Lexikon Frauen

8. März | Frauentag

Einmal im Jahr feierte die DDR die Gleichberechtigung. Zum Frauentag am 8. März gab es Blumen und Auszeichnungen vom Betrieb. In Reden wurden die Frauen in den Himmel gehoben, am anderen Tag wurden sie schnell wieder "geerdet". Schicht, Haushalt, Kinder, Einkauf, Weiterbildung, Elternaktiv in der Schule ...

Die Gleichberechtigung war in der Verfassung festgeschrieben. Die materielle Grundlage dafür sollte die Berufstätigkeit schaffen. Tatsächlich waren 1989 über 90 Prozent der Frauen berufstätig. Aber bei genauem Hinsehen offenbarten sich Merkwürdigkeiten. In den unteren Lohngruppen 4 und 5 arbeiteten insgesamt 56,7 Prozent der 4,2 Millionen weiblichen Arbeitskräfte, aber nur 21,7 Prozent der 4,3 Millionen männlichen Beschäftigten. Das ergab eine Lohnanalyse des Zentralen Forschungsinstituts der Arbeit in Dresden. Bei anspruchsvollen und gutbezahlten Tätigkeiten sah es umgekehrt aus. In den hohen Lohngruppen 7 und 8 waren nur 13,8 Prozent der Frauen, aber 43 Prozent der Männer eingestuft.

Mann und Frau sind gleichberechtigt und haben die gleiche Rechtsstellung in allen Bereichen des gesellschaftlichen, staatlichen und persönlichen Lebens. Die Förderung der Frau, besonders in der beruflichen Qualifizierung, ist eine gesellschaftliche und staatliche Aufgabe.

- Artikel 20 der Verfassung der DDR

Nie an der politischen Macht beteiligt

Das Zentrum der Macht war trotz aller Gleichstellungsbeteuerungen bis zum Schluss für Frauen nahezu hermetisch abgeriegelt. In der SED, die sich selbst als Vorkämpferin des gesellschaftlichen Fortschritts sah, wurde niemals eine Frau 1. Sekretär einer SED-Bezirksleitung. Im Politbüro waren gerade zwei Frauen "Kandidat" ohne Stimmrecht: Margarete Müller (seit 1963; Landwirtschafts-Kader), die ohne hauptamtliche politische Funktion blieb, und Inge Lange (seit 1973), deren formale Machtposition als ZK-Sekretär auf das Ressort "Frauenfragen" beschränkt blieb.

Dem Ministerrat gehörten die für ihre stalinistischen Terrorurteile berüchtigte Justizministerin Hilde Benjamin (1953-1967) und seit 1963 die Bildungsministerin Margot Honecker an.

Gleichberechtigung in allen sozialistischen Staaten festgelegter Grundsatz, dass Mann und Frau vollständig gleichberechtigt sind. Im Unterschied zu bürgerlichen Staaten ist die G. der Frau im Sozialismus nicht nur verfassungsmäßig verankert, sondern in der gesellschaftlichen Praxis verwirklicht. MEYERS UNIVERSAL-LEXIKON, Band 2, VEB Bibliographisches Institut Leipzig 1980, S. 158

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2011, 10:40 Uhr