waren unsere Denkansätze. Zwischen den Zeilen was zu sagen, war dann doch nicht so ganz unser Ding. Unsere Texte und deren Zielrichtung waren eigentlich für jeden klar und verständlich.

"Drum rufe ich Euch alle auf: Tut etwas dagegen, schreibt Eingaben an den Staatsrat, gebt nicht Euren Segen...", "Ich bin die Freiheit, ist das denn schlecht? Ich bin unsterblich, das Menschenrecht..."- solche Textzeilen in Verbindung mit der lyrischen Verarbeitung der Menschenrechts- und Umweltsituation in der DDR - also da hörte man beim Staat dann schon recht genau hin...

Eine Kassette als Verräter

Wir haben gelegentlich versucht, auf Probe oder Live vom Mixer auf Kassette was mitzuschneiden – für die Fans und Freunde. Das hätte man aber vervielfältigen müssen, da hätten wir dann vermutlich wochenlang mit unseren zwei reparaturanfälligen "Stern"- Rekordern allein für diese Geschichte gebraucht. Hinzu kam, dass es Leerkassetten damals auch nicht immer (in Wernigerode) gab und diese stolze 20 Mark kosteten. Klar, damals, für unsere Freunde, die uns zu den Gigs nachgefahren/-getrampt kamen, hatten wir dann schon ein paar Kassetten übrig. Auch für die Ex- FLEXIBEListen.

Unser zweiter Basser Ralf Ningler, der 1988 zur Armee eingezogen wurde (bereits 1987 wurde unser erster Bassist "zufällig" zur Armee eingezogen), wollte z.B. unbedingt ein Tape mit neuen Songs von uns mit zur Armee nehmen. Ich hatte nur gebrauchte Kassetten mit 90 Minuten Länge. Unsere Aufnahme war eine Stunde lang. Als er dann wieder in der Kaserne war, und sich die Kassette im Clubraum (mit ein paar anderen Soldaten) anhörte, dauerte es gar nicht lange, und er wurde zum Kompaniechef befohlen – mit der Kassette. Der hatte wohl von "Jemandem" erfahren, was da im Clubraum abging und plötzlich auch ein somit stillbares Verlangen nach unsere Musik...

Tags darauf wurde "Soldat Ningler" unverzüglich (ohne Kassette) von der Westgrenze, wo er "Pionier" war, irgendwo bei Potsdam hinversetzt. Da kann jedoch auch Stefan Krawczyck seinen Anteil dran haben. Diese 90 Minuten-Kassette war nämlich, bevor ich für Ralf die neuen FLEXIBEL-Songs aufnahm, schon bespielt. Ich hatte da das erste Konzert ("Wie)derstehen"- ein für mich super-wichtiges und tolles Konzert) Anfang 1989 von Stefan Krawczyck nach seiner Ausbürgerung aus der DDR vom ARD- Fernsehen mitgeschnitten (und danach auf ein Tonband überspielt).

Und da die FLEXIBEL- Songs eben insgesamt nur 60 Minuten lang waren, konnte der geneigte Hörer nach unserem Part auf der Kassette noch den Rest des Krawczyck- Konzerts hören... Kurz danach wurde ich dann übrigens von "meinem" MfS- Mann gefragt, ob wir denn nun den selben Weg wie Stefan Krawczyck gehen wollen... Wahrscheinlich hatten die bei der Stasi nun auch noch mit dieser Kassette mehr Tonaufnahmen von uns, als wir selber, denn immerhin lag auch ein illegaler Mitschnitt unseres Wernigeröder- Elmo-Klubhaus- Konzertes, der Mitschnitt der Chansontage und eines von unserem Sänger verlorene Tonband bei denen.

Der Musikamateur hatte es schwer

So einfach Musik machen und davon leben "durfte" man nur als Profi. Profi wurde man z.B. automatisch nach dem Besuch der Musikhochschule oder durch die entsprechende Einstufung nach Vorspiel. Amateure hingegen mussten eine Arbeit nachweisen. Keine Arbeit zu haben war sogar ein Grund, die Auftrittserlaubnis einzuziehen, sowohl für den betroffenen Musiker, als auch für die Band, wenn sich die nicht von dem Betroffenen trennen wollte.

Naja, und von einer Kommission als "Berufsmusiker" eingestuft zu werden war für uns aus naheliegenden Gründen tatsächlich illusorisch. Die "gute" Seite an der Jobpflicht war dann eben auch die Möglichkeit, mit Betriebs-LKWs zu den Gigs zu kommen. Außerdem hatten wir einen Proberaum in einem Betrieb, in dem zwei von uns arbeiteten. Wenn dann mal wieder nichts zu tun war, weil irgendwelche Teile für die Produktion fehlten, gingen wir einfach in den Proberaum und verbrachten die "Arbeits"zeit sinnvoll.

Endlich legal Musik machen

Dass wir als Band überhaupt eine Einstufung – und damit eine Auftrittserlaubnis - erhielten, kam so: In der Band übernahm ich bewusst nicht die „Leitung“, das machte unser Schlagzeuger Micha Fey. Da unser Schlagzeuger in der Musikschule die Prüfung zur Mittelstufe bestand, konnte er FLEXIBEL als sein Projekt in der Höhe seiner Einstufung anmelden. Irgendwann ging Micha ins Kreiskulturkabinett, sprach mit dem für Bands zuständigen Mitarbeiter, der dann zu einer Probe kam und die "Pappen" ohne, dass wir vorspielten, verteilte. Aus meinen noch nicht vollständig vorliegenden Stasi-Akten erfuhr ich nach der Wende, dass dieser Mitarbeiter noch einen "Nebenjob" beim Ministerium für Staatssicherheit hatte und die Band zukünftig bis zur Wende 1989 "begleiten" sollte.

Und dann gab's sogar Fördergelder

Wir waren sogar "Förderband" der FDJ-Kreisleitung Wernigerode. Als Kreisleitung brauchten die etwas zum "Abrechnen" für ihre jugend-kulturellen Aktivitäten. Da es zu diesem Zeitpunkt, es war Herbst 1987, im ganzen Kreis Wernigerode nur noch ganze zwei(!) Jugendbands gab, von denen eine auch noch Oldies coverte, ergab es sich quasi von selbst, einen Fördervertrag mit uns zu schließen. Wir erhielten auch Geld für Technik, allerdings in Maßen.

Insgesamt bekamen wir vielleicht 9000 Mark bis 1989. Allein der Mixer "Vermona 1222" kostete damals 5200 Mark. Die vier Bandmitglieder hätten zwei Monate lang ihren gesamten Lohn sparen müssen, um sich so ein Ding zu kaufen. Dabei ging die Kohle schon für sonstige Ausrüstungen wie Lautsprecherboxen oder weitere Instrumente drauf.

Zwischen Fördern und Verbieten

Zunächst lief die "Förderei" ziemlich lahm an. Der Kulturchef-FDJler war das, was man heute einen "tranigen Beamten" nennt. Ende '88 gab es auf diesem Kulturposten eine Umbesetzung. Zu diesem Zeitpunkt kursierten bereits Gerüchte über ein Verbot der Band, so dass der Neue erst einmal unsere Texte sehen wollte. Wir gaben ihm ein paar unverfängliche Lyrics. So richtig zufrieden schien er damit aber nicht zu sein, weil er bei jeder Gelegenheit nach "anderen" Texten fragte, einmal besuchte er uns sogar zur Probe. Dort hörte er jedoch keine anderen Songs, als die, die ihm bekannt waren...

Auftritt bei der FDJ

Unser Part des Förder-Vertrages mit der FDJ-Kreisleitung als Band war offenkundig, nur als Verrechnungsgröße zu existieren. Als wir 1989 eine Veranstaltung für die FDJ machen sollten, konnten wir uns erfolgreich drücken. Bei einer „Tagung“ der FDJ-Kreisleitung zur „Woche der Kultur und des Sports“ in einer Neubaugaststätte in Wernigerode mit etwa 50 Teilnehmern sollten wir jedoch - es war wohl Mitte 1988 - anwesend sein. Wir erschienen aber als einzige ohne FDJ-Blauhemd. Der dortige Kellner kannte uns, und kam mit der ersten Ladung Bier gleich zu uns, mit Technikern waren wir immerhin acht Leute und natürlich vollzählig, schließlich gab es Freigetränke...

Die FDJler um uns hoben den Arm, um auch etwas zu bestellen. Doch der Kellner knurrte sie nur an: „Gleich.“ Drei Minuten später stand das nächste Tablett auf unserem Tisch und der Kellner raunte uns zu: „Ihr seid doch hier die einzig Normalen.“ Die dürstenden und vorwurfsvoll blickenden FDJler fertigte er mit einem „Ich kann mich nicht zerteilen“ ab. Nach der Veranstaltung, wir waren mäßig „blau“, kam der stellvertretende FDJ-Kreis-Chef und fragte, ob wir uns denn nicht zum Beispiel auch anders hätten anziehen können, als Westjeans und Fleischerhemden, und überhaupt - offene lange Haare und dazu auch noch angetrunken...

14 Tage später kamen FDJ-Vertreter aus Magdeburg, denen man anhand von uns zeigen wollte, wie toll die Kultur in Wernigerode gefördert wird. Hier sollten wir allerdings in anderen Klamotten auftauchen. Als wir dann jedoch mitteilten, keine anderen Klamotten zu haben, brauchten wir nie wieder an so einer Veranstaltung teilnehmen.

Von logistischen Schwierigkeiten...

Einen LKW bekamen wir auch mit Hilfe der FDJ nicht. LKW's waren streng kontingentiert. Wenn also jemand privat einen LKW verkaufen wollte, was selten genug passierte, musste erst eine Kommission beim Landkreis dem Verkauf und dem Käufer zustimmen. Und da Vollprofis, wie der Staatszirkus, Rummelbetriebe und Profibands ständig LKW's brauchten, wurden die halt bevorzugt bedient. Im Frühjahr 1989 kauften wir uns dann einen „K 30“, Baujahr 1957. Den verkaufte uns ein privater Getränkelieferant für 9.000 Mark. Da das Auto eigentlich Schrott war, stimmte auch die örtliche „LKW-Kommission“ dem Kauf zu. Tatsächlich sind wir mit diesem Gefährt auch nur dreimal zu einem Auftritt gefahren.

Ansonsten hatten wir Bekannte aus den Betrieben, in denen wir arbeiteten, die uns für nicht wenig Kohle an den Wochenenden mit den Betriebs-LKW's durch die DDR „chauffierten“. Die Leute sowie die Veranstalter staunten immer nicht schlecht, als FLEXIBEL zu den Konzerten mit den LKW's der Waschfirma „Reintex“ - dort arbeitete unser Schlagzeuger und ein Techniker - , des VEB Mineralquellen Blankenburg - hier war unser Bassist Beifahrer - oder den Elektromotoren des VEM ELMO Wernigerode, wo ich Gabelstapler- und E-Karren-Fahrer war, vorfuhren. Allerdings hat das auch nicht immer geklappt. Dann mussten wir andere Möglichkeiten suchen. U

Und so kam es dann auch zu einer solchen Story: Im Telefonbuch standen die örtlichen „Fuhrunternehmen“. Die wurden dann der Reihe nach angeklingelt, ob sie nicht aushelfen könnten. Beim ersten war der LKW defekt, der zweite hatte schon was zu tun. Das Fuhrunternehmen Linde allerdings zeigte sich sehr interessiert an unserem in Aussicht stehenden Auftrag. Frau Linde fragt abschließend, wie weit denn gefahren werden müsse. Unsere Antwort: Nach Borna, 200 km. Darauf Frau Linde zweifelnd: „Mein Mann macht das bestimmt, aber ob die Pferde das durchhalten?“ Dass wir dann die gesamte PA in einen Saporoshez mit Anhänger unterkriegen mussten, ist ein Bild, das man gesehen haben muss.

Mit Daumen hoch zum Auftritt

Gelegentlich sind wir zu unseren Konzerten auch getrampt. Da war einer unserer PKW's kaputt, wir fuhren immer mit einem Moskwitsch und einem Trabi. Also mussten wir zum Konzert nach Potsdam trampen, Geld gab es ja erst nach dem Auftritt. In meinem Autoatlas, den ich dabei hatte, war auch eine Stadtkarte von Berlin, wo meine Tante wohnte. Irgendwann hatte ich in diese Karte eingezeichnet, wie man am besten per Auto zu ihr kommt. Dort, wo sie wohnte, machte ich ein Kreuz. Allerdings wohnte sie in der Schulze-Boysen-Straße, und die liegt genau gegenüber der Stasi-Zentrale in der Normannenstraße.

Bei einer „Personenkontrolle“ während unseres Trampens in Brandenburg fand man den Atlas- und die eingezeichnete Strecke Richtung Normannenstraße. Wir zwei, unser erster Bassist Thomas Richard und ich, wurden sofort getrennt. Daraufhin nutzten wir die Chance, unsere Staatsmacht noch etwas zu verwirren und begannen uns nach einem Augenzwinkern gegenseitig zu belegen, Motto: „Du langhaariger Assi, mit dir trampe ich nicht mehr, unseren Genossen von der VP bist du auch aufgefallen.“ usw. Solch Unheil unter den Bürgern wollte die VP jedoch nicht anrichten, weshalb sie seelenklempnerisch eingriff, bis dann zwei „grüne Taxis“ - für jeden „Terroristen“ eines - kamen und uns mitnahmen... Die Sache konnte schnell - nach etwa zweieinhalb Stunden - geklärt werden, wir konnten wieder gehen.

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2009, 14:37 Uhr